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Tafelmusik darbei gemacht, nach aufgehobener Tafel aber forderte mich der Herr von K. am allerersten zum Tanze auf, worüber die Mad. K. sowohl als ich, ungeachtet uns allen beiden nicht allzuwohl um die Leber war, von Herzen lachen mussten. ungeachtet ich mich aber zeitlebens wenig in Frauenzimmerhabit und -art zu tanzen geübt hatte, so konnte doch meine Dinge noch so ziemlich machen, so dass nicht allein der von K., sondern auch seine Gäste meine Geschicklichkeit ungemein rühmeten. Kurz zu sagen, der Herr von K. verliebte sich in mich und trug mir seine inbrünstige Liebe gleich diesen ersten Abend an einem bequemen Orte in französischer Sprache an. Dieses war mir ein gefundenes Fressen, zwar wegerte ich mich anfänglich, ihm zu antworten, endlich aber, da er fortfuhr, von nichts anders als von verliebten Zeuge zu schwatzen, sagte ich: 'Stille, stille, mein Herr! Ich wollte nicht tausend Dukaten drum nehmen, dass Eure Gemahlin unsern Diskurs erführe.' 'Ha!' erwiderte der Herr von K., 'meine Gemahlin muss zufrieden sein, wenn ich mich morgendes Tages von ihr scheiden lasse. Saget nur ein Wort, meine Schöne, ob Ihr mich vergnügen wollet, so sollet Ihr nicht allein morgendes Tages 1000 Dukaten zum voraus von mir haben, sondern binnen wenig Wochen meine ehelige Gemahlin sein.' 'Mein Herr!' versetzte ich, 'nehmet nicht ungnädig, wenn ich glaube, dass vielleicht mehr der Wein als meine wenige Schönheit Euch diesen Abend in mich verliebt macht, leugnen kann ich zwar nicht, dass mich Eure galante person ungemein charmiert, wünschte auch imstande zu sein, Euch zu vergnügen, allein Eure Gemahlin ist meine weitläuftige Befreundtin, und diese aus ihrem Ehebette zu vertreiben wäre nicht redlich gehandelt, eine Nebenbuhlerin aber zu leiden, würde ihr sowenig gelegen sein als mir, dergleichen Kondition anzunehmen.' 'Mein Engelskind!' sagte hierauf der Herr von K. zu mir, 'berichtet mich nur kürzlich, ob Ihr mich lieben könnet oder nicht, denn wenn ich nur dessen versichert bin, dass Ihr mich liebt, so soll sich in der Kürze schon alles geben.' Ich stellte mich an, als ob ich vor Schamhaftigkeit und Furcht nicht antworten könnte, führte aber in aller Stille seine Hand zu meinem mund, küssete und drückte dieselbe. Er nahm diese Karesse vor ein würkliches Jawort an und passete das Tempo ab, da seine Gemahlin hinausgegangen war, mich hinter eine Gardine zu führen und mir etliche derbe Küsse auf den Mund zu versetzen. 'Wohlan!' sprach er hierauf, 'lasset meiner Gemahlin nichts merken, morgen sollet Ihr mit derselben nach der Stadt in unser Palais fahren und von mir 1000 Dukaten zu Eurer Bedürfnis empfangen, ich muss zwar noch eine Reise tun, komme aber aufs längste in drei Wochen wieder zurücke, sodann soll zu unser beiderseits Vergnügen völlige Anstalt gemacht werden.' Hierauf verliess er mich und redete diesen Abend fernerhin sehr wenige Worte mit mir, hergegen machte er sich mit seinen Gästen bei den Weinbouteillen noch etliche Stunden lustig, folgenden Morgens aber brachen wir in aller Stille nach der Stadt auf. Mad. K. und ich sassen in einem Wagen beisammen, da ich denn derselben unterwegs erzählete, was mir gestern abend passiert war. Sie lächelte zwar darüber, allein das vor mich gewünschte Vergnügen wollte sich gar nicht zeigen, doch sagte sie: 'Weiln mein Gemahl heute wieder fortreisen will, wollen wir doch den Possen vollends fortspielen und abwarten, was daraus werden wird.'

Nachdem wir im Palais angelanget, begab er sich in sein Appartement, mir aber liess er durch seinen Kammerdiener in geheim sagen, dass ich mich mittags um drei Uhr in mein Zimmer begeben sollte, unter dem Vorwande, Mittagsruhe daselbst zu halten, weil er mir durch ihn, den Kammerdiener, dem gestrigen Versprechen gemäss etwas zuschicken, sich sodann gleich zu Pferde setzen und fortreisen wollte. Wie ich nun versprechen lassen, mich darnach zu achten, begab ich mich sogleich zu der Mad. K., der ich den Antrag erzählete. Sie sagte hierauf, ich sollte mein Versprechen nur halten. Weiln aber der Herr von K. unter dem Vorwande, dass er vor seiner Abreise noch notwendige Briefe zu schreiben hätte, in seinem Appartement allein auf der Serviette zu speisen verlangete, als speisete ich mit der Mad. K. ganz allein und begab mich hernach in mein Zimmer. Um die bestimmte Zeit kam der Kammerdiener, brachte mir nebst einem freundlichen Abschiedskomplimente einen Brief nebst einem Beutel, worin 1000 Dukaten versiegelt, von seinem Herrn und begab sich eiligst wieder zurück. Ich erbrach den Brief und fand die herrlichsten Liebesverpflichtungen nebst folgender nachdenklichen Expression darinnen: Bleibet mir nur getreu und sorget vor nichts, die Ehescheidung zwischen mir und meiner Gemahlin und die Vermählung mit Euch und mir wird leichter geschehen, als sich vorjetzo jemand einbilden kann. Nachdem ich der Mad. K. diesen Brief zu lesen gegeben, sagte sie: 'Mein werter d'A., nunmehr ist dieses mein bester Rat, nehmet die 1000 Dukaten und retiriert Euch damit, wohin Ihr wollet, oder getrauet Ihr Euch, in Eurem Kavalierskleidern noch etliche Wochen hierzubleiben, so stehet es Euch frei. Ich finde vor nötig, mich auf eine Zeitlang zu verbergen, weilen, wie ich merke, mein Leben in Gefahr stehet, denn der verfluchte Kammerdiener wird ganz gewiss Ordre haben, mich mit