die hände geraten, und weil ich mir flattierte, obgleich nicht bei allen Leuten, doch bei etlichen einigen Dank zu verdienen, wenn ich mich darübermachte, dieselbe nach meinem wenigen Vermögen ins feine brächte und zum Drucke beförderte, so habe es getan und lege es einem jeden zur Schaue und Beurteilung dar.
Es ist zwar heutiges Tages eine schwere Sache, recht nach dem Geschmacke dieser oder jener zu schreiben; allein dieser oder jener sollen auch wissen, dass ich mich nicht gar zuviel um ihren Geschmack bei diesem oder jenem bekümmere, denn es heisst im gemeinen Sprüchworte: Einem jeden vor sein Geld, was ihm schmeckt. Ob auch gleich dieses Gerichte manchem wegen Zurücklassung allzu vielerlei Gewürze und anderer Tändeleien nicht allzu schmackhaft vorkommen möchte, so bin ich doch versichert, dass es sich geniessen lassen und nach rechter Kauung keinem im leib kneipen wird, weswegen man mich denn auch, ob ich schon kein perfekter à-la-modeMund- und Kohlkoch bin, nicht sogleich unbarmherzigerweise aus der Garküche der deutschen Mundart und Reimkunst verstossen wolle: als wormit ich hierdurch dienstfreundlich gebeten haben will.
Wenn ich mich nicht irre oder mir selbsten nicht zuviel zutraue, so habe ich ein und anderes in des Herrn E.v.H. Manuskripte, sowohl in Prosa als Ligata, in etwas reiner Deutsch gebracht, indem dieser Kavalier anfänglich vom Degen, hernach von der Ökonomie mehr Fait gemacht als von der Feder, Oratorie und Poesie, aber! dieserwegen fällt seinem Ruhme nichts ab, weil seine Gedanken dennoch gut gewesen sind, ob er sie gleich nicht allezeit nach seinem Willen exprimieren können. Ein und anderes, welches mir etwas gar zu frei und natürlich, daher anstössig oder, wie es die Singularisten nennen, ärgerlich geschienen, habe in etwas verändert oder gar weggelassen, verschiedenes aber, was noch zu verantworten, ist stehengeblieben.
Man könnte viele Bücher, die seit wenig Jahren herausgekommen sind, anführen, in welchen weit natürlicher geschrieben worden als in diesem, allein es wäre unbesonnen, wenn man gleich selbst vom Leder zöge, besser ist's, man wartet die Attaque ab und wehret sich hernach desto besser.
übrigens, weil der Ungenannte so glücklich gewesen, dass seine schon öfters in Druck herausgegebene Schriften von sehr vielen wohl auf- und angenommen worden, als versichert er sich bei diesen zwei Teilen der Elbensteinischen Reise- und liebes-Geschicht eines gleichen, wünschet allen Wollüstigen vor dem vergifteten Lasterkonfekt einen so starken Abscheu als den Vernünftigen und Tugendhaften eine christliche Compassion mit den Schwachen und Ausschweifenden zu haben, beharret im übrigen unter dem Versprechen, mit nächsten noch andere parat liegende curieuse geschichte vollends auszuarbeiten und zu publizieren
St. Gottard,
den 1. Jul. 1738.
Des geneigten Lesers
Dienstergebener
Der Ungenannte
Erster teil
Es hat ein geborner von Adel zwei Hauptwege vor sich, durch welche er zu besonderen hohen Ehren gelangen und sich von andern seines Standes ungemein distinguieren kann, nämlich den Weg in den Krieg oder den Weg zur Gelehrsamkeit zu gelangen. Ob man nun schon nicht in Abrede ist, dass sich viele von Adel auf andere Arten, nämlich durch Erlernung der Jägerei, Bereuterkunst und dergleichen in hohe Posten geschwungen, so ist doch sonnenklar, dass die Zahl derjenigen, welche einen von den erstgemeldten Wegen erwählet und dadurch sehr hohe Chargen erreicht, der anderen Zahl bei weiten übertrifft.
Ein gewisser deutscher Kavalier, den wir Gratianum von Elbenstein nennen wollen, war zwar keine feige Memme, hatte aber mehr Lust zu den Büchern und zur Feder als zum Degen und andern Gewehr, erwählete deswegen den Weg, sich durch Gelehrsamkeit emporzuschwingen. Weiln er nun von seiner zarten Jugend an beständig fleissig studieret, hatte er es so weit gebracht, dass er sehr frühzeitig auf Universitäten ziehen konnte. Als er nach einigen Jahren von dannen zurückkam, bezeugten sich seine vornehmen Eltern ungemein vergnügt, zumalen da sie von vielen staates- und gelehrten Leuten die Versicherung erhielten, dass sie ihr Geld nicht übel angeleget, indem der junge Herr Gratianus von Elbenstein sich nicht allein in der Jurisprudenz, Philosophie, Matesi und dergleichen, sondern auch in den Nebendingen, als Tanzen, Reiten, Fechten, Voultoisieren etc., vor andern, die gleich soviel Zeit und wohl mehr Geld als er verschwendet, ungemein hervorgetan hätte.
Demnach war sein Herr Vater gesonnen, ihn vors erste an einem gewissen fürstl. hof als Kammerjunker zu engagieren. Da aber der junge Herr von Elbenstein seinen Herrn Vater vorstellete, was es vor eine vortreffliche und höchstnötige Sache sei, dass ein junger Kavalier, ehe er Bedienungen bei hof annähme, sich vorher auf Reisen begäbe, um die Welt sowohl als die Gemüts- und Lebensarten derer Menschen von verschiedenen Nations kennenzulernen, er auch ausserdem noch vielmehr andere Bewegungsgründe hinzusetzte, resolvierte sich der Herr Vater bald, seinen beiden Söhnen eine standesmässige Equipage verfertigen zu lassen und jedweden einen wohlgespickten Beutel mitzugeben. Da nun dieses alles parat, willigte er in beider Brüder einstimmiges Begehren, dass sie nämlich nach Italien als dem Lustgarten von Europa reisen möchten. Also nahmen beide junge Kavaliers ihre Tour über Nürnberg, Regensburg, Augspurg, München, Innspruck, Trient, Castelfranco, Treviso und Mestre nach Venedig, wo sie den 11. Febr. 1686 anlangeten und das Karneval daselbst abwarteten. Da nun solches zum Ende, fuhr Gratianus von Elbenstein mit der ordinären Barque nach Padua, sein Bruder aber, der von Kindheit an Belieben getragen, vom Degen Profession zu machen, blieb zurück, um mit dem