Tage die Ehre geniessen können, mit Ihnen zu konversieren, nunmehr aber werden Sie mich so leicht nicht wiedersehen. Jedoch verharre
Dero
aufrichtiger Freund.
sich selbst. Elbenstein aber erholte sich am ersten und fragte den Wirt, ob der Überbringer des Briefes noch zugegen wäre, weil er ihm ein Trinkgeld geben wollte. Der Wirt sah zu, aber der Pursche war über alle Berge, weswegen Elbenstein sagte: "Es hat nichts auf sich, er wird schon wiederkommen und die Antwort abfordern; der Herr Wirt aber tue so wohl und lasse vor drei Personen speisen und Wein herauf in unser Zimmer bringen, weil wir uns so kurz als möglich expedieren wollen, denn ich und mein Compagnon sind zu einem gewissen Landsmanne invitieret, mit dem wir ein und anderes zu traktieren haben."
Der Wirt säumete nicht, eine köstliche Mahlzeit zuzubereiten, sie aber machten nicht viel Federlesens, und da der Offizier, welcher mit ihnen gespeiset hatte, vermerkte, dass beide Kavaliers ganz tiefsinnig waren und vielleicht wichtige Geschäfte zu besorgen hätten, beurlaubete er sich von ihnen. Beide Kavaliers bedankten sich vor seine ihnen erzeigte gefälligkeit und verehrete ihm jeder drei spec. Dukaten, womit er höchst vergnügt von ihnen Abschied nahm, ihre Générosité ungemein herausstrich und die Dukaten auf ihre Gesundheit zu verzehren versprach.
Sobald sich diese beiden Freunde alleine auf ihrem Zimmer befanden, sahen sie erstlich einander lange an. Endlich brach Elbenstein das Stillschweigen und sagte: "Sollten wir wohl so glücklich sein, überzeugt zu werden, dass es wirklich möglich sei, Blei in Gold zu verwandeln, da bei uns in Deutschland viel tausend Menschen daran zweifeln, und sollten wir wohl dem alten, armselig scheinenden mann eine so gute Reuterzehrung zu danken haben?" "Ich weiss nicht, was ich bei dieser Geschicht denken soll", sagte Talberg, "jedoch, mein werter Freund, wir wollen alle beide selbst ausgehen und vier Pfund Blei kaufen, unsere Diener aber sollen einen oder zwei tüchtige Schmelztiegel einkaufen, denn ich kann doch ein klein wenig mit dem Laborieren umgehen, aber an das Goldmachen habe ich noch zeit meines Lebens keinen Pfennig verwendet." Hiermit zohen sie sich vollends an, gaben dem einen Diener Befehl, dass er Kohlen in Kamin heraufschaffen sollte, indem sie auf den Abend Kugeln giessen wollten, der andere aber wurde nach Schmelztiegeln geschickt mit Befehl, dieselben wohlverdeckt in ihr Zimmer zu schaffen, damit niemand etwas im haus davon gewahr würde. Sie beide aber gingen miteinander fort, kauften im ersten Materialistenladen sechs Pfund Blei, wovon jeder drei Pfund zu sich steckte, hernach spazierten sie in ein Weinhaus, wo sie sich bis gegen Abend die Zeit mit Billardspielen passierten, nachher in ihr Logis zurückkehreten.
Gleich nach der Abendmahlzeit mussten die beiden Diener aus zwei Pfund Blei Kugeln giessen, nachher wurden dieselben zu Bette geschickt, beide Kavaliers aber machten das Kohlfeuer von neuen an, setzten den einen Schmelztiegel mit dem Bleie drein, warfen, da das Blei zerschmolzen, die Pille hinein, und da es etwa sechs Minuten hernach drei helle Blitze aus dem Schmelztiegel heraus tat, hielten sie dieses vor das Zeichen, dass die Transmutation bereits erfolgt sei. Sie gossen demnach erstlich etliche kleine Klümpchen auf einen reinen Stein, hernach die wohlumgerührte Massa in eine starke eiserne Pfanne und blieben so lange offen, bis alles kalt war, endlich zwei Stunden nach Mitternacht legten sie sich zur Ruhe, konnten aber vor Verlangen, was aus dem Bleie geworden sein möchte, nicht länger schlafen, als bis der Tag kaum angebrochen war, da sie denn beim hellen Tagslichte mit erstaunlichen Vergnügen vermerkten, dass das Blei seine gewöhnliche Farbe verloren und an deren Statt die gelbe angenommen hatte. Um aber der Sache gewiss zu werden, kleideten sie sich an und gingen, nachdem sie den Tee getrunken hatten, zu einem Goldschmiede, bei welchem Elbenstein eine goldene Tabatière, die ihm einsmals bei Stürzung mit dem Pferde schadhaft worden war, vertauschte, sich dargegen eine neue einhandelte und noch etwas Geld herausgab. Wie nun Elbenstein sah, dass der Goldschmidt ein feiner Mann war, als sagte er zu ihm: "A propos, mein Herr! ich habe hier ein Stückgen Metall bei mir, wollen Sie mir nicht sagen, was es ist, damit ich weiss, ob ich damit betrogen bin oder nicht." Der Goldschmidt nahm und probierte es auf mancherlei Art, sagte endlich: "Mein Herr! wenn Sie es gekauft haben, sind Sie gar nicht damit betrogen, denn es ist ein feines Gold, und so Sie es nicht dazu bestimmt haben, etwas daraus machen zu lassen, will ich Ihnen so schwer gemünztes Gold davor geben, als das Gewicht austrägt, und wenn Sie noch mehr dergleichen hätten, wollte ich Ihnen alles abhandeln, weiln es in der Arbeit besser zu gebrauchen als zusammengeschmolzene Zechinen." Elbenstein sagte, er hätte nicht mehr als etwa zehn bis zwölf Lot davon, die stünden ihm zu Diensten, denn weil er eine Reise vor sich hätte, wäre ihm mit gemünzten Golde besser gedienet als mit ungemünzten, versprach auch, selbiges nach Tische entweder selbst zu überbringen oder durch seinen Diener zu überschicken. Der Goldschmidt bat, ihm diese gefälligkeit zu erweisen, weiln es zwar eben nicht das allerfeinste, jedoch ein schönes geschmeidiges Gold zum Verarbeiten wäre, über dieses wolle er ihm ein feines Affektions-Ringelgen in den Kauf geben. Elbenstein versicherte nochmals, dass er es ihm vor andern gönnen wollte, und hiermit nahmen beide Kavaliers