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Gifte hinzurichten.'

Ich erstaunete gewaltig über diese ihre Reden, da sie sich aber sehr ängstlich gebärdete, musste ich ihren Mutmassungen desto mehr Glauben beimessen, versprach demnach, ihr zu gehorsamen und mich mit einbrechender Nacht in mein Logis zu begeben, jedoch noch eine kurze Zeit in dieser Stadt zu bleiben, um unter der Hand auszuforschen, was nach ihrer heimlichen Abreise weiter passieren würde. Inmittelst ersonne sie einen artigen Streich, sich des Kammerdieners zu versichern, führte auch denselben glücklich aus, und zwar folgendergestalt: Sie liess von ihren getreuen Bedienten sechs handfeste Kerls in ihr Zimmer kommen, welchen sie vorschwatzete, wasmassen sie ein besonderes Geheimnis entdeckt, dass nämlich der Kammerdiener ein Grosses verbrochen, welches in einer Verräterei und Betrug gegen ihren Gemahl und auch sie bestünde; deswegen sollten sie den Kammerdiener alsofort gefangennehmen, binden und in einem finstern und tiefen Gewölbe so lange bewahren, bis ihr Gemahl wieder zurückkäme, dem sie alsofort einen Expressen nachschicken, auch ihm selbst entgegenreisen wollte. Dieses wurde nun alsofort bewerkstelliget, und zwar ohne einzigen Rumor, weil dem Kammerdiener keiner von allen andern Domestiquen gewogen war. Hierauf packte die Mad. K. alle ihre Kostbarkeiten in etliche Coffres ein und wartete mit Verlangen auf den hereinbrechenden Abend. Sobald derselbe eingebrochen, nahm sie von mir beweglichen Abschied und versprach, dass ich im warmen Bade bei ihrem Wirte nach wenig Wochen Briefe von ihr finden sollte. Hierauf liess sie mich in mein Logis bringen, sie aber ist ungefähr eine Stunde hernach abgereiset.

Ich hielt mich etliche Tage ganz stille in meinem Logis auf und liess durch meinen Diener aussprengen, als wenn ich nach G. verreiset gewesen wäre, daselbst aber einige Zeit krank darniedergelegen hätte. nachher besuchte ich wieder diejenigen Örter, wo die vornehmsten Kavaliers anzutreffen waren und wo man alle neuen Mären, so in und ausserhalb der Stadt passiereten, am allerersten erfahren konnte, es erwähnete aber kein Mensch etwas von denjenigen Affären, welche ich gern, ohne meine person darein meliert zu wissen, anhören mögen. etwa drei Wochen hernach, da ich nebst zwei Kavaliers aus der Stadt und drei Deutschen spazieren geritten war, stiegen wir bei einem wirtshaus ab, das im freien feld lag. Kaum hatten wir ein paar Gläser Bier ausgeleeret, da der Herr von K. nebst drei seiner bei sich habenden Leute von der S. Strasse daher gejagt kam und allen Ansehen nach auf die Stadt zu eilete, da er aber uns zu sehen bekam, wendete er ein und stieg ebenfalls bei dem wirtshaus ab.

Der eine von den Stadtkavaliers, so in meiner Gesellschaft waren, mochte mit dem von K. bekannt sein, fragte deswegen sogleich, wo er so eiligst herkäme. Der von K. aber, sobald er mich in die Augen bekam, blieb ganz unbeweglich stehen und konnte diesem Kavalier, seinem Landsmanne, vor Bestürzung kein Wort antworten. Es wurde ihm ein Glas Bier zugetrunken, allein er entschuldigte sich und forderte Branntewein, leerete auch in der Geschwindigkeit fünf bis sechs ziemliche Gläser aus. Nach diesen rufte er seinen Kammerdiener auf die Seite, redete eine Weile heimlich mit demselben, worauf er wieder zurückkam und sich bei uns niedersetzte. Indem nun der Kammerdiener sich stellte, als ob er hinter das Schenkhaus gehen wollte, rief ihm sein Herr zu, er sollte Schnupftobak hergeben. Dieser brachte eine frisch gefüllete Dose und sah mir ebenfalls starr ins gesicht. Mittlerweile nun der von K. Schnupftobak nahm, fragte er den Kammerdiener: 'Ist's der rechte?' 'Ja, gnädiger Herr!' antwortete dieser, 'es ist der rechte.' Hierauf sagte der von K. nochmals: 'Wenn es nur wahr, dass es der rechte ist.' Da denn der Kammerdiener mit einem fuss auf die Erde stampfte und mit ernstafter stimme sprach: 'Hol mich 1000 ..., es ist der rechte.' Hierauf präsentierte der von K. einem jeden die Dose, wie er aber an mich kam und ich eben zugreifen wollte, liess er dieselbe aus der Hand auf die Erde fallen, ich nahm geschwind ein wenig Schnupftobak von dem Haufen, der auf den steinernen Tritt gefallen war, hub auch die Dose auf und präsentierte ihm dieselbe als einem Unbekannten mit einem höflichen Komplimente, sagte anbei, wie es schade wäre, dass ein so delikater Tobak hätte sollen verschüttet werden. Der von K. antwortete nichts, nahm aber die Dose und warf dieselbe, ungeachtet es ein kostbares Stück war, augenblicklich in einen sehr nahe an dem wirtshaus gelegenen Teich. Alle sahen einander an und wussten nicht, was sie aus diesen närrischen Beginnen schliessen sollten, ich aber fing nunmehr an zu merken, was diese Aufführung zu bedeuten hätte, setzte mich deswegen in Positur, rief meinem Diener und befahl ihm in geheim, frisch Pulver auf die Pfannen unserer Pistolen zu schütten und die Pferde an den Arm zu nehmen.

Hierauf redete der von K. seine beiden Landsleute, die mit mir dahin geritten waren, also an: 'Meine Herren! Wisset Ihr etwas Neues? Meine bisher gewesene Frau, die Canaille, ist mir seit kurzen mit einer starken Summa Geldes und vielen kostbaren Kleinodien echappiert.' Einer von diesen beiden antwortete, wie er zwar in der Stadt an einigen Orten etwas davon murmeln gehöret, wollte aber nicht hoffen, dass dem in der Tat also sei. 'Es ist mehr als zu wahr', versetzte der von K., 'ich habe