verliebten Affekten beständig im Zaume zu halten. Sie belieben demnach meinem Rate zu folgen und versichert zu leben, dass Ihnen mit einer beständigen, jedoch Ehre und Tugend unschädlichen getreuen Liebe ergeben verbleibt
L. de P.
Bei so gestalten Sachen änderte sich meine Resolution alsofort und beschloss, solange in N. zu verbleiben, als es der Mad. K. gefiele, damit ich aber ihrem Befehle gemäss desto verborgener in meinem Logis sein und mich bei meinen Reisegefährten nicht etwa in Verdacht setzen möchte, stellte ich mich krank, kam nicht aus meinem Zimmer, vertrieb indessen meine Zeit mit der Poesie und andern verliebten Grillenfängereien. Zwei Wochen vergingen, es meldete sich aber noch keiner von der Mad. K. Bedienten, inzwischen, weiln die Lustbarkeiten zum Ende und die Vornehmsten schon wieder abgereiset waren, brachen auch meine jungen Grafen auf und versprachen mir, ganzer vier Wochen in B. auf mich zu warten, damit ich, wenn ich binnen der Zeit wieder gesund würde, sie daselbst antreffen und vollends mit ihnen nach haus reisen könnte. Ich wünschte ihnen aus guten Herzen viel Glück auf die Reise und war froh, dass ich vor diesmal ihrer loswurde, mitin mein fernerweitiges Schicksal vor mich allein in der Stille abwarten könnte. Gleich des darauffolgenden Tages bekam ich den zweiten Brief von der Mad. K., worin sie sich bedankte, dass ich ihrem Begehren Folge geleistet hätte, anbei ein herzliches Verlangen bezeugte, mit mir zu sprechen, weiln aber allhier in der Hauptstadt so viele Aufseher wären, hielte sie vors ratsamste, dass ich ihr auf ein zwei Meilen von der Stadt gelegenes Landgut folgte, und zwar in Weibskleidern. Hierzu wollte sie mir in folgender Nacht durch eine getreue Frau und einen Bedienten alles Nötige übersenden, jedoch sollte ich ihr vorher berichten, ob mir dergleichen Masquerade nicht etwa zuwider wäre.
Nun kann ich zwar nicht leugnen, dass mir dieser Streich anfänglich sehr unanständig schien, denn es fiel mir dabei diese Frage ein: Werden nicht die, so es einmal erfahren, sagen: Hercules servivit. Jedoch ich tröstete mich in diesem Stück folgendergestalt: Hat sich gleich Herkules durch die Liebe verleiten lassen, seiner geliebten Omphale zu Gefallen Weibskleider anzuziehen und in der Spinnstube mit dem Rocken unter ihren Mägden zu sitzen, so ist er doch der starke Herkules geblieben und nach seinem tod vergöttert worden. Ferner wollte mir auch diese Masquerade verdächtig und gefährlich vorkommen, allein die Liebe überwältigte bei mir die gesunde Vernunft sowohl als den Wohlstand, deswegen versäumete keine Zeit, der Mad. K. zu versichern, wie mein Wille in allen Stücken ihren Befehlen unterworfen sei. Also stellte sich in darauffolgender Nacht eine mit zwei Pferden bespannete Karosse ein, worin nebst einer etwas betagten deutschen Frau auch ein einziger deutscher Laquais sass, welcher aber keine Liberei hatte. Die Frau allein kam in mein Zimmer und bat, ich sollte durch meinen Diener einen Coffre von dem Wagen nehmen und herauftragen lassen. Dieses geschahe, nachher wurden aus dem Coffre vortreffliche Frauenzimmer-Kleider ausgepackt, ich als ein Frauenzimmer angekleidet und also reiseten wir, noch ehe der Tag anbrach, fort, nachdem ich meinen getreuen Diener, welcher in Wahrheit das Leben vor mich gelassen hätte, Instruktion gegeben, wie er sich zeit meiner Abwesenheit verhalten und wie er mit den Geldern, so ich ihm zurückliess, disponieren solle.
In drei Stunden langeten wir ganz gemächlich auf dem Landgute an, ich wurde von der Mad. K., die schon vorausgereiset war, in einem schön meublierten Zimmer sehr freundlich empfangen. Die verliebten Komplimenten, so zwischen uns gewechselt wurden, will [ich] sowenig berühren als den täglich vergnügenden Zeitvertreib, den wir uns machten, sondern nur so viel sagen, dass ich mich dieses erste Mal ganzer vier Wochen bei ihr aufhalten musste, im Liebeswerke aber konnte [ich] bei ihr nicht weiter avancieren, als dass sie mich dann und wann, jedoch in Wahrheit sehr selten, einen Kuss von ihrem schönen mund und Händen rauben liess, weiter konnte ich von ihrer strengen Tugend nichts erlangen, ja diese kleine erlaubte Freiheit wollte ihr schon mehr als zu lasterhaft vorkommen, jedoch auf meine unablässige verliebten Vorstellungen gab sie sich endlich zufrieden. Da aber hierdurch mein Liebesappetit nach den delikatesten, jedoch verbotenen Früchten immer stärker werden wollte, lockte sie mir einmals mit artiger Manier einen Schwur aus dem mund und vinkulierte mich damit so weit, dass ich versprechen, angeloben und schwören musste, ihr, solange ihr Gemahl am Leben, niemals etwas zuzumuten, was wider die Hauptregeln der Keuschheit liefe. Demzufolge habe auch nach der Zeit nicht einmal an etwas Unkeusches gedenken, geschweige denn davon reden wollen. Ausser diesem aber lebten wir sehr vertraut miteinander und vertrieben unsere meiste Zeit mit dem Schachspiele oder verliebten Gesprächen, und zwar in französischer Sprache, damit die alte deutsche Frau, welche der Mad. K. nicht von der Seite kommen durfte, nicht eben alles verstehen könne. Binnen dieser Zeit erzählete mir die Mad. K. auch ihre ganze Lebensgeschicht, die mit demjenigen ziemlich übereinstimmete, was mir der deutsche Kavalier in der Opera gesagt. Sie ist gewiss sehr merkwürdig, aber auch sehr weitläuftig, deswegen halte es nicht vor ratsam, mein wertester Elbenstein, dieselbe voritzo anzufangen, sondern ich will dieselbe bis auf eine anderweite Zusammenkunft versparen, jedoch in meiner eigenen geschichte fortfahren.
Nachdem vier Wochen verflossen, liess mich die Mad. K. wieder nach der Hauptstadt in mein Logis bringen, sie folgte ebenfalls dahin, jedoch