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Morgen von hier abzureisen sich genötiget sah, allein, er sollte nicht verabsäumen, die Woche vor Martini nach Padua zu kommen und sein Quartier bei der Oreda Todesca zu nehmen, daselbst würde sich ein ihr getreuer Mensch einfinden, der ihn in geheim und sicher zu ihr bringen würde. Er versprach unter tausend Küssen und andern Liebkosungen, den Befehlen seiner schönen Gebieterin aufs genauste nachzukommen, dankte aufs verbindlichste vor die kostbaren Présente, nahm endlich mit einer wahrhaften verliebten Betrübnis Abschied von derselben und begab sich nach seinem Logis, wo er, weil er sich diese Nacht im Liebeskriege ziemlich abgemattet, bis zehn Uhr vormittages schlief, nach dem Ankleiden aber Anstalten zu seiner fernern Reise machte. Jedennoch trieb ihn eine verliebte sehnsucht an, diesen Ort nicht eher zu verlassen, bis er noch einmal mit Margareten gesprochen, um von derselben zu vernehmen, was seine unbekannte Mätresse nach seinem Abschiede etwa von ihm noch erwähnet, daher begab er sich in ihren Garten, wo sie seiner person bald gewahr wurde, zu ihm herunterkam und vermeldete, dass ihre Gebieterin vor wenig Stunden abgereiset wäre.

Margareta nötigte ihn hinauf in das Zimmer, worin er sich mit der Dame divertiert hatte, und meldete ferner, wie dieselbe ihr beim Abschiede nochmals anbefohlen, ihm entweder schriftlich oder mündlich die Verschwiegenheit nochmals einzubinden und darbei anzumahnen, dass er, der mit ihr genommenen Abrede nach, auf die bestimmte Zeit sich zu Padua einfinden und versichert sein sollte, dass, woferne er diesen beiden Punkten nachkommen würde, er keinen Schaden, sondern vielmehr einen starken Vorteil davon haben sollte. Dieser versprach beides unverbrüchlich zu beobachten, als er aber seine Blicke auf das Bette oder, besser zu sagen, auf die Walstatt seiner ausgeübten sündlichen Lüste warf und sich erinnerte, was vor verliebte Rencontres darauf vorgegangen, konnte er sich nicht entalten, dasselbe mit vielen Küssen und sehnsuchtsvollen Seufzern zu beehren und gleichsam hiermit der Göttin der Liebe zur Dankbarkeit noch ein Opfer zu bringen. Margareta, welches eine ganz wohlgebildete Frau, nicht viel über 30 Jahr und den Liebesübungen sonsten eben nicht abgeneigt war, wurde durch Elbensteins Beginnen inniglich gerühret, sagte deswegen, sie wollte im Namen des Bettes die schuldige Gegen-Dankbarkeit vor die verliebte Beehrung und Abschiednehmung erstatten, unter welchen Worten sie dem von Elbenstein mit entbrannten Augen dergestalt begierig um den Hals fiel und ihm so viele heisse Küsse versetzte, dass, als sie vollends mit gebrochenen Augen auf das Bette zurücksank und ihn nach sich zohe, er sich von derselben solchermassen bezaubert fand, ihr eben denjenigen Liebeszoll abzustatten, den er vorher der masquierten Schöne, welche er in seinem Herzen um Verzeihung bat, abgezahlet hatte. Unterdessen aber musste er hierbei dennoch bekennen, dass die gütige natur auch zuweilen Personen von geringen stand etwas besonderes Reizendes vor vielen vornehmen Damen angedeihen lassen, ja es wurde durch diese unvermutete Begebenheit und durch ein und andere besondere Aufführung dieser seiner der Geburt nach zwar bäuerischen, in der Tat aber sehr zivilisierten Mätresse in seinem Herzen eine würkliche Liebe gegen dieselbe erweckt. Denn ob sie gleich nicht so weiss, zart und an der Struktur der Glieder nicht so vollkommen angenehm gebildet war als die masquierte Dame, so konnte er doch aus ihren schwarzen feurigen Augen und bräunlichen Angesichte fast mehr Vergnügen lesen als aus einem gesicht, welches mit einer Masque bedeckt war und er nicht wissen konnte, ob es etwa durch die Pocken oder andere Flecken und Male verdorben wäre; demnach zwischen Hoffnung und Zweifel bleiben müsste, ob es so vollkommen schön, als er sich selbiges eingebildet, oder ob es hässlich wäre. Zudem so verstunden sich dieser wohlgebildeten Brunette dennoch weissen und fleischigten arme und Schenkel ebensowohl auf die verliebte Ringekunst als jener ihre fast allzuzarten Gliedmassen. In summa, gleichwie der menschliche Appetit und lüsterne Mund oftermals ein Gerüchte Kraut oder anderes Zugemüse den delikatesten Braten und dergleichen niedlichen speisen vorziehet, also verachtete Elbenstein vor dieses Mal die bräunliche, gesunde und muntere Gärtnerin auch nicht und befand diese Veränderung seinem venerischen Gemüte ganz angenehm, wie denn auch die verliebte Gärtnerin, nachdem ihre sehnsucht gestillet, ihn mit den allerfreundlichsten Karessen ersuchte, auf eine schlechte Mittagsmahlzeit bei ihr zu verbleiben. Sie wusste ihr Kompliment dergestalt artig vorzubringen, dass Elbenstein sich recht gezwungen sah, in ihr Begehren zu willigen. Demnach holete sie erstlich einen lebendigen Kapaunen, einen vortrefflichen fisch, ingleichen ein paar frisch geschossene Rebhühner, befahl einer alten Frauen und ihrer Magd, dass sie alles aufs eiligste und beste zurechte machen sollten, sie aber begab sich, nachdem sie sowohl den Kapaunen als den fisch selbst abgestochen hatte, mit dem von Elbenstein wieder hinauf in das Zimmer, wo der verliebte Zeitvertreib auf der plaisanten Ruhestätte der masquierten Dame wiederholet wurde; denn obschon die angenehme Gärtnerin sowohl an Armen als an den Kleidern von den abgeschlachteten Stücken ziemlichermassen mit Blute besudelt war, so ekelte Elbensteinen dennoch um soviel weniger vor ihr, weil sich die Röte in ihrem gesicht, teils durch die verliebte Erhitzung, teils durch das angezündete Feuer, sehr stark hervorgetan, mitin wegen der Vermischung auf der bräunlichen Farbe ein nicht unangenehmes Ansehen verursachte und die lüsternen Regungen und Liebesbegierden um soviel desto mehr anreizte. Nachdem sie nun in vollen Vergnügen noch von diesem und jenen einen freundlichen Diskurs geführt, ging Margareta wieder hinunter und brachte die speisen herauf, worüber sich Elbenstein nicht wenig verwunderte, indem er sich fast nicht einbilden konnte, wie es möglich wäre, in solcher Geschwindigkeit eine vollkommene Mahlzeit zuzubereiten. Allein er fand alles ungemein appetitlich und wohl zugerichtet, wie