ich musste daselbst ihr Palais gänzlich vermeiden und mich anstellen, als ob ich sie gar nicht kennete. Indessen, weil ich von ihrer Freigebigkeit mit einer starken Summe Geldes, ausser etlichen Kleinodien von grossen Wert, war beschenkt worden, so konnte ich in dieser Stadt, wo ohnedem sehr teuer zehren war, dennoch starke Figur machen und die vornehmsten Compagnien frequentieren; als ich aber nach Verlauf eines Monats die andere Ordre bekam, folgte ich der Mad. K. abermals höchst vergnügt auf ihr Landgut und bliebe fast sechs Wochen daselbst in ihrer Gesellschaft. Wir vertrieben einander die Zeit ebenso wie das vorige Mal, und, kurz zu sagen, wir wechselten solchergestalt Ort und Zeit unseres Aufentalts über ein ganzes Jahr hindurch, denn ihr Gemahl, welcher in Affären des staates verschickt war, schrieb zwar zum öftern, verschob aber seine Wiederkunft von einer Zeit zur andern. Mir geschahe hierdurch kein Possen, ungeachtet ich manche Nacht sozusagen auf einem glühenden Roste lag und braten musste, dieweiln ich die Quintessenz der Liebe nicht zur Arzenei erlangen konnte. Jedoch ich hielt der Mad. K. meinen Schwur, und diese liess sich sehr öfters bewegen, etliche Wochen länger auf den Gütern die Zeit hinzubringen, als sie sich anfänglich vorgesetzt gehabt. Wie ich es demnach überrechnete, so haben wir im ganzen Jahre kaum zwölf Wochen separiert und in der Stadt gelebt.
Eines Abends, da es bereits dämmerig zu werden begunnte, stunden wir alle beide an einem eröffneten Fenster und diskurierten miteinander. Indem fing Mad. K. ohnverhofft zu sagen an: 'Mein Herz wird mir grausam schwer, mein wertester d'A. Ich wollte wünschen, dass wir beide in der Stadt, und zwar ein jedes in seinem Logis befindlich wären.' 'Was schwer, was schwer, mein Engel?' versetzte ich, 'Euer Gemahl, vor dem wir uns allein zu fürchten haben, kommt seinen letzteren Briefen gemäss ja wenigstens in sechs Wochen noch nicht.'
Kaum hatte ich diese Worte ausgeredet, da der deutsche Laquais gelaufen kam und berichtete, wie der Herr von K. mit etlichen andern Vornehmen von Adel auf den Hof zugeritten käme. Dass Mad. K. und ich nicht weniger bestürzt hierüber wurden, ist leicht zu erachten, jedoch wir hatten doch noch etwas Zeit, uns zu rekolligieren, fasseten deswegen die kurze Resolution, uns der Verstellung zu bedienen und den Ankommenden dreuste unter Augen zu gehen. Hierauf kam der Herr von K. mit allen seinen Gästen plötzlich ins Zimmer getreten und wurde sowohl von seiner Gemahlin als mir ganz freimütig und höflich bewillkommet. Der Herr von K. sah mir starr, jedoch mit einer sehr freundlichen Miene in die Augen, sobald er aber von seiner Gemahlin vernommen, dass ich eine von ihren Befreundtinnen aus Deutschland sei, bewillkommete er mich aufs höflichste mit einem Handkusse. Mein Angesicht und der Bart konnten mich so leicht nicht verraten, denn ich habe mich bis dato eben noch nicht allzusehr über einen scharfen Bart zu beschweren, über dieses so kratzte ich damals selbst mit einem Schermesser alle Morgen die herausdringenden Stoppeln ab, so dass man an mir gar keinen Bart verspürete.
Die Angekommenen inkommodierten uns nicht lange, begehrten auch keine Abendmahlzeit einzunehmen, indem sie vorgaben, dass sie dieselbe kaum vor einer Stunde bei einem benachbarten Edelmanne eingenommen hätten, hergegen führte sie der Herr von K. in ein ander Zimmer, wo sie sich mit Wein, Bier und Tobakrauchen divertierten. Mittlerweile liess der Herr von K. seiner Gemahlin sagen, wie er jetzt eben im Begriff wäre, einen Expressen nach der Stadt zu schicken, um allen Zubehör zu einem herrlichen Schmause vor 16 bis 20 Personen heraus zu schaffen, woferne sie nun eins oder das andere darbei zu erinnern hätte, möchte sie es bald tun, damit der Expresse nicht aufgehalten würde, sondern morgen bei guter Zeit mit allen Requisitis zur Stelle sein könne. Er, der Herr von K., würde mit seiner Gesellschaft zwar morgen mit dem allerfrühesten erstlich zu dem Hrn. von W. reiten, jedoch gegen abend um fünf oder sechs Uhr wieder zugegen sein, deswegen möchte Mad. K. alles so einrichten, dass sie bald nach ihrer Ankunft speisen könnten.
Mad. K. liess ihn bitten, weiter vor nichts sorge zu tragen, indem sie schon alles bestmöglichst besorgen wollte. Inzwischen war sie meinetwegen in grossen Ängsten, geriet auch auf die Gedanken, mich noch in dieser Nacht heimlich nach der Stadt bringen zu lassen, allein sie resolvierte sich bald anders, indem sie glaubte, hierdurch den Verdacht noch grösser zu machen, demnach bat sie mich, nur morgen bei Tage wenig zum Vorscheine zu kommen, wenn aber ihr Herr, nachdem ich mich wegen einer kleinen Unpässlichkeit exkusieren lassen, ja darauf bestünde, dass ich mit bei der Tafel erscheinen sollte, möchte ich nur Folge leisten und meine Szene aufs beste spielen. Hierauf begab ich mich von ihr in mein ordentliches Zimmer, kam auch den andern Tag gar nicht zum Vorscheine, bis Mad. K. die alte Frau schickte und mir sagen liess, es könnte nicht anders sein, ich müsste zur Tafel kommen, es wollte keine Entschuldigung helfen, deswegen sollte ich mich nur ankleiden. Da solches geschehen und ich bei der Compagnie, worunter sich vier Frauenzimmer ausser der Mad. K. befanden, wurde ich von allen insgesamt aufs complaisanteste bewillkommet und musste mich an des Herrn von K. Seite setzen. Es wurde propre traktiert und