ersten Transport nach Morea als Fähndrich unter des Obristen Schönfelds Regiment zu gehen. Von Padua begab sich Elbenstein nach N., wo es ihm ungemein wohlgefiel, zumalen da er wegen seiner guten Aufführung von jedermann wertgehalten wurde, ja er liess sich auch belieben, die ihm von dem dasigen Fürsten angebotenen Dienste zu akzeptieren. Wie nun seine Charge also beschaffen war, dass er mit Leuten von verschiedenen stand umgehen und zu tun haben musste, also geschahe es, dass er eines Tages mit der Äbtissin des Klosters St. Stephano zu sprechen berufen ward. Da aber dieselbe mit einer jählingen Unpässlichkeit befallen worden, so schickte sie zwei von ihren vornehmsten Nonnen in das Parlatorium, um Elbensteinen von demjenigen ausführliche Nachricht zu erteilen, was er des Klosters wegen seinem gnädigsten Fürsten vorzutragen belieben möchte. Die eine von diesen geistlichen Damen nennete sich Marinalba und die andere Laura. Diese war blasses Angesichts und hatte nebst blauen Augen einen wohlgestalten Mund und Nase, war aber dabei etwas korpulent, auch war ihr Humeur nicht halb so lebhaft als der erstern ihres, welche zwar eine Brünette, dabei aber mit einer angenehmen und liebenswürdigen Gesichtsbildung und gleichsam blitzenden Augen von der natur versehen war.
Inmassen nun die Erfahrung bezeuget, dass zuweilen Fehler und Mängel mehr avantageux als schädlich sein, also trug sich's auch dieses Mal zu, denn je weniger der von Elbenstein noch bis dato der italiänischen Sprache mächtig war, je mehr Gunstbezeugungen genoss er von der angenehmen Marinalba, welche, von der reizenden Gestalt dieses Kavaliers gleichsam bezaubert und ganz eingenommen zu sein, durch Gebärden dasjenige zu verstehen zu geben wusste, was sie ihm durch Worte nicht erklären konnte. Seine gebrochene, halb französische, halb italiänische und öfters gar deutsche Wörter benahmen ihm bei dieser geistlichen Venus nichts von der Vollkommenheit, welche er nach ihrer Meinung im Überfluss besässe, und weil eine anständige Blödigkeit seine verliebten Stellungen begleitete, ward dieser Dame verliebte Regung immer mehr und mehr vergrössert. Solchergestalt brachte sie eine ziemliche Zeit alla Grada oder vor dem Gegatter zu, weilen Laura unter dem Vorwande einiger nötigen Geschäfte sich zeitlich retiriert hatte, bis man endlich Ave Maria läutete und das Kloster geschlossen werden sollte, da beide nach wiederholten Liebesbezeugungen voneinander Abschied nahmen, jene sich nach ihrer Zelle, dieser aber sich zu seinem Fürsten verfügte, um demselben von der aufgetragenen Kommission nebst Überreichung des von der ganzen Sache im Kloster gemachten schriftlichen Aufsatzes Relation zu erstatten.
Des andern Morgens, als Elbenstein noch im Bette lag, hörete er jemanden ganz sanfte an seine Stubentür anklopfen, da denn bei Eröffnung derselben ihm, nebst einem Kompliment von der Donna Marinalba, der Castaldo oder Torwärter ihres Klosters ein Billett und eine Cestella oder Körbgen, welches mit den delikatesten Confituren angefüllet war, überreichte.
Es möchte vielleicht den allerwenigsten Lesern daran gelegen sein, wenn man den Brief in italiänischer Sprache, worin er geschrieben, eindrucken liesse, weswegen man nur die deutsche Übersetzung desselben anhero setzet:
Mein Engel!
Du bist so liebenswürdig, dass ich mit Fug und Rechte dem Verhängnisse, welches unserer Liebe im Wege stehet, zum Trotze Dich anbete. Jedoch, mein Leben, die Liebe ist schon mächtig genug, uns aneinanderzuheften. Ja! Du Trost meiner Seele! Mein Geist ist einzig und allein mit Deiner vollkommenen Gestalt beschäftiget, und meine Gedanken gehen beständig nur sehen, und wenn ich glauben dörfte, dass Deine Gunst aufrichtig gegen mich wäre, so wüsste ich nicht, was ich von dem Glücke mehr fordern sollte, ich würde mich bei diesem Vergnügen vollkommen glücklich nennen können. Jedoch es mögen Deine Liebkosungen auch nur erdichtet sein, so will ich Dich doch auf alle Art mit der reinsten Inbrünstigkeit einer unvergleichlichen Gewogenheit, die so gar auch keine Gegengunst verlanget, wiederzulieben wissen. Mein Leben! es ist wohl unmöglich, dass, da Du, wie ich nicht zweifele, von vielen Damen geliebet wirst, unter ihnen nicht eine Venus sich finden sollte, die mir meinen geliebten Adonis raubte. Lebe wohl, mein Vergnügen, und erinnere Dich bisweilen
Deiner
Marinalba.
Elbenstein, der, wie bereits gemeldet, noch allzu unerfahren in der italiänischen Sprache war, wollte sich nicht unterstehen, schriftlich zu antworten, liess sich aber durch den Castaldo, welcher gut Französisch verstehen und reden konnte, nachdem er demselben ein gutes Mancia oder Trinkgeld gegeben, der verliebten schönen Nonne gehorsamst empfehlen und vermelden, dass er gegen Mittags, wenn die letzte Messe würde gehalten werden, in der Kirche ihres Klosters erscheinen und so lange darinnen verbleiben wollte, bis er Erlaubnis und Befehl erhalten würde, seine mündliche Danksagung vor das überschickte Présent abzustatten. Sobald Marinalba dieses vernahm, fiel ihr sogleich eine List bei, auch in dem heiligen und verschlossenen Orte dennoch eine freie Liebesunterhaltung zu geniessen. Denn weil sie dieses Jahr Sacristana oder Küsterin war, so konnte sie in der Sakristei unter dem scheinbaren Vorwande, das Messgeräte in Ordnung zu bringen und zu verwahren, eine Zeitlang daselbst verbleiben, daher sie dem Castaldo, welcher in der Ruffianania oder in der Kupplerkunst ein Meister war, befahl, unter der Messe dem von Elbenstein zu sagen, dass unter dem Scheine, seine Andacht in der Kirche noch allein zu haben, er bei einem gewissen Altar, der der Sakristei gegenüber war, verweilen sollte, da sich denn gelegenheit finden würde, mit ihm ein Stündgen alleine zu sprechen.
Der verschlagene Castaldo kam diesem Befehle ganz fleissig nach; denn als er unsern deutschen Kavalier bei einem Altare, wo eben dasmal keine Messe gelesen