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Ah! retrahe has stellas lucidas,
Iam radiis mens tuis est combusta,
Agnoscite Victricem, anima
Angelica!
Mein Engelkind! In was vor trübe Nacht
Zieht mich dein wunderschönes Licht und Leben.
Halt ein! Die Glut hat mich fast umgebracht.
Ich will dir williglich gewonnen geben,
Du hast gesiegt! Ich will es gern gestehn,
lass mich nur gehen.
Sed fugem cur ardenter appeto?
Ignotum hoc est adhuc pugnae genus,
Non fugio, si succumbuero,
Me vinciet, me vincet Alma Venus,
Et vulnera, quae dat Angelica,
sunt oscula.
Jedoch, mein Herz! was willst du rückwärts gehen?
Du kennst noch nicht die Art von diesem Kriege,
Drum weiche nicht, du wirst entzücket sehen,
Wie du besiegt, vergnügt wirst bei dem Siege.
Hier wird, wenn man sich gleich zum Kriege rüst',
sehr oft geküsst.
Darauffolgenden Morgens trat Elbenstein seine Reise nach Battaglia an, um seinen durchl. gnädigsten Herrn bei dem Marchese anzumelden. Es war aber um die Zeit der Weinlese oder, wie es die Italiäner nennen, al tempo dell üve, da es sich denn fügte, dass, als er ungefähr acht italiänische Meilen geritten war, er an ein überaus schönes Schloss kam, bei welchen ein vortrefflicher Weinberg lag, wo die reifen Trauben abgelesen wurden. Er bekam Appetit, etwas von solchen delikaten Früchten zu kosten, weswegen er seinen Diener befahl, abzusteigen und sich gegen Bezahlung einige derselben von dem Winzer geben zu lassen. Der Diener berichtete bei seiner Zurückkunft, dass eine junge, schöne und ansehnliche Dame sich in dem Lustause befunden, welche Elbensteinen durch ein Perspektiv betrachtet, und sobald sie von ihm, dem Diener, vernommen, dass derjenige, so die Trauben verlangete, ein Kavalier des Fürsten von N. wäre, hätte sie sich selbsten die Mühe gegeben, die besten abzuschneiden und dieselben nebst den auserlesensten Aprikosen in eine Schüssel zu legen. Unter der Zeit aber, da sie den Winzer auf die Seite geschafft, hätte sie eine Bleifeder aus der Ficke gezogen und einige Zeilen auf ein Blättgen Papier geschrieben und ihn, den Diener, gebeten, solches nebst den Früchten und einem ergebensten Kompliment von ihrer person seinem Herrn zu überbringen. Elbenstein war nicht halb so lüstern, die schönen Früchte zu kosten, als den Inhalt des Billetts zu wissen, fand also selbiges folgendermassen gesetzt:
'Die Früchte sind glücklicher als ich, weil sie von den süssen Lippen eines schon längsten in geheim von mir angebeteten Kavaliers sollen berührt werden. Die andere Woche werde ich nach Ariqua kommen, wo ich hoffe, das Glück zu geniessen, mich mit seiner höchst verlangten Gegenwart beseligt zu sehen. Reise glücklich, Du angenehmer Trost meiner Seelen! Im Gastofe zum Lämmgen, daselbst wirst Du eine person antreffen, welche Dir gelegenheit zeigen kann, mein verliebtes Verlangen zu stillen.'
Diese verliebte Dame stammete von einem fürstlichen haus derer von Carrara her, welcher Vorfahren Fürsten zu Padua gewesen. Nach dem fatalen Ende aber des Fürsten Andreae Caranensis war diese durchl. Familie dermassen in Verfall dessen Hoheit, Macht und Güter geraten, dass die zu damaligen, Elbensteins, zeiten annoch lebende Nachkommen sich kaum als mittelmässige von Adel aufführen konnten. Obgedachte Verfasserin des Billetts war an einen tyrolischen Baron von K. vermählt, welcher seine vorherige hochschwangere Gemahlin bei einer an dem Inn-Strom vorgenommenen Promenade wegen eines auf sie gelegten Verdachts in den Strom gestürzt, wo es am tiefsten gewesen, so dass sie, ehe ihr jemand zu hülfe kommen können, jämmerlich ertrinken müssen. Um aber nun der Rache seiner Schwäger und übrigen Anverwandten zu entgehen, hatte sich der Baron von K. nach Italien unter die Protektion der durchl. Republik Venedig salviert, die schon zum voraus auf seine tyrolischen Güter erborgten 50000 Reichstaler zu Erkaufung dieses Schlosses nebst andern dazu gehörigen austräglichen Pertinenzstücken angelegt und sich nachher mit dieser Dame von Carrara vermählet. ungeachtet nun dass dieses Paar Eheleute einander an Jahren sehr ungleich waren, indem der Baron schon 50, sie aber kaum 20 zählete, so wusste doch diese schlaue Dame, in Betrachtung des wenigen zu ihm gebrachten Vermögens, ihn dergestalt zu karessieren, dass er nicht den geringsten üblen Verdacht auf sie legte, sondern ihr alles Gutes zutrauete, überhaupt an ihrer Treue gar keinen Zweifel trug. Und eben dieserwegen vergönnete er ihr weit mehr Freiheit, als sonsten ordentlicherweise andere italiänische Dames zu geniessen haben. Ja, sein Vertrauen war dergestalt gross, dass er ihr vergönnete, ohne seine Gesellschaft zu ihren Anverwandten und guten Freunden über Land zu reisen. Bei so gestalten Sachen hatte sie die gelegenheit, als sie ihre Frau Schwester, die von St. Piedro Campo zu Venedig, besuchte, den von Elbenstein zu sehen, welcher mit seinem Fürsten um die Jahrszeit, da sich der venetianische Doge mit dem Adriatischen Meere zu vermählen pflegt, dahin gekommen war. Sie warf augenblicklich eine ungemeine Liebe auf diesen Kavalier, jedoch ungeachtet sie oft in Opern und Assembléen einander begegnet, er ihre leidenschaft nicht merkte, sie aber ihm selbige zu entdecken keine bequeme gelegenheit hatte, über dieses keine person wusste, der sie ihr Anliegen sicher vertrauen konnte, so musste die verliebte Dame ohne Erfüllung ihres Verlangens vor diesesmal mit trockenen mund nach haus reisen.
Jedennoch vermehrete sich bei ihr die Liebe und sehnsucht nach diesem Kavalier dergestalt, dass sie endlich auf die List geriet, eine Krankheit vorzugeben und bei einem berühmten Medico in derselben Stadt, wo Elbensteins Fürst residierte, sich