aber spielete ich einmal ganz extraordinär unglücklich, so dass alles bei mir habende Geld fortging, deswegen, weil es bereits spät war, nahm ich vor dieses Mal von der Compagnie Abschied, und zwar akkurat, da die Glocke eins schlug. Es höreten alle die Glocke schlagen und verwunderten sich einigermassen, dass die Zeit so geschwinde verflossen wäre, demohngeachtet machten die andern noch keinen Aufbruch, sondern ich alleine ging mit meiner kleinen Taschenlaterne den nächsten Weg nach meinem Quartiere zu. Als ich nun in die einsame Gegend eines Klosters kam, hörete ich etliche Personen hinter mir her getreten kommen, wandte mich deswegen mit der Leuchte um, zu sehen, wer dieselben wären, in selbigem Augenblick aber bekam ich einen Hieb über diese meine linke Hand, weswegen ich die Laterne musste zur Erden fallen lassen. Eine Stossklinge ging mir fast zu gleicher Zeit durch den Rock und Kamisol an der Brust hinweg, schürfte aber nur die Haut, deswegen tat ich einen Sprung auf die Seite, zohe meinen Degen und stiess auf den los, der mir am nächsten war, traf ihn auch dergestalt glücklich, dass er augenblücklich zu Boden fiel und in seiner Sprache das Miserere mei! ausrief. Demohngeachtet setzten mir die zwei übrigen Mörder, deren Bewegung mich das wenige Sternenlicht einigermassen observieren liess, desto heftiger zu, da aber der eine, wie ich merken konnte, drei oder vier empfindliche Stiche von mir bekommen hatte, verging ihm die Lust, mich ferner zu attaquieren, der dritte Filou aber wollte gar nicht weiter anbeissen, sprang also zurück, nahm die Flucht, gab aber ein Zeichen mit einer hellen Pfeife von sich.
Nun konnte ich mir leicht einbilden, dass er hierdurch noch mehrere seiner schelmischen Kameraden herbeirufte, deswegen hielt ich nicht vor ratsam, mich länger auf diesem platz aufzuhalten, begab mich also mit fliegenden Schritten nach meinem Logis und kam eben in demselben an, da es ein Viertel auf zwei Uhr schlug, welches mir der Wirt nebst demjenigen Feldscher, der mich verbunden, und vielen andern ehrlichen Leuten, die damals noch bei meinem Hauswirte gesessen haben, bezeugen konnten; denn unter währenden Verbinden, als ich den Feldscher fragte, ob ich eine lahme Hand bekommen würde, und mir derselbe zur Antwort gab, er könne vor die Restitution der Gelenke nicht Bürge sein, sagte ich ganz betrübt: 'Hilf Gott! kann man nicht so unverhofft in Unglück geraten. Jetzt hat es nur ein Viertel auf zwei Uhr geschlagen, und da die Glocke eins schlug, wusste ich hiervon noch nichts.'
Man fragte mich hierauf, mit wem ich Händel gehabt, allein ich fand nicht ratsam, sogleich die Wahrheit zu sagen, sondern gab vor, es wäre in einer Rencontre geschehen, meinen Diener aber schickte ich gleich mit anbrechenden Tage auf den fatalen Kampfplatz, allein er hatte nichts daselbst angetroffen als meine in Kot getretene Laterne, welche er zum Wahrzeichen mitbrachte, und etliche Flecken Blut, woraus ich schloss, die Strassenräuber müssten unfehlbar ihren tödlich blessierten Kameraden selbst mit fortgeschleppt haben. deswegen machte ich mir gar keine sorgsamen Gedanken, verbot aber meinem Diener, gegen jemanden etwas von dieser Affäre zu gedenken, wie ich denn auch bei mir beschloss, kein Wesens davon zu machen.
Allein, ehe die Mittagsstunde herannahete, wurde ich von der Senatswache in meinem Logis arretiert und in ein Gefängnis geführt, wo sonsten die allergrössten Missetäter verwahret wurden. Der Himmel weiss am besten, wie schändlich und wider alles Recht mit mir prozediert worden, denn es war bekannt, ich aber erfuhr es nur von ungefähr, dass der von K. ohnweit von seinem Palaste, und zwar in eben derselbigen Nacht, war ermordet worden. Dieser Palast aber liegt in der V. Vorstadt und eine gute halbe Stunde von demjenigen haus, wo ich selbigen Abend in Compagnie gewesen bin. Nun bedenke ein jeder vernünftiger Mensch, ob es wohl möglich sei, in einer Viertelstunde dahin zu laufen, den Mord zu begehen und auch wieder in meinem Logis zu sein, welches noch weiter abgelegen war. Aber alles dieses und noch viel anderes mehr, was zu meiner Entschuldigung und Entdeckung meiner Unschuld dienen können, ist boshafterweise unterdrückt, hergegen vier falsche Zeugen über mich abgehöret worden, deren lügenhafte Aussage ich zwar klar und deutlich widerlegte, meine Inquisitores aber gaben sich nicht einmal die Mühe, dasjenige, was ich zu meiner Defension vorbrachte, anzuhören, noch viel weniger aber registrieren zu lassen, suchten hergegen mich durch die Tortur zur Bekenntnis zu bringen.
Wie ich mich nun von aller Welt verlassen sah, indem man einem jeden, er mochte auch sein, wer er wollte, den Zutritt bei mir verwehrete, auch mir weder Feder noch Dinte zuliess, verging mir alle Hoffnung, errettet zu werden, indem die Gerechtigkeit dasiges Orts kein Quartier hatte. Alle meine Courage verliess mich, sobald ich den erschröcklichen Torturapparatum ansichtig wurde, deswegen schien mir der Tod weit erleidlicher zu sein, als mich so schändlich und jämmerlich martern zu lassen. Um nun meinen Tod zu beschleunigen, indem ich deutlich spüren konnte, dass kein ander Mittel vorhanden wäre, mich der Ketten und Bande nebst einer jämmerlichen Marter zu entreissen, bekannte ich, eine Mordtat verübt zu haben, die mir zeitlebens nicht in den Sinn gekommen war, bat also um nichts mehr, als mir die Gnade zu erteilen und mich mit dem Schwerte hinrichten zu lassen. Dieses wurde mir nach etlichen Tagen verwilliget und zugleich ein paar Geistliche zu mir ins Gefängnis geschickt