rechte Hand gelassen, andere Ehren- und Höflichkeitsbezeugungen zu geschweigen. 3. wird diese Legende zweifelhaftig gemacht durch die von den damaligen Geschichtschreibern so sehr belobte Demut des Papstes Alexandri sowohl als die gerühmte Grossmütigkeit des Kaisers Friedrici, welcher nicht einmal das Wort Beneficium dulten können. 4. Wer sollte wohl glauben, dass da so viele deutsche Reichsfürsten, und zwar von den allervornehmsten Häusern, bei, um und neben dem Kaiser gewesen, dass sie des Papsts Hochmut und ihres Kaisers Niederträchtigkeit hätten mit gelassenen Augen ansehen können. 5. widerstreitet dieser Legende der solenne Einzug zu Venedig und der vorher gemachte Friede. 6. Was das Gemälde anbelanget, welches noch gezeiget wird, so kann solches wohl von einem losen Vogel und Feinde des Kaisers verfertiget worden sein, es gibt aber keinen mehrern und bessern Beweisgrund als ein anderer satirischer Kupferstich oder Gemälde. 7. ist diese Fabel ausgepeitscht, weiln selbige bei gescheuten Protestanten selbst keinen Glauben mehr findet. Hiervon schreibt gar schön Christ. Adam Rupertus, ehemaliger Professor Historiarum zu Alt[d]orf, in seinem herausgegebenen Commentario ad synopsin Besoldi, auch andere deutsche Gelehrte mehr." Hiermit endigte der unbekannte alte Mann seine Erzählung, stunde auf, nahm das Licht von seinem Tische und bat, die Herrn möchten nicht ungütig nehmen, dass er nach seiner Schlafkammer eilete, weil er eine ordentliche Lebensart zu führen gewohnt wäre. Ob er nun gleich sehr gebeten wurde, noch ein Stündgen zu bleiben, so wollte er sich doch nicht länger aufhalten, tat aber dennoch ein Glas Wein auf geruhige Nacht Bescheid. Mittlerweile zohe Talberg zwei venetianische Dukaten aus seiner Ficke, druckte sie dem Alten in die Hand, weil er ihn vor einen Mann ansahe, der vielleicht nicht viel übrig haben möchte; bat anbei, vor diesmal mit diesem kleinen Geschenk vorliebzunehmen, morgen früh aber so gütig zu sein und in ihrem Logis, welches er ihm bezeichnete, bei ihnen einzusprechen, damit sie noch ein mehreres von seinen gelehrten Diskursen profitieren und weiter bekannt miteinander werden könnten. Der Alte versprach, solches zu tun, wenn es seine Geschäfte zuliessen, bedankte sich mit einer lächelnden Miene sehr höflich und freundlich vor das Präsent, wünschte ihnen eine geruhsame Nacht und marschierte ab. Bald hernach verfügten sich Elbenstein und Talberg auch in ihr ordentliches Logis und nahmen den einhändigen Offizier mit sich dahin.
Weil es schon ziemlich spät, legte sich ein jeder in ein besonderes Bette zur Ruhe, stunden jedoch morgens ganz früh auf und trunken den Tee miteinander, da denn der curieuse Herr von Talberg den Offizier bat, ihnen noch ein und anderes von venetianischen Merkwürdigkeiten zu erzählen. Da nun dieser sehr gesprächig war, so fing er also zu reden an:
"Die Regierungsform bei dieser Republik ist aristokratisch, denn es hat niemand Anteil an der Regierung als die sogenannten Nobili di Venetia. Diese Herrn von Adel werden füglich in sechs Klassen abgeteilet; in der ersten Klasse sind die sogenannten zwölf Apostel, das sind die alten zwölf Familien, die im Jahr 709 den ersten Herzog erwählet haben; in der andern Klasse stehen, die im Jahre 800 die Fundation der Abtei S. Georgii unterschrieben haben; in der dritten Klasse stehen die Familien, so im Jahre 1296 ihre Namen in das sogenannte güldene Buch eingeschrieben haben; in der vierten Klasse stehen die neuen Geschlechter, die der Republik in dem blutigen Kriege mit Genua grosse Geldsummen vorgeschossen hatten und deswegen im Jahre 1385 in den Adelstand erhoben worden; in der fünften Klasse stehen die letzten Geschlechter, welche im Candischen Kriege im Jahre 1646 den Adel vor 100000 venetianische Dukaten gekauft haben. Es waren 80 Familien, die vorher Kaufmannschaft, auch wohl gar nur Handwerke getrieben hatten; in der sechsten Klasse sind endlich alle auswärtige Standespersonen, welche von der Republik ehrenhalber unter ihren Adel sind aufgenommen worden. Wer nun aus einer solchen Familie geboren ist und das 25. Jahr seines Alters zurückgelegt hat, der ist allhier ein Ratsherr, er mag nun was gelernet haben oder nicht. Demnach ist leicht zu erachten, dass die Zahl der Ratsherren nicht immer einerlei, sondern steigend und fallend ist, wie sie denn auch niemals alle beisammen sind, sondern es halten sich viele in den Provinzen als Provisores auf. Wenigstens aber sind ihrer 2000 und etliche Hundert."
"Nun, das passiert vor ein Ratskollegium", sagte hier Talberg, "denn man spricht im gemeinem Sprichworte: Aus viel Köpfen ist gut raten. Aus diesen aber wird unfehlbar auch der Herzog oder Doge erwählet werden?"
"Allerdings!" fuhr der Offizier zu reden fort. "Es gehet aber die Wahl eines Doge allhier also zu: Sobald der letztverstorbene beerdiget ist, so kommen alle Nobili, die über 30 Jahr alt sind, in dem Palazzo di St. Marco zusammen. Allda werden erstlich fünf sogenannte Correctores erwählet, welche die Articul aufsetzen, worüber der künftige Doge schweren muss. Darauf greifen alle anwesende Nobili in ein silbern Gefäss, welches fast wie eine Urna oder Totenkrug aussiehet und mit silbernen, auch 30 goldenen Kugeln angefüllet ist. Diejenigen, welche die güldenen ergreifen, werfen neun davon unter 24 silberne und losen hernach von neuen. Die nun die neun güldenen Kugeln bekommen, erwählen wieder 40 andere, die doch insgesamt von unterschiedenen Familien sein müssen, und die zuvor gedachten neun können sich selbst wieder mit in diese 40 wählen. Dieselben losen wieder auf die zuvor gedachte Art, dass nur zwölf übrigbleiben. Von diesen zwölf erwählet der erste ihrer drei und von den übrigen