Tritt mit dem fuss. Man brachte ihm einen Pokal mit Wein, allein er nahm denselben nicht an, sondern betete in seinen Gedanken das Lied: 'Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn' etc. etc. Er geriet darüber in tiefe Gedanken, weswegen ihn der Alte erinnerte, sich nicht länger aufzuhalten, sondern seine Resolution in der Kürze von sich zu geben, weiln er noch in dieser Stunde Gnade zu hoffen hätte. Elbenstein aber ermunterte sich sogleich, antwortete zwar dem Alten kein Wort, stiess jedoch zum zweiten Male mit dem fuss auf den Boden, betete hernach noch etliche Sprüche und endlich: 'Herr Jesu! dir lebe ich, Herr Jesu! dir sterbe ich' etc. etc., unter welchen Worten er zum dritten Male auf die Erde stampfte und den letzten Streich erwartete. Es waren ihm sozusagen schon fast alle Gedanken vergangen, und der Scharfrichter war eben im Begriff, den Streich zu vollführen, als eine stimme, jedoch nicht des Alten stimme, rief: "Halt! er soll auf diesmal Gnade haben."
Es wusste Elbenstein, wie gesagt, fast gar nicht, wie ihm geschahe, und die grausame Alteration brachte ihm eine heftige Ohnmacht zuwege, so dass er plötzlich vom stuhl herunterfiel und von seinen Sinnen nicht wusste. Es währete über zwei gute Stunden, ehe er wieder zu sich selbst kam, und da befand er sich in einem andern kostbar meublierten Zimmer in einem propren Bette, und zwar im blossen Hembde liegend. Er schmeckte noch im mund, dass man ihm Arzenei eingegossen haben müsse, auch fühlete er, dass ihm am arme zur Ader gelassen, ingleichen judizierte er wegen des Geruchs, dass man ihn mit starken Spiritibus müsse gewaschen haben. Demnach als er bemerkte, dass seine Lebensgeister wieder zurückgekommen, richtete er sich im Bette auf, da denn sogleich die beiden Stummen herzutraten, von welchen er ein Glas wasser forderte, indem ihm der Mund und Hals ungemein trocken war. Der eine Stumme brachte ihm also ein Glas Limonade, welches er sehr begierig austrank und noch eins forderte. Wie nun auch dieses verschluckt war, legte er sich wieder nieder und schlief, jedoch sehr unruhig, bis die Sonne aufgegangen war, da ihm denn ein kleiner Tisch vors Bette und der Tee darauf gesetzt wurde. Der eine Stumme brachte ihm ein Glas Tropfen benebst einem Zettel, worauf geschrieben stunde, wieviel und wie oft er von dieser herzstärkenden Arzenei einnehmen sollte. Er gebrauchte die Arzenei, welche sehr stark und wohlschmeckend; endlich, nachdem er fünf bis sechs Schälichen Tee getrunken, legte er sich wieder zurück ins Bette nieder, konnte aber nicht wieder einschlafen, sondern lag mit offenen Augen und sah seinem fernerweitigen Schicksale entgegen, betrachtete auch das bisherige mit ziemlicher Gemütsruhe. Die speisen und Wein, so ihm mittags und abends gebracht wurden, schienen aus einer fürstlichen Küche zu sein, demohngeacht hatte er diesen und folgenden Tag wenig Appetit, am dritten Tage aber frühmorgens, nachdem er die vorige Nacht ungemein wohl geschlafen hatte, befand er sich ganz gesund, munter und frisch, welches er der köstlichen Arzenei zuschrieb, die er beide Tage nach der Vorschrift fleissig gebraucht hatte. Er fragte demnach die stummen Bedienten, ob ihm erlaubt wäre aufzustehen und seine Kleider anzuziehen. Die Stummen winkten mit dem haupt, brachten auch gleich seine Kleider herbeigetragen, weswegen er aufstund und sich ankleidete, mittlerweile ihm die Stummen den Tee auf den Tisch setzten. Sobald er nach Belieben davon wie auch von der Arzenei zu sich genommen, fragte er die Stummen, ob sie ihm die beiden Bücher nicht wieder verschaffen könnten, damit er einigen Zeitvertreib hätte. Augenblicklich lief einer fort und brachte ihm sowohl die Bibel als das Historienbuch, weswegen er erstlich ein paar Stunden seine Andacht in der Bibel hatte, hernach in dem Historienbuche lase, bis ihm mittags die köstlichen Traktamenten auf den Tisch gesetzt wurden. Er speisete mit guten Appetit, trunk auch etwas mehr Wein als vorige Tage und befand sich im übrigen sehr gestärkt und wohlauf. Den ganzen Nachmittag brachte er abermals mit Lesen in dem buch zu, abends aber, nachdem er gespeiset, kam der Alte, wünschte ihm ganz freundlich einen guten Abend, gratulierte ihm zu guter Besserung und bat ihn um Vergebung, dass er seiner Ordre zufolge also mit ihm verfahren müssen. nunmehr habe er Ordre, ihn aufs allerbeste zu traktieren, voritzo aber ersuchte er ihn, in ein ander Zimmer zu folgen. Hiermit gab er den Stummen zu vernehmen, dass sie zwei silberne Leuchter mit Wachslichtern nehmen sollten. Diese gehorsameten, Elbenstein wurde von dem Alten genötiget, hinter ihnen herzugehen, er selbst aber folgte, und also passierten sie erstlich durch einen kleinen gang, hernach eine schmale steinerne Treppe in die Höhe, da sie denn auf einen grossen Saal kamen, wo der Alte vorausging und ein Zimmer eröffnete, welches inwendig mit den kostbarsten türkischen Tapeten ausgezieret und überhaupt dergestalt propre meubliert war, dass sich kein König schämen dürfen, darinnen zu logieren. Es stunde ein mit Wein und Konfekt besetzter Tisch auf der einen Seite, welchen ihm der Alte zeigte, auch sagte: "Ew. Herrl. werden unfehlbar von dem lang gewachsenen Barte inkommodiert werden. Dieser eine Stumme ist sehr geschickt, den Bart abzunehmen, deswegen können Sie sich von ihm akkommodieren lassen." Es war wirklich an dem, dass Elbenstein von dem langen und starken Barte sehr vexiert wurde, indem ihm der Hals ganz