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denn noch verschiedene Nebengerichte nach italiänischer Art, welche zur Wollust reizen, ingleichen verschiedene Sorten von Confituren aufgesetzt wurden; auch fehlete es der Margareta nicht an etlichen Bouteillen Malvasier und Vino di Monte Alcino, welches alles vielleicht ein Überbleibsel von der Générosité der unbekannten Dame herrühren mochte.

Dieses alles schmeckte Elbensteinen recht vortrefflich wohl und noch besser als im Gastofe, weswegen er fast zwei Stunden mit seiner angenehmen Gärtnerin bei Tische zubrachte, nachher aber derselben nebst einem Gratial von etlichen Zechinen zu vernehmen gab, wie es nunmehr Zeit sei, dass er sich zu Pferde setzen und fortreisen müsste, weil er ohndem nicht wüsste, womit er sich bei seinen Fürsten entschuldigen wollte, dass er so viele Tage über die gesetzte Zeit aussengeblieben wäre.

Margareta hätte die Zechinen gern entbehret, wenn dieser feine Herr nur noch ein paar Tage bei ihr geblieben wäre, denn sie gab solches fast mit weinenden Augen zu verstehen, allein da derselbe die allerhöchste notwendigkeit und dass seine ganze Renommée darauf beruhete, vorschützete, anbei sie beredete, wie ihm ihre Karessen dergestalt wohlgefallen, dass er in wenig Wochen allhier wieder durchpassieren und in aller Still etliche Tage und Nächte bei ihr verbleiben wollte, gab sie sich endlich zufrieden, jedoch mit der Kondition, dass er ihr nur noch einen einzigen vollkommenen Liebesdienst erweisen mochte. Er, der sich durch die kräftigen speisen und köstlichen Wein ganz besonders gestärkt befand, hätte es vor eine grausame Unbarmherzigkeit gehalten, ihr solches abzuschlagen, und da sie sich über seine besondere Complaisance ungemein vergnügt bezeigt, nahm er endlich auf eine recht zärtliche Art, nicht anders, als ob er eine der vornehmsten Damen vor sich hätte, Abschied von der Margareta, jedoch ehe er noch aus dem Zimmer schritte, vermahnete ihn dieselbe, von dieser neuen Historie ja gegen niemanden ein einziges Wort zu melden, widrigenfalls sie beiderseits ein jämmerliches Rachopfer der masquierten Dame werden würden. Elbenstein schwur der Margareta hoch und teuer zu, solange als er in Welschland lebte, nicht von allen dem zu reden, was ihm binnen diesen wenigen Tagen begegnet wäre, hierbei aber fiel ihm jählings noch ein, ob er, nachdem er die Margareta ihm so verbindlich gemacht, von derselben in dieser letzten Stunde nicht erfahren könne, wer denn eigentlich die masquierte Dame wäre. Er umarmete sie demnach nochmals aufs liebreichste und gab ihr seine Curiosité zu erkennen. Allein Margareta erblassete recht, als sie dieses hörete, und sagte: "Mein allerangenehmstes Wesen auf der Welt! ich bitte Euch um alles dessen willen, was über und unter uns ist, verschonet mich mit diesem einzigen Punkte, denn ich habe einen gar zu grausamen Eidschwur tun müssen, Euch ihren Namen nicht zu entdecken. Soviel will ich Euch aber doch aus Liebe sagen, dass Ihr mit einer Dame zu tun gehabt habt, die am stand in ganz Welschland sehr wenig über sich hat. Nun reiset glücklich, mein Leben! Was hülfe es Euch, wenn Ihr mir ein allzuschwer Gewissen machtet und vielleicht Euch und mich dadurch ums Leben brächtet."

Solchergestalt sah und merkte Elbenstein wohl, dass seine Kuriosität in diesem Stücke nicht könnte gestillet werden, deswegen nahm er völligen Abschied von der Margareta, ging zurück ins Logis, bezahlete den Wirt recht raisonnable, und da seine Pferde schon parat und gesattelt stunden, setzte er sich auf, erreichte auch, weil er den ausgeruheten Pferden die Sporen ziemlich fühlen liess, auch selbigen Abend die Stadt Padua. Nachdem er allda in einem bequemen Logis wenig von speisen und Getränke, jedoch desto mehr Schlaf und Ruhe genossen, begab er sich frühmorgens bei guter Zeit auf den fernern Weg nach Battaglia; indem er aber solchergestalt dem schloss vorbei passieren musste, wo seine geliebte Baronne von K. sich aufhielt, als fing er an, sobald er solches erblickte, ganz sachte zu reuten, war auch so glücklich, dieselbe ganz allein in einem Fenster, aus welchem sie die Heerstrasse und ganze Gegend übersehen konnte, zu erblicken. Sie erkannte ihn gleichfalls, und als er seinen Hut abzohe, war sie so gefällig, ihm nicht allein ein charmantes Kompliment zu machen, sondern auch die Spitzen ihrer Finger zu küssen und ihm damit anzuzeigen, dass sie ihm einen Kuss entgegenschickte und herunterwürfe. Elbenstein durfte sich mit nichts anders als mit einem tiefen Hauptneigen revanchieren, weil er befürchten musste, dass etwa jemand anders im schloss durch die Scheiben gucken und seine Mienen observieren möchte. Weiln nun eben dem schloss gegenüber das Wirtshaus war, hielt er vor demselben stille, liess sich ein Stück weiss Brot und ein Glas Wein aufs Pferd reichen und verzehrete also das Frühstück, mittlerweile er seine Augen zum öftern nach dem schloss richtete, in Hoffnung, die Baronne noch einmal zu gesicht zu bekommen. Allein es wollte nichts daraus werden, denn diese war sogleich in ihres Herrn Gemahls Zimmer gegangen und hatte zu demselben gesagt: "Sehet doch, mein Schatz, dort hält ein Kavalier vor dem wirtshaus, wenn ich schweren sollte, so hätte ich ihn bei dem Fürsten von N. gesehen, allein der arme Mensch wird ein schlecht Frühstück bekommen, weiln ich gestern gehöret habe, dass unser Gastwirt in vielen Jahren nicht so schlechten Wein gehabt hat als jetzt."

Dieses letztere brachte sie mit einer solchen negligenten und lächerlichen Miene vor, dass der Herr Baron sich fast darüber ärgerte und sagte: "Es ist eine schlechte Ehre vor unsern Flecken, wo wir selbst wohnen." Augenblicklich aber rief er einen von seinen Laquais und befahl ihm,