etwa einen Brief hat oder ob er dir etwas mündlich sagen will, hernach sattle die Pferde augenblicklich, denn ich will heute noch fort."
Hierauf ging Elbenstein wieder nach seinem Zimmer und trunk mit seinem guten Wirte noch eine starke Anzahl Gläser Wein zum Valete, so dass beide bald anfingen zu taumeln; ehe er sich's aber versahe, kam sein Diener, rufte ihn in die Schlafkammer und überlieferte ihm ein Billett, welches der gelbröckigte Junge zurückgebracht hätte, der Inhalt desselben aber war folgender:
Halsstarriger!
Glaubet nur nicht, dass man einige Exquisen von Euch anzunehmen gesonnen ist, sondern Ihr müsset absolut in person erscheinen, um Euren begangenen Fehler zu entschuldigen und denselben zu verbessern suchen, woferne Ihr nicht ein blutiges Rachopfer einer bereits ziemlich in Harnisch gebrachten Dame werden wollet, welche Mittel genug weiss, Euch bis an das Ende der Welt verfolgen zu lassen. Man weiss ohne Euer Bekenntnis alle Eure Tritte und Schritte, die Ihr gestern nach der Mittagsmahlzeit getan habt, und es ist ein grosses Glück vor Euch, dass Ihr gestern nirgends anders als im Garten St. Antonii Eure Zeit passieret, wäret Ihr aber in ein Haus geraten, worin schöners Frauenzimmer anzutreffen gewesen, so hätte man Euch vielleicht das Lebenslicht schon ausgeblasen, denn dieser Dame, welche in ihrer Liebe sehr beständig, ist nichts empfindlicher als die Untreue und Verachtung ihrer person. Man hoffet ferner auf keine schriftliche Antwort von Euch, sondern versichert selbst kommen werdet. nunmehr wollte bei Elbensteinen guter Rat teuer werden, und es war einesteils gut, dass er schon wieder ein kleines Räuschgen hatte, denn solchergestalt schlug er die sorgsamen und ängstlichen Gedanken ziemlichermassen aus dem Sinne, beschloss, auf den Abend der Dame seine Aufwartung zu machen, bei dem Wirt aber, damit dieser von seinen Aventuren nichts merken möchte, Abschied zu nehmen und sich zu stellen, als ob er heute noch etliche Meilen zurücklegen wollte. Demnach ging er aus der kammer heraus und traf den Wirt noch in seiner stube an, weil er aber dessen Forderung bereits vergnügt hatte, rief er seinem Diener, dass derselbe die Pferde vorziehen sollte, mittlerweile er mit dem Wirte heraus ins Haus ging und noch etliche Gläser Wein ausleerete und sich hierauf weit betrunkener anstellete, als er in der Tat war. Der Diener und der Wirt hatten Mühe genug, bis sie ihn aufs Pferd brachten, sobald er aber nur im Sattel sass, sagte er: "Nun! da ich nur sitze, hat es keine Not, denn binnen einer halben Stunde ist alles vorbei." deswegen nahm er nochmals Abschied von dem Wirt und ritt ganz sachte und gemächlich nach dem Untertore zu. Vor diesem Tore hatte er ehegestern bei seinem Spazierengehen noch eine Hostaria oder Gasterberge bemerkt, die nicht weit von der Margareta Behausung war. Indem er nun ganz nahe an diese Hostaria gekommen war, hielt er stille und fragte seinen Diener mit schwerer Zunge: "Wo bin ich?" "Herr!" sagte dieser, "wir sind kaum zum Tore heraus." "Ich kann ohnmöglich weiterreiten", sprach Elbenstein, "hilf mir vom Pferde und bringe mich in ein Haus, dass ich nur ein paar Stunden schlafen kann." Diese Worte hörete der Wirt, welcher in der Tür der Hostaria stunde, kam derohalben herzugesprungen und half den Betrunkenen ganz gemächlich vom Pferde heben, führte ihn auch in ein fein meubliertes Zimmer, in welchen ein Bette stunde, auf dieses fiel Elbenstein ganz taumelnd hin und stellte sich, als ob er augenblicklich einschliefe. Der Wirt und der Diener liessen ihn ohngestört liegen, wie er lag, und gingen auf die Seite, sattelten die Pferde ab und gaben ihnen Futter, weil doch allem Ansehen nach heute an kein weiteres Reiten zu gedenken war. Elbenstein war wirklich in einen süssen Schlaf verfallen, doch schlief er dergestalt mit Sorgen, dass er sich gleich bei Untergang der Sonnen wieder ermunterte, seinen Diener rief, dass er ihm Schuhe und Strümpfe bringen und die Stiefeln abziehen sollte, weiln er zwischen den Weinbergen und Gärten hinaus spazierengehen und seinen Rausch vollends austummeln wollte.
Er begab sich also aus der Hostaria heraus, ging
vor der Margareten wohnung vorbei und setzte sich zwischen zweien Gärten hinter ein belaubtes Gepüsche, wo er nicht leicht von jemanden gesehen werden, jedoch alles beobachten konnte, was zu der Margareten Haustüre aus und ein passierte. Er hatte allhier den allerangenehmsten Prospekt vor sich, sowohl wegen der da herumgelegenen schönen Weinberge und Gärten als auch der in selbigen erbaueten kostbaren Paläste. Die Zeit wurde ihm also gar nicht lang, zumalen da eben der Mond aufging, der mit seinem Glanze die an sich selbst schöne Gegend noch weit angenehmer machte. Über dieses wurden seine Ohren gleichfalls durch die angenehmste Instrumental- und Vokalmusik vergnügt, welche in den meisten Palästen und Lustäusern dasiger Gegend gemacht wurde, weswegen er sich in dieser seiner Einsamkeit recht vergnügt und von dem kleinen Rausche vollkommen verlassen befand, mitin unter vorwitzigen Betrachtungen abwartete, was ihm begegnen würde. Endlich ward er gewahr, dass aus einem gewissen Palais zwei Personen herausgegangen kamen, an welchen er aber anfänglich nicht erkennen konnte, ob es Mannspersonen oder Frauensleute wären. Es nahmen dieselben erstlich einen langen Umschweif und kamen hernach an den Gärten herunter spaziert, zwischen welchen Elbenstein verdeckt sass. Da erkannte er nun, dass es zwei propre gekleidete Bäuerinnen waren, die sich hoch aufgeschürzt hatten und deren jede eine Cistella oder Handkörbgen am arme trug. Indem sie nun vor dem