in die Kur zu begeben, sich auch dieserwegen daselbst ein besonderes Haus zu mieten. Ehe aber diese Anschläge zu Werke gerichtet wurden, fügte es sich, wie schon oben gemeldet, dass sie ihren geliebten Kavalier unverhofft zu sehen bekam und demselben einen Ort anweisen konnte, wo sie sich beide vollkommen miteinander zu ergötzen die bequemste gelegenheit hätten.
Der über eine neue Amour höchst erfreute Elbenstein säumete sich nicht, sein Devoir zu observieren, sondern stieg vom Pferde, ging hinter ein kleines Gepüsche und schrieb ebenfalls mit Bleistift der Dame ein kleines Billettgen zurück, worin er versicherte, dass er mit dem allergrössten Vergnügen ihrer Ordre parieren und sich um bestimmte Zeit in Ariqua zu ihren Füssen werfen wollte. Der geschickte Diener war bei Zurückbringung der Schüssel und Abstattung des gehorsamsten Danks von seinem Herrn so glücklich, der Dame das Billettgen unvermerkt in die Hand zu stecken. Diese befahl, dass man dem Diener alle seine Ficken voll Früchte stecken sollte. Weil nun dieser Kerl, etwas lustiges Gemüts war, liefen alle ihre Bedienten hinter ihm her, mittlerweile bekam die Dame Zeit, Elbensteins Antwort zu lesen, worüber sie in höchstes Vergnügen gesetzt wurde. Endlich, da die lustigen Geister wieder zurückkamen, befahl die Dame, dass sie im haus bleiben sollten, sie aber ging mit dem Diener etliche Schritt in einer Galerie fort, riss eine schöne Aprikose ab, tat einen einzigen Biss darein, wickelte hernach dieselbe in ein reines Papier und sagte: "Da! bringet diese Eurem Herrn, nebst meinem Herzen, und wo Ihr getreu seid, soll es Euer Schade nicht sein." Hiermit drehete sie sich ganz unpassioniert um, der Diener machte seinen Reverenz und kehrte zu seinem Herrn, beide setzten sich zu Pferde und ritten ihres Weges.
Wenn aber Elbensteins Magen gleich bis unter das Kinn angefüllet gewesen wäre, so hätte er sich doch nicht entbrechen können, diese angebissene Aprikose annoch zu essen, ja sie schmeckte ihm dermassen delikat, dass er sich nicht entsinnen konnte, zeitlebens dergleichen Leckerbissen gegessen zu haben. Bei Vorbeipassierung des Schlosses hatte er das Glück und Vergnügen, seine neue Amasiam im Fenster gucken zu sehen, der er nebst einer charmanten Miene ein obligantes Kompliment machte, nachher aber seinem Pferde die Sporen gab und zu rechter Zeit in Battaglia angelangete, wo er sich sogleich durch den Oberhofmeister bei dem Marchese melden liess, auch bald hernach in einem von vier Bedienten des Marchese begleiteten Wagen nach hof abgeholet und nach abgelegter Kommission mit zur fürstlichen Tafel gezogen ward.
Indem nun der Marchese über die Visite des Fürsten in ein besonderes Vergnügen gesetzt war, so liess er Anstalten machen, demselben auf zwei italiänische Meilen entgegenzufahren und ihn aufs prächtigste zu bewillkommen.
Man hält es nicht vor ratsam, die Magnifizenz, Kostbarkeiten, herrliche Traktamenten und andere Divertissements, als Opern, Bälle und dergleichen, so bei dieser durchlauchten Versammlung passieren, ausführlich zu beschreiben, weilen dieses viel zu weitläuftig fallen würde, sondern nur zu melden, dass, nachdem sich beiderseits Fürsten eine ganze Woche hindurch zu Battaglia ergötzet hatten, sie von dem Prälaten eines fünf italiänische Meilen davon gelegenen reichen Benediktiner-Klosters (wo ein Brunnen war, dessen wasser wie Milch schmecken soll) auf etliche Tage eingeladen wurden, um sich mit Jagen und Fischen zu belustigen. Beide fürstliche Personen begaben sich also, jedoch nur mit einer kleinen Suite, dahin, um dem geistlichen Herrn nicht allzu viele Ungelegenheit zu verursachen, wannenhero Elbenstein desto leichter Erlaubnis erhielt, auf fünf Tage nach Padua zu reisen, indem er vorgab, dass er daselbst etliche aus Morea gekommene Offiziere besuchen und ihnen, weil sie von daraus nach Deutschland zu reisen gesonnen, einige Galanteriewaren und italiänische Raritäten an seine Eltern und gute Freunde zu überbringen, mitgeben wollte.
Als er aber nur eine halbe Stunde weit von Battaglia hinweg war, wandte er sich gänzlich von der Strasse, so nach Padua gehet, ab und gelangete, da es schon dämmrich war, zu Ariqua in dem bedeuteten Gastofe zum Lämmgen an. Hieselbst liess er sich ein eigenes Zimmer geben und bat, die Abendmahlzeit bald fertig zu machen, da denn mittlerweile, als der Wirt dazu Anstalt machte, eine betagte Frau in sein Zimmer kam, unter dem Vorwande, das in der Alkove stehende Bette weiss zu überziehen. Diese Alte fragte ihn alsobald, ob er nicht der Kavalier wäre, welcher in vergangener Woche bei dem schloss N.N. vorbeigeritten und sich am Weinberge mit Trauben und andern Früchten delektiert hätte. "Ja!" sagte Elbenstein, "der bin ich. Die Früchte delektierten mich ungemein, jedoch lange nicht so sehr als der Anblick einer wunderschönen Dame, die ich im Vorbeireiten aus einem Fenster des Schlosses gucken sah." Hierauf meldete die alte Ruffiana, dass eben diese wunderschöne Dame schon gestern in Ariqua eingetroffen wäre und sich in das allernächste Haus bei diesem Gastofe einlogiert hätte. Ihr, der Alten, als welche ehedem in ihrer Eltern Diensten gewesen, hätte sie seine person sehr genau beschrieben und dabei befohlen, ihn bei Nachtszeit zu ihr zu führen, weil sie verschiedenes mit ihm zu sprechen hätte. Elbenstein machte allerhand Einwürfe, wie nämlich dieser Besuch bei nächtlicher Weile eine gefährliche Sache sei. Was würde nicht der Wirt denken, wenn er als ein Fremder so späte aus dem haus ginge? Über dieses wisse er nicht, was ihm als einem Ausländer, der hier ganz und gar nicht bekannt wäre, etwa vor Gefährlichkeiten aufstossen könnten. Allein, alle diese Schwürigkeiten und Vorstellungen wurden