vor einen jungen grossen Herrn, der sich zur Lust in ein Frauenzimmer verkleidet, bald vor eine bereits verheiratete Dame, ja es fielen mir wohl noch törichtere Gedanken ein, die ich nicht einmal melden will. Unterdessen, weil Cupido mich als seinen verliebten Hasen recht scharf aufs rechte Fleckgen getroffen hatte, konnte ich keine Ruhe haben, sondern mein Reitknecht musste die Pferde satteln, da ich denn zehn bis zwölf Tage mit ihm herum göckerte, um der von P. Reisekurs oder wohl gar den Ort ihres Aufentalts zu erfahren, allein die Mühe war vergebens; demnach reisete ich unverrichteter Sache wieder zurück ins warme Bad, liess mein Porträt verfertigen, legte dasselbe nebst einem kostbaren Ringe (denn sie hatte mir auch einen Diamantring von grossen Werte beigelegt) in eine Schachtel, vergass auch nicht, einen lamentablen Brief darbei zu schreiben, und gab alles dieses wohlversiegelt in des Wirts Verwahrung, mit dem Bedeuten, alles dieses so lange aufzuheben, bis es die Dame abfordern liesse, hiernächst versprach ich dem Wirte 50 Taler bar Geld zu zahlen, wenn er ausforschen und mir Bericht erstatten könnte, wo sich diese Dame eigentlich aufhielte, wie ich denn dieserhalb nach Verlauf einiger Wochen wiederum bei ihm wollte Anfrage tun lassen.
Der Wirt vermass sich hoch und teuer, mir zu Gefallen allen möglichsten Fleiss anzuwenden, ich aber reisete fort, durchstrich alle umliegenden Provinzen und erkundigte mich nach dem Geschlechte von P., erfuhr aber an einem Orte sowenig als am andern. Endlich kam ich von ungefähr zu einem Vornehmen von Adel, welcher wegen seiner Gelehrsamkeit in der Politik, Historie, Genealogie, Heraldik etc. weit und breit berühmt war. Dieser versicherte mich, wie er alle, auch die neueren adelichen Geschlechter des ganzen Deutschlandes und was dazu gehörig in etlichen Folianten aufzuweisen hätte, indem er sich dieserwegen viel Mühe durch Korrespondenzen gegeben, auch sehr viele Kosten daran gewendet, allein ungeachtet wir alle Folianten mit ihren Registern durchblätterten, so fand sich zwar endlich ein Geschlecht dieses Namens, welches aber schon vor länger als 200 Jahren gänzlich und glatt ausgestorben war, welches denn die darbei angeführten Umstände vollkommen glaubhaft machten. Wäre ich klug gewesen, so hätte ich mir diese Dame bald aus dem Sinne geschlagen, da es aber hiess: Amare & sapere vix Diis conceditur, so war ich halb rasend zu nennen, beging auch solche törichte Streiche, dergleichen man sich nimmermehr von mir einbilden sollen und worüber ich, nachdem ich wieder zu verstand kommen bin, mich selbst verwundern müssen.
Ich bin zwar mit denenjenigen eben nicht eines Glaubens, welche ein inevitabile fatun, praedestinationem, absolutum decretum und dergleichen statuieren, jedennoch weiss ich doch auch nicht, wie es damals mit mir zuging, denn ob ich gleich mich bereden liess, in der Suite zweier junger Grafen Frankreich, Engelland, Holland, sodann die nordischen Königreiche mit zu durchreisen, so konnte ich mich doch binnen dieser Zeit von beinahe von vier Jahren dennoch nicht überwinden, die von P. aus den Gedanken zu schlagen, sondern musste ihr [Bild] fast täglich mit grösster Devotion betrachten, hatte ich auch dann und wann mir gelüsten lassen, eine würkliche Sünde wider das sechste Gebot zu begehen, so war mir in Wahrheit weit bänger darum, dass ich die von P. benebst ihrem Porträt, als dass ich meinen Gott dadurch beleidiget hätte, ja ich war weit hurtiger, vor dem Porträt niederzuknien und dergl. Sünden dem Originale abzubitten, als ein solches vor meinem allmächtigen Schöpfer zu tun, da doch weder Original noch Porträt von nichts wussten, Gott aber alles siehet.
Erwäget meine Torheiten, liebster Bruder!" sagte hier der Herr von A. besonders zu Elbensteinen. "nachher bin ich 1000mal auf die Gedanken geraten, ich müsse bezaubert und die von P. zur Hauptperson prädestiniert gewesen sein, mir in dieser Welt Fatalitäten, ja was sage ich, das grösste Unglück zu stiften, woferne es nicht die göttliche Barmherzigkeit noch etlichermassen remediert hätte. Ihr werdet erstaunen, mein Bruder! über den Verfolg meiner geschichte, vorher aber muss ich Euch erzählen, auf was vor Art ich nach so langer Zeit die von P., und zwar von ungefähr, wieder zu sehen bekommen habe.
Die Grafen, in deren Suite ich noch immer mitreisete, von ihnen, weil sie mich gerne um sich leiden mochten, viel Gnade genoss, auch vor andern ziemlichermassen distinguieret wurde, erfuhren, dass in einem gewissen Reiche eine starke Veränderung vorgegangen wäre, dermalen aber in der Hauptstadt N. ein grosser Pracht und Herrlichkeit zu sehen sein würde. Indem sie sich nun resolvierten, zur See dahin zu reisen, liess ich mich persuadieren, diese Tour auch noch mit zu tun. Wir kamen eben zu rechter Zeit, da alles in prächtigster Gala war und niemanden gereuen dürfte, sich dieser Seltenheiten wegen auf die Reise begeben zu haben und etwas darauf gehen zu lassen. Eines Abends wurde eine vortreffliche italiänische Opera gespielet, welcher ich mit besonderen Vergnügen zusahe, indem eine Passage darinnen vorkam, die eine ziemliche Gleichheit mit meiner Liebesaventure hatte.
Aber! o Himmel! in was vor eine Erstaunung geriet ich nicht, da ich unter dem vornehmsten Frauenzimmer [m]eine andere Seele, nämlich die schöne von P. erblickte. Anfänglich wusste ich zwar nicht, ob ich meinen Augen trauen dürfte oder nicht, nachdem aber dieselben eine gute Zeitlang auf ihren englischen Angesichte kleben geblieben waren und alle Mienen und Gebärden wohl observiert hatten, befand ich mich der Wahrheit vollkommen überzeugt, zumalen