von vornehmen Eltern ist. Sie hat sich schon vor einiger Zeit in Sie verliebt gehabt und mir ihre heftige Liebe anvertrauet, weiln mir nun von meiner herrschaft anbefohlen worden, Ihnen, mein Herr, alles erdenkliche Vergnügen in Ihrer Einsamkeit zu machen, so vermeinete ich, mit einem wohlgebildeten Frauenzimmer meine Sache hauptsächlich wohl gemacht zu haben, muss aber von ihr vernehmen, dass sie sehr kaltsinnig von Ihnen traktiert worden. Ei! gebrauchen Sie sich doch der gelegenheit, solange Sie noch hier sind, sie soll alle Nacht bei Ihnen bleiben, und haben Sie sich dieserwegen nicht der geringsten Verantwortung zu besorgen, es wird sich auch niemand darüber aufhalten, denn es weiss niemand etwas davon als ich ganz allein."
"Um Gottes willen, mein Herr!" widerredete Elbenstein, "verschonen Sie mich mit dergleichen Liebespossen, denn sie sind ganz und gar wider mein Naturell, ein gutes Buch kann mir die Zeit besser passieren als das schönste Frauenzimmer, jedoch habe ich allen geziemenden Respekt vor dieses schöne Geschlechte." "Erlauben Sie denn, dass dieses artige Kind", sagte der alte verzweifelte Fuchs, "diesen Mittag mit Ihnen speisen darf, damit Sie ihr wohlgebildetes gesicht recht bei Tage sehen, vielleicht gefällt es Ihnen besser als bei Lichte."
"Ich habe hier nichts zu befehlen oder Erlaubnis zu erteilen", versetzte Elbenstein, "sondern habe, wie mein Herr selbsten wissen, mit mir umgehen lassen, als man nur immer gewollt." "Ei!" sagte der alte Schalk, "die bösen zeiten sind vorbei, nunmehr müssen Sie sich erstlich wieder etwas zugute tun, ehe Sie von uns reisen. Sorgen Sie vor nichts weiter und schlagen allen Kummer aus dem Sinne." Hiermit wünschte ihm der Alte gesegnete Mahlzeit und ging seiner Wege. Bald hernach wurden die speisen durch die Stummen aufgetragen, und eben da sich Elbenstein zu Tische setzen wollte, öffneten sich die Tapeten abermals, durch welche die gestrige la bella Catarina ins Zimmer getreten kam, einen Reverenz à la mode machte und ganz freimütig fragte, ob sie sich bei ihm zu gast bitten dürfte. Elbenstein replizierte, wie er sich eine besondere Ehre daraus machte, mit einem schönen Frauenzimmer zu speisen, präsentierte ihr deswegen einen Stuhl und setzte sich gegen sie über, legte ihr auch von allen Gerichten die niedlichsten Bissen vor. Sie charmierte entsetzlich, und Elbenstein fühlete zu verschiedenen Malen den Pfahl, welcher ihn im Fleische stak, doch nahm er sich ernstlich vor, seinen Affekten einen Zaum und Gebiss ins Maul zu legen und sich mit diesem Satansengel im geringsten nicht in Unzucht einzulassen. Unterdessen, da sie so raffiniert war, nicht das geringste von Liebessachen, viel weniger von der Passage der verwichenen Nacht zu erwähnen, sondern nur verschiedene curiöse und lustige geschichte zu erzählen, so war es Elbensteinen so gar allzusehr nicht zuwider, dass er doch jemanden hatte, mit dem er sprechen konnte, denn mit den Stummen konnte er nichts diskurieren, und den Alten sah er allezeit lieber gehen als kommen.
Nach der Mahlzeit holte diese Sirene eine Gitarre und spielete sehr künstlich darauf, sunge auch über zwei Stunden lang viele Arien drein, indem sie eine rühmenswürdige stimme hatte. Hierüber empfand Elbenstein einiges Vergnügen, ja er fing fast an zu wünschen, dass er mit diesem artigen Bilde nicht in einem Käfig eingeschlossen, sondern an einem etwas freiern Orte sein möchte. Jedoch wenn er an die Ketten, Brandmale und endlich an das Henkersschwert gedachte, verging ihm aller Appetit zum Liebesspiele, weswegen er auch nach wenigen fröhlichen Blicken sogleich wieder in eine Tiefsinnigkeit verfiel.
Nachdem sich nun endlich das Frauenzimmer müde musiziert, langete sie ein Brettspiel herbei und nötigte Elbensteinen, die Dame mit ihr zu ziehen. Sie spielete dieses sinnreiche Spiel sehr wohl, und Elbenstein, der es sonsten auch gut spielete, hatte viel zu schaffen, ihr dann und wann ein Spiel abzugewinnen. Sie trunken Koffee darbei und spieleten also, bis die Abendmahlzeit aufgetragen wurde, da sie denn abermals miteinander speiseten und von lauter indifferenten Sachen diskutierten, wobei Elbenstein bemerkte, dass sie als ein Frauenzimmer einen sehr guten natürlichen Verstand hatte. Gleich nach der Mahlzeit machte sie ihm stillschweigend ein Kompliment und retirierte sich. Elbenstein war sehr froh, dass sie nur Abschied nahm und nicht wie gestern von Liebespossen zu reden anfing. Er setzte sich demnach wieder vor sein Buch und war gesonnen, nur noch etwa das Ende einer gewissen Geschicht darinnen auszulesen, hernach sich beizeiten zur Ruhe zu legen, allein kaum hatte er die Stummen fortgeschickt, da der Irrgeist im rosenfarbenen Schlafrocke wieder kam und eben eine solche Komödie spielete wie die gestrige Nacht. Sie wendete alle Bewegungsmittel an, ihn zu sich ins Bette zu kriegen, allein er behielt auch in diesem Kampfe den Sieg, und sie musste ihm bei anbrechenden Tage die Walstatt lassen, weiln er seine Feinde, die Lüste und Begierde, glücklich aus dem feld geschlagen.
Am dritten Tage setzte sie ihm noch schärfer zu als vorher und sonderlich des Nachts, bald fiel sie ganz nackend vor ihm auf die Knie, bald weinete sie, und ihr einziges Bitten war dieses, dass er sich nur eine einzige Viertelstunde an ihre Seite legen und sie küssen möchte, ob er gleich sonsten nichts bewerkstelligen könnte. Dieser satanische Hauptsturm währete bis zu Anbruch des Tages, indem sie bald ins Bette hinein, bald wieder heraus sprang und Elbensteinen, der zwar die Augen immer auf sein Buch gerichtet hatte, jedoch nicht wusste,