" Dieses geschahe, und die Wirtin trug selbst nebst dem Diener den Koffee hinauf in sein Zimmer, wo sie, nachdem der Diener nur noch etwas zu holen hinausgegangen, die völlige Abrede nahmen, einander, sobald alles Gesinde zu Bette, bis zu Anbruch des Tages die Zeit zu passieren. Agata war schon so klug, die Anstalten darnach zu machen, und stellte sich noch eher bei Elbensteinen ein, als derselbe gehofft hatte. Von dem übrigen ist nichts zu gedenken, als dass sie bei Anbruch des Tages zwar vergnügter, jedoch auch weit ermatteter voneinander schieden, als sie zusammengekommen waren.
Vormittags um zehn Uhr, da er noch im süssesten Schlafe lag, nahm sich sein Diener die Freiheit ihn aufzuwecken, weil er wusste, dass längstens gegen elf Uhr die Karosse vom schloss kommen und ihn abholen würde, welches denn auch, da er kaum angekleidet war, eintraf, weiln es aber noch nicht Zeit zur Tafel, divertierten sich die sämtlichen Kavaliers in dem prächtigen Schlossgarten mit Spazierengehen, bis um ein Uhr zur Tafel geblasen wurde, bei welcher sie sich denn bald einfanden. Kaum hatten sie eine halbe Stunde darbei gesessen, als dem Oberhofmeister ein Paquet Briefe eingehändiget wurde, welches ein Expresser-Bote von Venedig überbracht hatte. Er eröffnete etliche derselben und fand endlich einen besonderen Zettel, nach dessen Durchlesung er sich ungemein bestürzt anstellete, nicht anders als ein Mensch, dem eine unverhoffte Unglückspost zu Ohren kommt. Der Baron von K. sah ihn an und sprach: "Ich bedaure, mein Herr, wenn Dieselben etwa betrübte Nachrichten erhalten haben!" "Es gehet mich", versetzte der Oberhofmeister, "die Sache insoweit nichts an, allein die Begebenheit ist erstaunlich; der Herr Baron belieben es selbst zu lesen und hernach den andern Herrn zu kommunizieren." Also nahm der Baron das Blatt, lase es durch und schüttelte den Kopf ebensosehr dabei, als der Oberhofmeister getan hatte, gab es hernach dem von Elbenstein, welcher folgende Relation darauf fand:
Der englische Lord D., welcher Ew. Gnaden wohlbekannt ist, hat vor einigen Tagen ein jämmerliches Ende genommen. Ew. Gnaden wissen, dass er ein überaus wohlgebildeter und ansehnlicher Herr war, darum hat sich schon vor vielen Wochen eine vornehme und reiche, doch aber vereheligte Dame in denselben verliebt, auch sich so lange bemühet, bis sie ihn endlich in ihr Liebesgarn bekommen. Indem sie nun eine von den allerschönsten Damen in dieser ungeheuren Stadt ist, so ist leicht zu erachten, dass sich der Lord nicht lange werde geweigert haben, einen geheimen Liebeskontrakt mit derselben zu schliessen, zumalen, da sie ihm diejenige Mühe, so er sich mit dem allergrössten Vergnügen gemacht, noch dazu ungemein reichlich belohnet hat. Allein der gute Lord wird bei seinem vermeintlichen grossen Glücke dergestalt stolz, dass er selbiges nicht bei sich behalten kann, sondern sich in verschiedenen Compagnien berühmt, was ihm vor Karessen und starke Präsente von einer gewissen Dame gemacht würden, die er zwar eben nicht mit Namen nennet, aber dergestalt eigentlich beschreibt, dass ein jeder leicht erraten kann, wer dieselbe sei. Die Dame erfuhr durch ihre Spions, welche dem Lord alle Tage auf dem fuss in alle Compagnien nachfolgeten, alles sehr frühzeitig wieder, und als er das erstemal wieder zu ihr kam, ermahnete und bat sie ihn aufs beweglichste, wenn er getrunken hätte, sein herz doch nicht auf der Zunge zu haben, mitin sie und zugleich sich selbst unglücklich zu machen, welches ihr der Lord zwar mit vielen Eidschwüren zusagte, dieselben aber bald vergass, denn nur wenige Tage hernach erzählete er gegen verschiedene vermeinte gute Freunde solche Specialia, dass niemand lange raten durfte, wer seine Geliebte wäre, ja er trieb dieses so lange, und einer erzählete es dem andern, bis endlich fast in allen vornehmen Compagnien öffentlich darvon gesprochen wurde. Die Dame wurde also dergestalt zum Zorne gereizt, dass sie einen grausamen Eidschwur tat, nicht ehe vergnügt zu ruhen, bis dieser ihr Schimpf an dem Lord durch ihre eigenen hände gerochen wäre; weiln aber ihr Mann etliche Wochen beständig zu haus blieb und sie wenig aus den Augen liess, musste sie ihre Galle und Rache, die von Tage zu Tage heftiger wurde, so lange unterdrükken, bis dieser, ihr Mann, auf einige Tage über Land zu reisen sich gemüssiget sah. Demnach liess sie den Lord durch ihre Vertraute mit den allersüssesten Worten zu sich locken, karessierte und traktierte denselben aufs liebreichste, liess sich auch nichts im geringsten merken, dass sie über ihn zu klagen ursache hätte, büssete hergegen ihre sündliche Lust zu guter Letzt recht vollkommen mit ihm; und da dieses geschehen, gab sie ihm, unter dem Vorwand einer Herzstärkung, einen Schlaftrunk ein. Kaum hatte der Unglückselige durch einiges Schnarchen zu verstehen gegeben, dass er fest schliefe, als sie ein unter dem Bette zurechtgelegtes spitziges und scharfes Messer hervorzohe und ihm in grosser Geschwindigkeit die Kehle damit abschnitt, so dass er nicht den geringsten laut von sich geben konnte. Nach diesem stach sie ihm die Augen, wormit er ihr, seiner Mörderin, so manchen geilen verliebten blick gegeben, aus dem kopf, die Lippen, womit er ihr so viel 1000 feurige Küsse aufgedrückt, ingleichen die Nase und Ohren wurden auch abgeschnitten, die Wangen aber durch viele Kreuzschnitte zerfetzt. Mit allen diesem aber war die Barbarin dennoch nicht zufrieden, sondern schnitt ihm noch als eine rasende Furie dasjenige ab, womit er ihre geile Liebe so