ganz moderat, so lange, bis er seine Studia absolviert hatte und von seinen Eltern nach haus berufen wurde. nunmehr lebt er in seiner Geburtsstadt mit einer qualifizierten, mit Schönheit und Gütern reichlich begabten Dame in der vergnügtesten Ehe, hat mir auch neulichst, da ich bei ihm war, als seinem vertrautesten Freunde, aufrichtig bekennet, dass, ungeachtet er jetzt in seinen besten Jahren wäre und viele gelegenheit zu wollüstigen Veränderungen hätte, so sei doch sein Herz gänzlich davon abgewendet. Seine vorherigen Ausschweifungen hätte er herzlich bereut und dem Allerhöchsten vor dessen Langmut demütigsten Dank abgestattet, dass er ihn nicht in seinen Sünden dahingerissen, sondern ihn dargegen nunmehr so wohl beraten, weswegen er denn auch alle Jahr, auf eben den Tag oder Nacht, da er auf der Strickleiter geschwebt, denen Armen eine Spende an Brot und Wein von 50 Dukaten austeilen liesse, jedoch nicht eitlen Ruhms wegen, sondern in einem Kloster unter verdeckten Namen."
"Das ist etwas Vortreffliches", versetzte Elbenstein hierauf, "wenn ein Mensch noch beizeiten zur Erkenntnis kömmet und sein Leben bessert, denn bei vielen heisst es: Cras, cras, semper cras & sic dilabitur aetas, bis sie endlich mit Leib und Seele zum T ... fahren."
Unter solchen und dergleichen Gesprächen ward endlich die Mahlzeit verbracht, und weiln der Oberhofmeister den Vorschlag tat, ob nicht die sämtlichen Kavaliers den fürstlichen Personen bis auf ein zwei Meilen von Battaglia gelegenes und dem Marchese Obizzo gehöriges Lustaus entgegenreiten und bis zu derselben Ankunft sich die Zeit mit Spielen oder andern Divertissements passieren wollten, als ward solcher von den sämtlichen Anwesenden willig angenommen; um desto früher aber aufstehen zu können, begab sich ein jeder desto zeitiger nach seinem Quartiere.
Elbenstein, dem die grausame Mordgeschicht des engl. Lords ganz und gar nicht aus den Gedanken kam und in seinem Gewissen noch immer eine grosse Unruhe und Bangigkeit empfand, ward höchlich erfreuet, als er bei Anlangung in seinem Quartiere vernahm, dass der Wirt wieder nach haus gekommen sei; indem er solchergestalt von einer abermaligen sündlichen Visite der Agata befreit zu sein verhoffte. Wie es aber einem geilen Frauenzimmer, wenn sie ihre Brunst gekühlet wissen will, niemals an listigen Erfindungen mangelt, so war auch dieses in unersättlicher Liebe gegen Elbensteinen entbrannte Weib hierinnen nicht die Einfältigste, denn sie hatte ihrem mann, dem Schneider, um denselben noch mehr Hörner aufzusetzen, eine gute Quantität vom Opio unter den Wein gemischt, den er mit seinem guten Freunde, als von der Jagd ermüdete, hellig und durstige begierig einschluckte. Das Opium würkte gar bald nach der geilen Frauen Wunsche, denn der arme Cornelius schlief nebst seinem Jagdkameraden plötzlich ein und wurden mit grosser Mühe zu Bette gebracht. Die listige Agata aber gab den überbliebenen Wein ihrer Magd, die sich eine Kalteschale darvon machte, jedoch bald nach deren Genuss durch das öftere Hojähnen und die schläfrigen Augen die Operation dieses eingelöffelten Tranks offenbarete, weswegen Agata aus verstelleten Mitleiden zu ihr sagte: "Geh nur zu Bette, du arme Rosine! Du bist, wie ich sehe, von deiner heutigen Arbeit ganz müde, ich will den fremden Kavalier die Haustüre schon aufmachen." Das gute Mensch konnte mit genauer Not ihre kammer erreichen, wo sie ohnausgekleidet aufs Bette hin und in einen tiefen Schlaf verfiel; Agata aber bewillkommete den von Elbenstein bei seiner Heimkunft mit freundlichen und vergnügten Gebärden, entschuldigte dabei ihren Mann, dass er seine schuldige Aufwartung bei ihm diesen Abend nicht machen könnte, indem er von der Jagd sehr ermüdet nach haus gekommen und sich bereits zu Bette begeben hätte.
Elbenstein, dem die geschwinden und listigen Erfindungen des italiänischen Frauenzimmers in Büssung ihrer Liebeslüste aus eigener Erfahrung schon bekannt waren, erriet alsobald das ganze Geheimnis, weil er aber, um sein geängstetes Gewissen zu beruhigen und einen Anfang in der ihm mit göttlicher hülfe vorgenommenen Busse und Bekehrung zu machen, sich ernstlich entschlossen hatte, als klagte er, wie ihm auf dem schloss eine jählinge Übligkeit zugestossen wäre, welches ursache gewesen, dass er sich zeitig retirieren müssen, womit er ihr eine gute Nacht wünschte. Agata tat dergleichen, in ihren Gedanken aber machte sie sich allerhand anmutige Abbildungen von der künftigen Liebesergötzung, die sie diese Nacht mit ihren angenehmen Kavalier pflegen und genüssen würde, doch musste sie die hitzigen und inbrünstigen Umarmungen so lange anstehen lassen, bis Elbensteins Diener vom Zimmer herunter und zur Ruhe ging. Alsdann eilete sie zu ihren geliebten Kavalier und legte sich, ohne viel Wesens zu machen, zu ihm ins Bette, suchte auch unter kurzer Erzählung, was sie vor List gebraucht, ihres Vergnügens vollkommen teilhaftig zu werden, den schläfrigen Elbenstein durch allerhand unverschämte Griffe zur Wollust zu bewegen. Allein sie wurde nicht wenig bestürzt, als sich Elbenstein in allen widersetzte und unter folgenden Worten von ihren geilen Umarmungen losmachte: "Meine Frau!" war seine Rede, "wird sich verwundern, warum ich Ihr nicht eben mit dergleichen Liebkosungen, als Sie mir erzeigt, wieder begegne; ich kann aber Derselben nicht bergen, dass ich durch eine von Venedig eingelaufene traurige und erschreckliche Zeitung in eine dergestalte Gemütsunruhe und Herzensangst gesetzt worden, dass durch derselben beständiges und unablässiges Anhalten alles, was eine hitzige Liebe sonsten erfordert, bei mir nunmehr als gänzlich erstorben liegt. Ob ich Sie nun gleich gestern nach Antrieb üppiger Begierden auf das heftigste geliebt habe, so werde ich Sie dennoch hinfüro nicht weiter als nach den Regeln und Gesetzen, die mir der Himmel und mein eigenes Gewissen vorschreiben