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, wiewohlen, wenn ich ihre bewundernswürdigen Artigkeiten betrachtete, zum öftern bald dieses, bald jenes im Spiele versahe.

Mein heimliches Liebesfeuer wurde solchergestalt immer heftiger angeblasen, so dass ich es fast nicht mehr verbergen konnte, weiln aber Zunge und Mund allzu blöde waren, solches zu eröffnen, mussten meine Augen nur das ihrige verrichten. Die v. P. merkte bald, dass mir eine kleine Melancholie am recht bedachtsamen Spielen hinderlich wäre, deswegen, da ich einsmals in Gedanken etwas tief seufzete, fragte sie mit einer mitleidigen Stellung: 'Was liegt Ihnen doch immermehr auf dem Herzen, Mons. de A., dass Sie von Tage zu Tage tiefsinniger werden? Ich bitte mich zu Ihrer Vertrauten zu machen, das Geheimnis sei so gross, als es immer will, durch mich soll nichts verraten werden, vielleicht aber kann ich etwa mit einem guten Rate dienen, obgleich die hülfe in meinem Vermögen nicht stehen möchte.' Mir stieg unter diesen ihren Reden die völlige Glut aus dem Herzen ins gesicht, ich bliebe auch eine gute Zeitlang ganz bestürzt sitzen und wusste nicht, was ich antworten sollte, endlich, da mir, ich weiss nicht was vor ein Geist meine scheltenswürdige Zaghaftigkeit, zumalen bei einem ledigen Frauenzimmer, welches mir sozusagen die Liebesdeklaration selbst abnötigte, vorwerfen wollte, fassete ich plötzlich einen Mut, brachte den ganzen verliebten Plunder auf einmal zu Markte und schloss mit diesen Worten: 'Ist also, allerschönstes fräulein von P., noch kein anderer Kavalier in Dero Herz eingeschlossen, so bitte fussfälligst, mir, Dero gehorsamsten und getreu verliebten Knechte dieses himmlische Quartier zu gönnen, widrigenfalls wird mein äusserst gequältes Herz von den Flammen der Liebe vollends in Asche verwandelt werden.'

Die von P. hörete meine Reden mit niedergeschlagenen Augen in grösster Gelassenheit an, da ich aber innehielt, sagte sie mit einem tiefgeholten Seufzer: 'Ach, mein werter d'A., mein Herz ist mehr als zu ledig und hat zeit seines Lebens noch keine verliebten Triebe empfunden, ausgenommen diejenigen Zärtlichkeiten, welche Ihre person und sonderbare Aufführung erweckt hat, allein mein unglückseliges Verhängnis und mein Gewissen lassen es nicht zu, Ihre sehnsucht zu vergnügen, wie gern ich es auch wünschen wollte. Ich glaube es, dass Sie mich als ein honetter Kavalier aufrichtig und getreu lieben würden, und versichere, dass ich Ihrer person nicht weniger gewogen bin. Aber wie gesagt, mein Schicksal gestattet nicht, Sie nach Wunsche zu vergnügen, sondern ich bin dazu prädestiniert und kondemniert, dass ich vielleicht meine ganze Lebenszeit ohne Liebe, gegenteils aber im grössten Missvergnügen zubringen soll.'

Was diese", redete der Herr von A. weiter zu Elbensteinen, "mit einer besonderen kläglichen Art vorgebrachte Antwort in meinem Gemüte vor eine Zerrüttung anrichtete, ist nicht auszusprechen. Der fräulein von P. stiegen vor Jammer die Tränen in die Augen, und bei mir fehlete wenig, dass die einer Mannsperson übel anständigen Zeugnisse der Kleinmütigkeit nicht über die Backen heruntergerollet wären. Wir sahen einander mit ängstlichen Blicken an, und es war nicht anders, als ob ein Schlagfluss die Nerven meiner Zunge gerühret hätte. Nachdem aber die von P. ihre und meine Augen abgetrocknet, zugleich meine Wangen mit ihren zarten Händen sehr liebreich gedrückt, erholte [ich] mich in etwas und sprach: 'Eröffnen Sie mir doch nur wenigstens, mein allerschönstes fräulein, die Ursache, so meinem Glücke und Vergnügen im Wege stehet. Sollen Dero überirdischen Annehmlichkeiten samt dem allerschönsten Körper etwa in ein fürchterliches Klostergebäude verbannet werden? Diesem Unglücke wäre ja noch vorzukommen, mein Vaterland ist die allersicherste Freistatt vor dieselben. Über dieses verlange ich ausser Dero allerschönsten person, wie Sie allhier gehen und stehen, weder Geld, Güter noch andere Kostbarkeiten, indem ich gesonnen bin, bloss nach meinem Vergnügen zu heiraten, weiln mir meine frühzeitig verstorbene Eltern als ihrem einzigen hinterlassenen Sohn zugleich auch drei einträgliche Rittergüter nebst einem guten Vorrate von Barschaft und Meubles hinterlassen.' 'Ach, mein Herzensfreund', versetzte hierauf die von P., 'Geld und Gut habe ich zur Gnüge und wollte mir nur vor dasjenige, was in dieser kleinen Chatoulle verwahrt liegt, in Eurem vaterland vortreffliche Land- und Rittergüter ankaufen; allein was hilft es mich, meiner Seelen ekelt vor dergleichen Bagatellen und sehnet sich vielmehr nach solchen Schätzen, die in einem tugendhaften Behältnisse verwahrt liegen. Aber! ich bin bereits in ein solches Kloster verbannet, aus welchem mich niemand als der Tod reissen kann.'

Indem sie dieses redete, eröffneten ihre zarten hände zugleich ein mittelmässiges Chatoull, in welchem alle Fächer und Schubladen mit lauter Goldstücken und den allerkostbarsten Juwelen angefüllet waren. Meine Augen wurden demnach ganz verblendet, die Vernunft aber überredete mich, die von P. vor eine höhere Standesperson zu halten, als sie sich ausgab. deswegen gab ich ihr meine Gedanken ziemlich deutlich zu verstehen und bat mit zitterenden Lippen, da meine Wenigkeit sich allzuhoch verstiegen hätte, um gnädige Vergebung meines begangenen Fehlers und Irrtums. Es versicherte mich aber dieselbe, abermals mit einem tiefgeholten Seufzer, dass sie von Geburt nicht höher als eine von Adel, doch hätte sie der Himmel mit einem grossen Vermögen, im Gegenteil aber auch mit desto mehr Kreuz und Elend überschüttet.

Indem ich nun vermittelst heftiger Klagen eine noch deutlichere Explikation von ihr herauszulocken vermeinete, liessen sich ein paar Dames bei ihr melden, weswegen ich mich vor diesmal genötiget sah, zurückzuhalten und meine Retirade durch ein ander Zimmer und durch das