ganz still. Endlich kam er ein klein wenig zu sich selbst und sprach zu seinen Wächtern: "Meine Herrn! Was habt ihr vor Vergnügen daran, mich von den höchstwichtigen und eiligen Verrichtungen abzuhalten, die ich meinem Herrn, dem Fürsten von N., zu leisten verpflichtet bin? Erlaubt mir, meine Strasse zu reisen, ich will euch gern eine gute Reuterzehrung geben." "Signor!" gab der eine zur Antwort, "wir sind keine Strassenräuber, werden auch keinen Soldi von Euch begehren, sondern wir tun nur, was uns von unserer herrschaft befohlen ist." "Was ist es denn vor eine herrschaft", fragte Elbenstein, "die mich anzuhalten befohlen?" "Wir haben keine Ordre", bekam er zur Antwort, "uns mit Euch in ein Gespräch einzulassen." Jedennoch tat Elbenstein noch verschiedene fragen, bald an diesen, bald an jenen, allein es schien nicht anders, als wenn alle sechs auf einmal verstummet wären, und der siebente, als sein Führer, war ganz und gar verschwunden. Er blieb demnach in tiefen Gedanken ganz unbeweglich sitzen und machte allerhand Kalender, bald fing er an zu zweifeln, dass ihm dieser Possen von der masquierten Dame, sondern vielleicht von jemand anders gespielet würde, weswegen er hin und her dachte, jedoch, wenn es um und um kam, sagte ihm sein herz, dass es niemand anders sein könne als die Masquierte, um sich wegen seines Ungehorsams und bezeigter Négligence an ihm zu rächen. Unterdessen war es Mittag worden, weswegen einer von den Räubern ein weiss Serviet auf eine Bank breitete, weiln kein Tisch in der Hütte, und weiss Brot, kalten Braten, eine Salvelatwurst, einen gebackenen fisch und etliche Stück Gebackenes darauf legte. Er brachte auch zwei Bouteillen Marziminerwein getragen und nötigte Elbenstein ganz höflich, dass er belieben möchte zu speisen, weil es bereits über Mittag wäre. Elbensteinen verging nun zwar Essen und Trinken vor Herzensbangigkeit, jedoch stellte er sich drüster an, als er war, griff zu, kostete nachgerade von einem jeglichen etwas, fragte auch, ob denn die Herren nicht gleichfalls mit speisen wollten. "Nein! Signor!" gab der eine ganz höflich zur Antwort, "diese kalte Küche ist vor Euch allein bestimmt, wir haben unsere Mittagsmahlzeit schon verzehrt." Hierauf brachte der Kerl einen silbernen, inwendig verguldeten Becher, schenkte denselben voll, bat anbei ihm zu vergeben, dass er ihm solchen auf keinen Teller präsentierte, weil sie dergleichen Geschirr nicht bei sich führten. Elbenstein wusste nicht, ob man ihn schraubte oder ob es des Kerls ernstliche Höflichkeit war, jedoch er trank, und zwar allerseits Gesundheit, weswegen sie tiefe Reverenze machten. Er schenkte den Becher selbst wieder voll und präsentierte ihn dem nächsten, so bei ihm stunde, allein er dankte mit einer höflichen Verbeugung und sagte, wie diese Portion Wein bloss vor ihn allein bestimmt sei. Er resolvierte sich aber in der Geschwindigkeit anders und sagte: "Jedoch, damit Ew. Herrl. nicht etwa auf arge Gedanken geraten, als ob die speisen und der Wein vergiftet wären, so will ich aus jeder Bouteille einen Becher voll Wein trinken, auch von jeder Art speisen eine Portion zu mir nehmen, dass Sie es sehen und desto mehr Appetit bekommen, denn wir haben noch mehr Vorrat bei uns." Elbensteinen gefiel dieses wohl, und er ass und trank auch in Wahrheit mehr, als er anfänglich willens gewesen war, so dass er glaubte, ganzer 24 Stunden ausdauren zu können. Nachdem er also wohl gespeiset, fing er wieder an zu diskurieren und tat verschiedene fragen an die Kerls, allein sie waren aufs neue stumm worden und antworte[te] ihm kein einziger ein Wort. Er trank deswegen beide Bouteillen Wein fast rein aus, und da der eine sagte: "Wenn Ew. Herrlichkeiten mehr Wein belieben, dürfen Sie nur kühnlich befehlen", gab Elbenstein zur Antwort: "Nein, vor dieses Mal danke ich, denn ich habe nur der Kälte wegen vor diesmal so viel getrunken, allein auf den Abend will ich mir noch eine Bouteille ausbitten und davor erkenntlich sein." etwa eine gute Stunde vor Untergang der Sonnen liess sich derjenige wieder sehen, welcher Elbensteinen den Brief gebracht und ihn bis hieher geführt hatte. "Ei, ei! mein Herr!" sagte Elbenstein zu ihm, "was hat Er mir vor einen losen Possen gespielet, da Er unfehlbar weiss, dass ich wichtige Verrichtungen habe." Der verfluchte Kerl zuckte die Achseln und sagte: "Ich kann nichts darvor, mein Herr! Bediente müssen aufs klüglichste ausrichten, was ihnen von ihrer herrschaft befohlen wird, wenn sie sich anders bei denselben in besondere Gnade setzen wollen." "Allein!" fragte Elbenstein, "soll ich den[n] heunte nacht in dieser elenden Hütte erfrieren?" "Es soll nicht Not haben", gab er zur Antwort und ging darmit zur Hütte hinaus.
Kaum eine Viertelstunde hernach kam einer und bat, Elbenstein möchte sich belieben lassen, aus der Hütte herauszuspazieren und sich zu Pferde zu setzen. Er folgte, bekam aber seinen Degen und Pistolen nicht wieder, und über dieses wurden ihm die Augen fest, die hände mit zwei seidenen Schnupftüchern an die Pistolenhalftern gebunden, sein Pferd aber von einem Kerl geführt. nunmehr wurde ihm erstlich recht bange, denn er gedachte: 'Ja, ja! es sind Räuber, nun werden sie dich in ihre