demnach sehr andächtig und bussfertig so lange, bis ihm die Augen darüber zufielen und er in einen süssen Schlaf geriet, auch nicht ehr erwachte, bis die Sonne durch die hohen Fenster in das Gewölbe hereinleuchtete. Er verrichtete sein Morgengebet ebenso andächtig und bussfertig als das Abendgebet, stunde hernach auf und fand das Waschwasser sowohl als den Tee sogleich parat. Unter währenden Teetrinken bemerkte er, dass dieses Zimmer zwei mit starken eisernen Türen verwahrte Ausgänge hatte, und als er abermals in tiefe Gedanken verfallen war, öffnete sich plötzlich die eine Tür wodurch ein etliche 60jähriger Mann, der von ziemlichen Ansehen war, jedoch etwas Barbarisches im gesicht hatte, hereintrat und ihm mit einem höflichen Kompliment einen guten Morgen bot.
Elbenstein dankte und nötigte ihn, eine Tasse Tee mit ihm zu trinken. Dieser deprezierte solches, setzte sich aber an den Tisch Elbensteinen gegenüber und gab den beiden Stummen einen Wink, welche alsofort zur andern Tür hinausgingen. Als diese hinweg, fing der Alte also zu reden an: "Mein Herr! Sie werden sich allerdings verwundert haben, dass man Sie, sozusagen, als einen Gefangenen an diesen Ort gebracht, Sie haben sich aber alles guten Traktaments zu versichern und nicht die allergeringste Gefahr zu besorgen, sondern sollen gleich morgen früh Ihre Freiheit bekommen hinzureisen, wo Sie hin wollen, woferne Sie nur auf ein und andere fragen, die ich Ihnen vorlesen werde, die aufrichtige Wahrheit bekennen. Ich schwere Ihnen, mein Herr! sogleich einen leiblichen Eid, dass, wo Sie dieses tun, Ihnen nicht das geringste Leid allhier geschehen, sondern Sie gleich morgen Ihre Freiheit wiederhaben sollen. Sind Sie aber halsstarrig und verstockt, so schreiben Sie es sich selbst zu, wenn man Sie übel traktiert. Mein wohlmeinender Rat ist also dieser: dass Sie sich gar kein Bedenken nehmen, die klare Wahrheit zu bekennen (denn man weiss die Sache ohndem so schon gewiss und will nur Ihr eigenes Geständnis haben), es wird Ihnen sodann allhier nicht die geringste Gefahr bringen, mir aber sollte von Herzen leid sein, wenn Sie sich verstockterweise durch Leugnen mutwillig in Unglück stürzten." Hierauf gab Elbenstein zur Antwort: "Mein Herr! ich höre, dass Sie etwas von mir verlangen, ich weiss aber noch nicht eigentlich, was es ist, darum kurz von der Sache zu kommen, so formieren Sie nur Ihre Quaestiones, ich will mit Bestande der Wahrheit darauf antworten, denn ich bin ein Kavalier, der sich keines Verbrechens schuldig weiss."
Demnach fing der Alte an, folgende fragen zu tun, welche wir in ordentlicher Forme hieher setzen wollen: Des Alten fragen: 1. Ob er, der deutsche Kavalier, Herr von Elbenstein genannt wäre und bei dem Fürsten von N. in Diensten stünde? Elbensteins Antwort: 1. Ja! Des Alten fragen: 2. Ob er zur Zeit der letzteren Weinlese in Ariqua gewesen? Elbensteins Antwort: 2. Ja! Des Alten fragen: 3. Wie lange er sich daselbst aufgehalten? Elbensteins Antwort: 3. ungefähr fünf bis sechs Tage. Des Alten fragen: 4. Was er daselbst zu verrichten gehabt? Elbensteins Antwort: 4. Er wäre in Affären seines Fürsten dahin beordert worden. Des Alten fragen: 5. Ob er eine Gärtnersfrau daselbst kennete, Margareta genannt? Elbensteins Antwort: 5. Er wäre in verschiedene Gärten gegangen, wenn ihm eben die Lust angekommen, Weinbeere oder Obst zu essen, habe sich aber nicht darum bekümmert, wie die Eigentumsherrn derselben oder deren Weiber mit Namen hiessen. Des Alten fragen: 6. Ob er nicht in der Margareten Behausung einige Nachtvisiten abgelegt? Elbensteins Antwort: 6. Er wisse von keiner Margareta, viel weniger von deren Behausung. Des Alten fragen: 7. Wer das Frauenzimmer, die ihn dahin berufen lassen, und wie sie gestaltet gewesen? Elbensteins Antwort: 7. Er wisse von keiner Berufung, hätte auch mit keinem Frauenzimmer etwas zu tun gehabt, auch keins begehret, ungeachtet ihm die Zeit, solange er sich an diesen schlechten Orte aufhalten müssen, sehr lang worden. Des Alten fragen: 8. Wie oft er dieses Frauenzimmer ungefähr bedienet? Elbensteins Antwort: 8. Das wäre eine törichte Frage, da er sich in ganz Ariqua um kein Frauenzimmer bekümmert, sondern die meiste Zeit mit seinem Wirte passiert hätte. Des Alten fragen: 9. Ob ihm das Frauenzimmer nichts zum Andenken geschenkt? Elbensteins Antwort: 9. Er wisse von keinen Frauenzimmer, noch weniger vom Angedenken. Des Alten fragen: 10. Ob ihm das Frauenzimmer nicht nach Padua bestellet, um der Liebe ferner mit ihm zu pflegen? Elbensteins Antwort: 10. Man hörete ja wohl, dass er weder von einem Frauenzimmer noch von Pflegung der Liebe mit derselben wisse. Des Alten fragen: 11. Ob er auf seiner Hinreise nach Venedig nicht durch Padua gereiset? Elbensteins Antwort: 11. Ja. Des Alten fragen: 12. Ob ihm nicht daselbst ein Mann Nachricht von seiner Amour gegeben und von fernerer Zusammenkunft mit derselben gesprochen? Elbensteins Antwort: 12. Es wäre ein Kerl in Gestalt eines Hausknechts zu ihm gekommen und hätte viel von Liebesaffären mit einer Dame gesprochen, allein er, Elbenstein, hätte denselben vor verrückt im Gehirne gehalten, oder es müsse denn sein, dass er ihn vor einen andern angesehen hätte. Des Alten fragen: 13. Wo er dazumal in Padua logieret? Elbensteins Antwort: 13. In der Oreda Todesca.