Gnade in Gewährung dieser beiden Bitten wird Euch unfehlbar widerfahren", sagte der Alte, ging hierauf fort. Elbenstein aber, der sich ganz allein im Gewölbe sah, fiel nieder auf seine Knie und betete mit heissen Tränen zu Gott um Vergebung seiner Sünden und um ein seliges Ende. Er sehnete sich herzlich, noch einmal das heil. Abendmahl von einen evangel. luterischen Priester zu empfangen, weil aber dieser Wunsch vergeblich, wendete er sich um soviel desto eifriger zum Gebet, bis er endlich von den beiden Stummen darinnen gestöret wurde, als welche eine köstliche Mahlzeit vor ihn aufzutragen anfingen. ungeachtet er ihnen nun sagte, dass sie sich seinetwegen keine Mühe machen möchten, indem er weder essen noch trinken würde, so kehreten sie sich doch daran nicht, sondern trugen alles auf und liessen es stehen. Elbenstein aber rührete weder speisen noch Wein an, sondern verharrete im Gebet bis gegen die Mitternachtsstunde, da der Alte wiederkam, der dem einen Stummen winkte und ihm mit Zeichen etwas zu verstehen gab. Dieser ging sogleich fort, kam aber bald wieder zurück und brachte einen Hebekorb getragen, worin ein schwarzes Sterbekleid, ein sauberes weisses Hembde, ein paar weisse seidene Strümpfe und dergleichen Mütze mit einem schwarzen Bande lagen. Hierauf pfiff der Alte, da denn sogleich sechs Mann mit blossen Schwertern ins Gewölbe traten. Als Elbenstein diese sah, sprach er ganz entrüstet zu dem Alten: "Will man denn so gar grausam barbarisch mit mir verfahren und mich in Stükken zerhauen? Ist's denn nicht genug, wenn mir der Kopf mit einem Streiche abgeschlagen wird?" "Diese", gab der Alte zur Antwort, "werden nicht an Euch kommen, woferne Ihr nicht etwa Miene macht, Euch zur Wehre zu stellen, denn Ihr werdet jetzt losgeschlossen werden, damit Ihr als ein Kavalier nicht in Ketten und Banden sterbet, auch vorher Eure Sterbekleider anlegen könnet." "Es ist gut", sagte Elbenstein, "unterdessen ist es nicht nötig, dass ich andere Sterbekleider anziehe, denn diese, so ich anhabe, sind mir Sterbekleider genug." "Es ist mir aber", versetzte der Alte, "also befohlen, mitin werdet Ihr Euch nicht weigern zu gehorsamen." "Diesen Gefallen", liess sich Elbenstein vernehmen, "kann ich ja meinen Tyrannen auch noch wohl erweisen." Hierauf ging er hinter die Spanische Wand und zohe alles an, kam hernach hervor, setzte sich auf den Klotz und nahm die Bibel in die Hand, allein der Alte liess ihn nicht zum Lesen kommen, sondern tat ihm die ehemaligen Propositiones nochmals, bat ihn ziemlich beweglich, dass er doch seine Halsstarrigkeit ablegen und auf die bewussten Punkte aufrichtige Antwort erteilen möchte, womit er nicht allein sein Leben retten, sondern auch sogleich nach zweien Tagen seine Freiheit nebst einem kostbarn Geschenke erhalten würde. Allein Elbenstein blieb unbeweglich als ein Fels und bat den Alten zu guter Letzt nochmals, ihn mit fernern Zureden zu verschonen, weil er wider die Wahrheit nicht reden, sondern viel lieber sterben wolle; er solle ihm demnach nur nicht lange quälen, sondern seiner Ordre gemäss verfahren, denn er wäre versichert, dass der Himmel sein Blut rächen würde.
Der Alte entschuldigte sich nochmals, dass er seiner Ordre parieren, die herrschaftlichen Befehle ausrichten und ihnen die Verantwortung überlassen müsste. Unterdessen aber pfiff er auf seiner Pfeife, wornach sogleich ein dicker starker Mann mit einem langen, sechs Finger breiten blanken Schwerte hereingetreten kam. "Dieser", sagte der Alte, "ist der allergeschickteste Meister im ganzen land, Euch, mein Herr, auch im Dunkeln den Kopf auf einen Hieb herunterzuhauen, woferne Ihr nur den Hals fein in die Höhe recket; wollet Ihr aber noch Gnade haben, so folget demjenigen, was ich Euch heute abends noch zu guter Letzt proponiert habe." "Ein Kavalier, wie ich bin", sagte Elbenstein, "muss bei keinen Barbarn um Gnade bitten, sondern ehe sein Leben hingeben." "Nun, so geschehe es denn", sprach der Alte, winkte inzwischen den Stummen, welche sogleich herzukamen, ein schwarzes Tuch auf den Boden breiteten und einen Sessel ohne Lehne darauf setzten, worauf Elbenstein seinen Platz nehmen musste.
Der Alte präsentierte ihm ein Tuch, sich die Augen darmit verbinden zu lassen, allein Elbenstein sagte: "Ein rechtschaffener unschuldiger Kavalier kann sich gewalttätigerweise seinen Kopf ohne Verbindung der Augen abschlagen lassen; aber", sagte er weiter zum Scharfrichter, "hier habt Ihr, mein Freund, meine kleine Goldbeurse, worin wenigstens 200 Dukaten befindlich, nehmet Euch wohl in acht, quälet mich nicht, sondern machet nach Eurer Kunst, dass Ihr mir nur den Kopf in einem Hiebe herunter bringet. Inzwischen", sagte Elbenstein noch weiter, "erlaubt mir nur, dass ich noch eine sehr kurze Zeit mein Gebet zu Gott verrichte, sobald ich aber zum dritten Male mit dem fuss auf den Boden stosse, so hauet zu."
Der Scharfrichter nahm das Geschenk an, versicherte ihn, dass er sich auf seine Kunst verlassen könne, inzwischen wolle er ihm auch seinen letzten Willen erfüllen, nur bäte er, dass er zwar den Hals, aber keine Hand in die Höhe reckte, damit sein Körper nicht etwa zerstückt werden möchte. Elbenstein versicherte ihn, dieserwegen unbesorgt zu sein, griff hierauf nach der Bibel und las den 51. Psalm bis auf den 14. Vers inklusive. Hierauf tat er den ersten