dem Frauenzimmer zur Antwort: "Vortreffliches geschöpf! ich glaube schwerlich, dass ein schönerer Körper kann gefunden werden als der Ihrige, denn Sie sind ein rechtes Meisterstück der natur, ich Elender habe aber die grösste Ursache, bei solchen Umständen mich über die Grausamkeit der natur zu beschweren, dass sie mir nicht auch dasjenige mitgeteilet, was sie doch dem allergeringsten Baurenknechte gegeben. Schönster Engel! Ich wollte ja gern, aber ich kann ja nicht! deswegen quälen Sie mich doch nicht!" "Ei!" sagte das Frauenzimmer, nachdem sie noch ein Glas Wein ausgetrunken hatte, "es mag denn sein, wie es sei, ich liebe doch Eure person, kommet nur mit mir ins Bette, damit ich das Vergnügen habe, Euch zu umarmen und zu küssen, wenn mir gleich der völlige Genuss Eurer Liebe versagt wird." "Dieses wäre", versetzte Elbenstein, "eine vollkommene Tortur vor mich, bedenken Sie es selbst, liebenswürdige Dame! Bei einem solchen schönen Bilde zu liegen und sich mit demselben nicht divertieren zu können, würde mir dieses nicht 1000 Seufzer auspressen? Was wäre Ihnen also mit meiner Qual gedienet? deswegen sein Sie so gütig, begeben sich in Ihrem Zimmer zur Ruhe, weil ich sicher glaube, dass tausend qualifiziertere Kavaliers, als ich bin, sich mein heutiges Glück in diesem Stücke wünschen möchten, es also Ihnen, werteste Dame! am Liebesvergnügen nicht ermangeln kann, ich aber muss mein Unglück beklagen." "Nein!" sagte sie, "ich muss bei Euch im Bette liegen, kommet nur!" Hiermit fuhr sie vom stuhl auf, liess ihren Schlafrock fallen, stunde also nackend und bloss vor Elbensteins Augen, welcher jedoch seinen Arm auf den Tisch stützte und die Hand vor die Augen hielt. "Ach, Ihr schämet Euch zu sehr, mein Herr!" liess sich die Verführerin vernehmen, "kommet nur ins Bette und ziehet die Gardinen zu." Hiermit nahm sie ihren Schlafrock, legte denselben auf einen Stuhl vors Bette, sie aber stieg ganz gemächlich hinein und legte sich zurechte in Meinung, dass Elbenstein nachfolgen würde. Allein dieser, welcher den Streich als eine der stärksten Versuchungen des Satans ansahe, nahm die Bibel zur Hand und schlug darinnen etliche Psalmen auf, welche sich auf seinen Zustand wohl applizierten. etwa eine Viertelstunde hatte das Frauenzimmer gelegen, als sie rufte: "Wollet Ihr noch nicht kommen, mein Engel! habt Ihr noch nicht ausgebetet? Ihr seid ja doch kein Geistlicher? und o wieviel 1000 geistliche Herrn sollten ihr Gebet wer weiss wie lange unterlassen, wenn sie so gute gelegenheit zu Pflegung der Liebe hätten."
"Lassen Sie mich nur immer beten", replizierte Elbenstein, "schlafen Sie ruhig und gönnen mir die Ehre, dass ich Sie bewache." "O Unbarmherziger!" rief die Dame, "ist's möglich, dass Ihr so grausam sein könnet, mir nicht einmal das Vergnügen zu gönnen und in meinen Armen zu schlafen?" "Zürnen Sie nicht mit mir, Schönste", sagte Elbenstein, "sondern mit der unbarmherzigen natur, die mich untüchtig zum Liebeswerke gemacht hat." Hierzu schwieg das Frauenzimmer stille und fing an zu schnüben, so dass Elbenstein nicht wusste, ob es ein würklicher oder verstellter Schlaf bei ihr war. Er aber blieb auf seinen stuhl sitzen und lase in der Bibel, bis der Tag anbrach, da denn das Frauenzimmer abermals nackend aus dem Bette heraussprunge, etlichemal auf und ab spazierete, endlich vor ihn trat und sagte: "Wollet Ihr mich noch nicht lieben?" "Ich wollte wohl", gab Elbenstein darauf, "wenn ich nur könnte." Sie sprach: "So küsset mich doch wenigstens nur einmal." "Ich habe es", erwiderte Elbenstein, "nicht allein verredet, zeit meines Lebens kein Frauenzimmer zu küssen, weilen es doch mir und ihr zu nichts helfen kann, sondern ich will auch in diesem Stücke meine Keuschheit bewahren." "O du Keuschheit über alle Keuschheit!" sagte die Coquette, warf damit ihren Schlafrock über sich, machte ihm ein Kompliment und retirierte sich durch die hinter den Tapeten befindliche Tür in ein ander Zimmer.
Der sehr ermüdete Elbenstein dankte dem Himmel, dass er ihm diese sehr starke satanische Versuchung so ritterlich überwinden helfen, weiln er aber Bedenken trug, sich in das Bette einzuscharren, wo diese Geile gelegen hatte, als legte er sich nur ohnausgezogen im Schlafrocke auf die Oberdecke und schlief einige Stunden.
Kurz vor der Mittagsmahlzeit kam der Alte und fragte, wie er sich befände und ob er etwas Ausserordentliches verlangte. Elbenstein gab zur Antwort: "Nichts anders möchte ich verlangen und wünschen als meine Freiheit, zu meinem Fürsten zu reisen, um demselben zu zeigen, dass ich kein ehrvergessener Deserteur sei." "Da wird schon bald Rat dazu werden", sagte der Alte mit sehr freundlichen Gebärden, "Sie sollen sich nur erstlich wieder ausfüttern und Ihres Kummers vergessen, damit Sie desto fröhlicher von uns Abschied nehmen können, denn alles, was geschehen, ist mir selbsten zum grössten Leidwesen geschehen. Aber, a propos", fuhr der Alte im Reden fort, "mein Herr! warum sind Sie denn so grausam ekel gewesen und haben das artige Frauenzimmer verschmähet, welches ich gestern abend zu Ihnen kommen lassen? Ich kann Ihnen bei meiner Ehre versichern, dass es keine gemeine Canaille, sondern ein Kind