und bewunderte nicht allein diese, sondern auch ihre schöne Kehle, den wohlproportionierten Leib und Schenkel, ingleichen die mit Perlen und edlen Steinen gestickten Schuhen gezierte, artige kleine Füsse. Alles dieses war mehr als zuviel, Elbensteins geile Triebe vollkommen zu erregen und die sündlichen Wollustfunken in lichterlohe Flammen zu verwandeln, weswegen er zu seufzen anfing und sich mit feuervollen Augen nach dem auf der Seite stehenden Bette umsah, die Dame seufzete gleichfalls, druckte aber ihre Augen feste zu, weswegen er es wagte, aufzustehen und sie vom Tische hinwegzuführen. Sie liess mit sich umgehen, als er nur selbst wollte ...
Um aber den äussersten Zirkel der Ehrbarkeit nicht zu überschreiten, schlägt man bei dieser Passage etliche Blätter im Manuskript des Autoris zurück und meldet nur so viel, dass beide Verliebte einen scharfen und öfters wiederholten Streit miteinander hatten, bis endlich die Dame mit gebrochenen Worten und ächzender stimme sagte: "Son stanca mio Bene! un pocho di riposo. Ich bin müde, mein Leben! lass mich ein wenig ruhen." nunmehr wurde Elbenstein erstlich Überzeugt, dass er mit keiner stummen Amour zu tun hätte, weswegen er ihr sonsten noch allerhand Schmeicheleien erwiese und sich endlich an den Tisch setzte, woselbst er erstlich etliche Zimmetmandeln speisete, hernach aber zu Stillung seines heftigen Dursts etliche Gläser Malvasier auf seiner unbekannten Schönen Gesundheit austrank. Er war in seinem Herzen und Gedanken vor Vergnügen dergestalt verwirrt, dass er nicht einmal daran gedachte, ob dieselbe vielleicht nicht Appetit zum Trinken haben möchte, bis sie selbsten sagte: "Mein Engel, reichet mir ein einzig Glas Wein und mein Röhrchen dazu, welches dort in der Schale liegt." Er säumete sich nicht, ihr aufzuwarten, mittlerweile richtete sie sich im Bette auf und zohe den dargereichten Wein durch das Röhrchen in sich, da er aber sowohl eines als das andere wieder an Ort und Stelle gebracht, reckte sie ihren aufgestreiften Arm ihm entgegen, weswegen er sich neben sie an das Bette setzte und arme, hände und Brust aufs neue inbrünstig zu küssen anfing. Sie machte ihm mit Drückung der hände und dergleichen verschiedene Gegenkaressen, weswegen er sich die Freiheit nahm, sie auf das allerzärtlichste zu bitten, dass sie doch die Masque von ihrem englischen Angesichte ablegen möchte. Sie schwieg erstlich eine gute Weile stille; als aber Elbenstein nochmals darum anhielt, sagte sie mit einer ernstaften stimme, wobei sie sich zugleich in die Höhe richtete: "Mein Kavalier! ich liebe Euch von Herzen, und zwar dergestalt, als ich noch keinen Menschen auf der Welt geliebt habe, allein ich bitte Euch, verlanget nicht noch mehrmalen von mir, dass ich mich vor Euch demasquieren soll, so lieb Euch Euer Leben ist. Unterdessen will ich Euch, ohne mich selbst zu loben, auf das teuerste versichern, dass unter dieser Masque kein hässliches, sondern eins von den feinesten Gesichtern in ganz Italien verborgen ist. Ich mache mir aber aus meinem gesicht eben keinen Staat, weil ich weiss, dass mich die gütige natur mit andern Annehmlichkeiten zur Gnüge besorgt hat, das aber muss ich gestehen, dass ich sehr eigensinnig bin und niemanden liebe als denjenigen, an welchen ich etwas Vollkommenes nach meinem Goût finde. deswegen verscherzet dieser unnötigen Curiosité wegen, welche bei der Hauptsache wenig oder nichts zusetzen oder abnehmen kann, meine vollkommene Gunst und Liebe nicht, forciert mich auch nicht weiter, mich zu demasquieren, bei Verlust Eures Lebens."
Elbenstein vermerkte gleich bei der Dame ernstaften Sprache und Stellung, dass sie sich über sein Begehren etwas alteriert hatte, weswegen er vor ihren Bette niederkniete und unter beständigen Küssen ihrer hände und Füsse dieselbe wegen seines abermals begangenen Fehlers um Verzeihung bat. Er fügte hinzu, dass ihm sein Schutzengel dero überirdisches Bildnis dergestalt im geist vorgezeiget, dass nichts fehlete, als dass er in der Malerkunst erfahren wäre, sonsten wollte er es unfehlbar dergestalt abschildern, dass sie, die Dame, selbst bezeugen sollte, wie er es nach dem Originale, welches er doch nie zu sehen das Glück gehabt, akkurat getroffen habe. deswegen müsse er bekennen, dass er eben hiernach nicht so begierig gewesen, als nur dero unvergleichliche Lippen zu küssen, deren Purpurpurfarbe er durch die Öffnung der Masque zwar nur in etwas erblicken können, allein sie hätten gleichsam als ein Magnet seinen Mund und Herz dergestalt an sich gezogen, dass er gemeinet, er müsse verzweifeln, wenn er sich nicht ausbäte, diese himmlische Lippen zu küssen.
"Oh! du kleiner Schmeichler!" sagte die Dame, indem sie sich wieder aufs Bette streckte, "komm her und lege dich neben mich." Elbenstein liess sich nicht zweimal nötigen, sondern gehorsamte gleich, erschrak aber nicht wenig, da in selbigem Augenblicke eine Maschine von der Decke herunter gefahren kam, welche das Licht dergestalt bedeckte, dass man im Zimmer keine Hand vor Augen sehen konnte. Er wusste nicht, was dieses bedeuten sollte, unter der Zeit aber hatte die Dame die Masque auf die Seite getan und legte ihren blossen Mund auf seinen Mund, gab ihm auch in einem Atem mehr als 100 Küsse. Endlich im Abziehen sagte sie: "Nun! da hast du meinen blossen Mund, küsse dich satt, allein, mein Leben! der Schwur, den ich getan, vor dir mein Angesicht verborgen zu halten, solange ich an diesem Orte bin, wird von mir nicht gebrochen." Elbenstein küssete demnach im Finstern nicht allein den zarten Mund, sondern auch die