es leider mit meinem Schaden erfahren, doch wollte ich gern noch einmal soviel verlieren, wenn ich nur das Vergnügen haben könnte, mich an ihrer person dergestalt zu rächen, wie ich mich an demjenigen Kujon rächen will, der sie verführet hat.' Hierauf stiess er die allergrausamsten Flüche und Scheltworte auf die deutsche Nation aus, beides männlichen als weiblichen Geschlechts, sagte auch ausdrücklich, alle Deutschen wären wert, dass man sie in diesem land totschlüge wie die Hunde. Meine drei Landsleute machten grosse Augen, mir aber überlief die Galle dergestalt, dass ich aufsprunge und unter den Worten: 'So raisonieren Massetten' meinen Degen zog und dem von K. ferner zurufte: 'Ziehe vom Leder, Canaille! und defendiere deine aus einem mit Brannteweine eingebeizten Rachen ausgestossene schändliche Redensarten.' Darnach zog der von K. auch seinen Sarrass, beiderseits Diener liefen herzu und wollten auch mit schlachten helfen, allein die beiden Nationalisten stelleten sich darzwischen und wollten dergleichen irreguläre Rencontre durchaus nicht statuieren, widrigenfalls die Partie der Deutschen nehmen. Dergleichen Raisonabilité hatte ich und meine Landsleute mir von ihnen nicht eingebildet. Unterdessen aber, da mich der von K. aufs schärfste injurierte, einen Weiberverführer, Hurenschelm und dergleichen schalt, anbei mich zu einem Duell auf Leib und Leben provozierete, stellte ich mich zwar gegen die andern, als ob ich gar nicht wüsste, was der rasende Kerl bei mir als einem rechtschaffenen Kavalier suchen wollte, jedoch weil er mit aller Gewalt Händel an mir suchte, wollte ich ihm, um der deutschen Ehre zu maintenieren, auf ein paar Pistolen stehen, indem wir ungleich Seitengewehr hätten. Die Gesellschaft konnte hierwider fast nichts einwenden, sondern war geneigt, uns beide Mann vor Mann zu lassen, allein der von K. wollte von keinen Pistolen, sondern nur von einem Zweikampf mit dem Seitengewehr hören. Dieses war mir um soviel desto lieber, zumalen da er auch keine Sekundanten leiden wollte. Als wir demnach zusammen gelassen wurden, erklärete sich mein Gegner, dass absolut einer von uns beiden auf dem platz bleiben müsste, er ging auch auf mich los als eine Furie, allein er kam blind und erhielt von mir kurz nacheinander zwei gefährliche Wunden, und zwar eine oben in den Arm und die andere in die Brust, weswegen er matt wurde, seinen Sarrass sinken liess und endlich zu Boden fiel. Ich stellte mich, als ob ich ihm mit einem Stosse noch die letzte Ölung geben wollte; deswegen, als er den Tod vor Augen sah, mich recht kläglich um sein Leben bat. Die übrigen von der Compagnie naheten sich herzu, um mich von diesen barbarischen Verfahren abzuhalten, ich aber gab ihnen einen Wink und sagte zu meinem Feinde: 'Siehe, Canaille! ungeachtet nicht allein ich, sondern die ganze deutsche Nation von dir aufs allerschändlichste touchiert worden, so will ich doch an dir etwas tun, welches du an mir nicht leicht würdest verübt haben, wenn du mich so wohl überwunden hättest als ich dich. Ich schenke dir demnach dein Leben, jedoch mit der Kondition, dass du alle ausgestossene Injurien auf deine eigene person zurücknehmest, dich selbst als einen boshaften Lügner aufs Maul schlägest und mir wegen der aufgebürdeten Laster eine Ehrenerklärung tuest. Geschicht dieses nicht, so stosse ich dir augenblicklich den Degen durch die Brust.'
Die übermässige Furcht vor dem tod trieb den angstvollen von K. an, mein Begehren gleich auf der Stelle zu erfüllen, worüber seine Bedienten sowohl als die Leute die Augen nicht wenig in den Köpfen herum dreheten, allein es movierte sich niemand, weswegen ich mich mit meinen drei Landsleuten zu Pferde setzte und zurück nach der Stadt ritte. Tages darauf war diese Begebenheit bereits stadtkündig, wurde aber von einem auf diese und von dem andern auf jene Art erzählet, von den meisten aber wurde meine Aufführung gerühmet und ich vor einen resoluten Kavalier gehalten. ungeachtet ich nun bei vielen in den heimlichen Verdacht geriet, als ob ich mit des von K. Gemahlin in heimlicher Vertraulichkeit gelebt hätte, so wurde doch wenig daraus gemacht, im Gegenteil wünschete sich mancher, wie ehemals Neptunus getan, bei dieser Venus so glücklich als Mars bei jener gewesen zu sein und einem mürrischen Vulkano Hörner aufzusetzen.
Nach der Zeit wurde mir von verschiedenen guten Freunden angeraten, diese Stadt zu verlassen, denn des von K. rachgieriges Gemüte wäre jedermann bekannt, und obgleich ich in der Hauptsache unschuldig, so würde er doch nicht unterlassen, bloss wegen des vor ihn unglücklich ausgefallenen Duelles an mir, wo nicht öffentliche, doch heimliche Rache zu suchen. Allein, ich kehrete mich an nichts, glaube auch, ich hätte dieses Land eher quittiert, wenn ich solches nicht erfahren hätte. So aber, um nicht vor einen feigen Kerl angesehen zu werden und die Mad. von K. mit mir zugleich um soviel mehr aus allem Verdachte zu setzen, beschloss ich, das halbe Jahr vollends auszuwarten, sodann ins warme Bad zu reisen, um zu sehen, ob die von K. ihr Wort gehalten und Briefe an mich dahin gesendet hätte.
Durch diesen Eigensinn aber stürzte ich mich, wiewohl unschuldigerweise, in das grösste Unglücke, und zwar folgendermassen: Ich besuchte fast täglich die besten Compagnien, sonderlich wo stark gespielet wurde, indem mir das Glück im Spielen sonderlich favorisierte, deswegen spazierete zum öftern ganz allein, und zwar sehr spät in mein Logis, weil ich meinen getreuen Bedienten lieber zur Sicherheit meiner Habseligkeiten zu haus liess. Eines Abends