Des Alten fragen: 14. Was er in Venedig zu verrichten gehabt? Elbensteins Antwort: 14. Einige Wechsel-Gelder vor seinen Herrn einzukassieren, welche auch gestern mit Wagens vorausgegangen, wo anders dieselben nicht von Räubern geplündert worden. Des Alten fragen: 15. Warum er länger in Venedig geblieben, als er dem Hausknechte in der Oreda Todesca versprochen? Elbensteins Antwort: 15. Er hätte den Kerl vor einen Narren angesehen, wisse auch selbst nicht einmal mehr, was er mit ihm geredet oder was er ihm versprochen hätte. Das aber müsse er gestehen, dass er viele Tage eher wieder zurückgekommen wäre, wenn ihn nicht das Malheur eines Kavaliers, der sein Landsmann, aufgehalten hätte, indem derselbe ein Bein zerbrochen und eine grosse Wunde in Kopf, da er von einer Galerie heruntergestürzt, bekommen hätte. Des Alten fragen: 16. Warum er jetzt bei seiner Retour von Venedig nicht in der Oreda Todesca, sondern im Gastofe al Sole eingekehret? Elbensteins Antwort: 16. Es stünde ihm frei einzukehren, wo er wolle, doch jetzt hätte er einmal aus gewissen Ursachen seinen Leuten nachgeben und zugleich selbst gute Acht und Wacht auf seines Herrn Geld und Sachen halten müssen. Des Alten fragen: 17. Ob er gar nicht nach dem Frauenzimmer in Padua gefragt, mit welchem er zu Ariqua in der Margareta haus etliche Nacht courtoisiert hätte? Elbensteins Antwort: 17. Er wisse weder von der Margareta haus noch von der Courtoisie mit einem Frauenzimmer, indem er sich vor gefährlichen Liebeshändeln jederzeit sehr gehütet, auch gar nicht disponiert wäre, verbotne Liebesintriguen zu spielen, dann wenn er ja so gar verliebt wäre, könne er nur nach haus reisen und sich eine Frau nehmen, weil er gottlob! bemittelt genug, selbe zu ernähren. Diese letzte Antwort brachte Elbenstein mit einer heroischen Ungedult vor, der Alte sah ihm starr in die Augen, es sei nun, dass ihn Elbensteins Eifer abschreckte oder dass er nichts weiteres als auf einmal dieses zu befragen hatte, so sass er erstlich eine gute Weile stille, endlich aber sagte er: "Mein Herr! Ihre Reden stimmen mit der Wahrheit nicht alle überein, wir wissen ein vieles schon weit besser. Bedenken Sie sich wohl, ich will Ihnen Zeit geben bis auf den Abend, reden Sie sodann die Wahrheit auf alle diese fragen besser aus, so ist's gut vor Sie, bleiben Sie aber bei der jetzigen Aussage, so muss man es billig vor eine starke Verstockung halten, und ich werde unfehlbar Ordere kriegen, Sie schärfer anzugreifen." "Was ich ausgesagt habe", replizierte Elbenstein, "das ist die klare Wahrheit, ich werde niemals anders reden, es mag mein Leben kosten oder nicht." "Wenn Sie die Wahrheit reden", sagte der Alte, "könnten Sie Ihr Leben erretten und mit grösster Honneur in Ihre Freiheit kommen, so aber siehet es misslich aus. Besinnen Sie sich eines Bessern, unterdessen soll es Ihnen bis auf fernere Ordre an guter Verpflegung nicht ermangeln, befehlen Sie nur den Stummen, was sie Ihnen bringen sollen, denn es mangelt hier an nichts, und diese Kerls, ob sie gleich nicht reden können, so verstehen sie doch alles und sind sehr geschickt. Ich aber will mich Ihnen empfehlen und meinen Bericht erstatten."
Hiermit nahm der Alte sein kleines Dintenfass, Feder und Papier, worauf er Elbensteins Aussage geschrieben hatte, pfiff auf einen kleinen Pfeifgen, da denn beide stummen Laquais wieder ins Gewölbe traten, er, der Alte, aber marschierte nach einem nochmals gemachten Kompliment zu eben derselben Tür hinaus, wo er hereingekommen war.
Elbenstein begab sich hinter die Spanische Wand, warf sich in grösster Ungedult aufs Bette, die Tränen stiegen ihm in die Augen, und er sagte heimlich zu sich selbst: 'Ach! du bist in die hände deines Schwagers, des Mannes der masquierten Schöne gefallen! Nichts ist gewisser als dieses! Es ist Verräterei passiert, wer weiss, wie es dem allerliebsten Bilde gehet, vielleicht ist ihre Ermordung nur so lange aufgeschoben, bis ich alles haarklein auf sie bekannt habe. Aber, nein! ich will den Himmel noch fernerweit um Vergebung meiner Sünden bitten und bei meiner Aussage bleiben bis in den Tod. Denn bekenne ich die reine Wahrheit, so lässt mich der Tyranne, ob er mir gleich dem Scheine nach die Freiheit gibt, dennoch unterwegs durch bestellte Banditen ermorden, ehe ich meines Fürsten Residenz erreiche. Bekenne ich nicht, so werde ich allhier in geheim ums Leben gebracht, damit er aller Sorgen befreit sei, wegen meiner gewaltsamen Arretierung etwa Rechenschaft und Satisfaktion zu geben.'
Kurz zu sagen, Elbenstein hielt nichts vor ratsamer und wichtiger, als sich zu einem baldigen seligen Ende zu präparieren, und ob es gleich dem Fleische und Blute schon im voraus wehe tat, so richtete ihn doch der Geist Gottes wegen seiner ernstlichen Busse und Bekehrung immer vom neuen dergestalt auf, dass ihm immer leichter ums herz ward, wie er denn noch vor der Mittagsmahlzeit in einen süssen Schlummer verfiel. Er sah im Traume eine verhüllete person, welche einen schwarzen Pergamentbogen aus dem Busen zohe, denselben aufrollete und ihm entgegen hielt, auf diesem Bogen erblickte Elbenstein den mit güldenen Buchstaben geschriebenen Spruch: 'Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind' etc. etc. Unterdessen liess die person ihre Verhüllung fallen, und Elbenstein erkannte dieselbe vor seinen Freund, den Herrn