er diese Krankheit als einen Morbum Chronicum, der Medicorum Urteile nach, nicht würde überstehen und der Gebrauch aller Medikamenten bloss eine Cura palliativa wäre; er als der Älteste müsste nach seinem tödlichen Hintritte sich nicht allein der hinterlassenen Güter, sondern auch der alten schwachen Mutter und des jüngern Bruders annehmen, und weiln er den mittelsten Sohn als kapitän in Ungarn eingebüsset, so würde er wenig Segen haben, wenn er wider der Eltern Willen die Kriegsdiense kontinuieren wollte, und was dergleichen mehr war. Wie nun einer seiner Vettern, der Obristlieutenant war, mit einstimmete, musste endlich der unglückliche Elbenstein versprechen, die Kriegsdienste zu quittieren, doch ward ihm frei gelassen, sich in der Nähe an einem fürstl. hof zu engagieren, da es sich denn einige Wochen hernach fügte, dass ihm sein Vetter, der Baron von W., schriebe, wasmassen er einige Zeit daher bei der Herzogin von N.N. als Kammerjunker in Diensten gestanden, nunmehr aber in anderweite Bestallung als Hofmeister bei dem Herzog zu N. gelangen würde. Weiln er nun seiner gnädigsten Herzogin versprochen, einen andern Kavalier an seine Stelle zu schaffen, welchen sie sowohl in Verschickungen als in ihren andern Angelegenheiten wohl gebrauchen könnte, so hätte er den von Elbenstein vorgeschlagen, welchen Vorschlag sich auch ihr Durchl. gnädigst gefallen lassen und ihm Befehl erteilet hätte, an ihn zu schreiben, dass er sich ehestens zu P. einfinden und seine Station antreten sollte. In Erwägung nun, dass er nicht so gar weit von seinen Eltern käme und alle Woche von ihrem Zustande Nachricht erhalten könnte, akzeptierte er mit deroselben Bewilligung diese Funktion, schrieb auch sogleich an den Baron von W. wieder zurück, dass er erstlich bei der ihm anvertrauten Stabscompagnie abdanken, nachher aber aufs längste in 14 Tagen oder drei Wochen sich bei ihr Hochfürstl. Durchl. untertänigst einfinden wollte. Es trachteten zwar seine andern Freunde, zweifelsohne auf Veranlassung seiner Eltern, ihn zu einer anderweitigen Heirat zu persuadieren, allein die Wunde wegen des Verlusts seiner so lieb gewesenen Gemahlin war noch zu frisch, weswegen sie, da sie sahen, dass sie ihn mit dergleichen Vorträgen nur chagrinierten, endlich davon stille schwiegen.
Nachdem er nun seinen Abschied vom Regimente, und zwar zum grossen Verdruss seines Obristlieutenants, als welcher ihn ungerne verlor, bekommen hatte, versäumete er keine Zeit, sondern ging par Posto nach P. Er langete daselbst glücklich an und ward sowohl von der durchl. Herzogin als dero Frau Mutter wegen seiner ihnen anständigen Gestalt und Conduite sehr gnädig empfangen, zumalen sie ihm nicht allein ihre Hofhaltung, sondern auch die Korrespondenz mit etlichen grossen Ministris am kaiserl. hof anvertrauen konnte. In währender Zeit, da die Herzogin fast wöchentlich, ja täglich Visiten von hohen Standespersonen bekam, konnte es ohnmöglich sein, als dass sich unter so vielen schönen Gesichtern doch wenigstens eins, wo nicht mehr, befand, welches capable war, Elbensteinen zu charmieren und seine verliebten Blicke zu rekompensieren. Die erste Intrigue sponne sich also an: Es wurde die durchl. Herzogin eines Tages von dem OBG. traktieret, an der Tafel kam Elbenstein neben der Gräfin von W. zu sitzen, bei welcher er sich durch allerhand insinuante Diskurse dergestalt einzuschmeicheln wusste, dass, um dieses Mal allen Verdacht zu vermeiden, sie ihn auf den folgenden Tag in die Karmeliterkirche auf der K.S. beschiede, daselbst nahmen sie die Abrede, den morgenden Tag in ihrer Fr. Muhmen, der Gräfin von S., Palais, weil selbige eben in das warme Bad gereiset, zusammenzukommen. Elbenstein war so unachtsam nicht, dass er die abgeredte Stunde sollte vergessen haben, sondern er wartete mit grösster Attention darauf, wurde auch von der schönen Gräfin mit einer anmutigen und liebreizenden Miene empfangen. Sie spielete, als er kam, eben auf der Laute und hatte ein kleines Arienbuch bei sich liegen, weswegen Elbensteinen die Curiosité antrieb, selbiges zu perlustrieren. Indem er nun akkurat 59 Arien, Oden und dergleichen darinnen fand, bat er sich die Erlaubnis aus, das Schock voll zu machen und eine Arie nach einer bekannten Melodei hineinzuschreiben. Da nun die Gräfin versicherte, dass ihr dieses zum besonderen Plaisir gereichen würde, zeichnete er folgende Verse ex tempore hinein:
1
Ein hartes Verhängnis hat mich jetzt betroffen, Es heisst mich lieben und dennoch nicht hoffen; Unendliches Quälen bleibt, glaube ich, der Lohn, Den ich vor mein Lieben einst trage darvon.
2
Doch ob auch mein Lieben ganz abgeschmackt
scheinet,
So bin ich's zu lassen doch gar nicht gemeinet; Dieweil mir der Himmel noch diesen Trost gibt: Sei stille im Lieben, bleib immer betrübt.
3
Mein brennendes herz, das eilet zum grab, Dieweil ich die Hoffnung zum Troste nicht habe. Wer kann mir das nachtun, der schreibe sich ein: Ohn Hoffnung im Lieben beständig zu sein. Ob nun schon mancher Poete diese daktylischen Reime durchzuhecheln Ursache gehabt hätte, so war dennoch die Gräfin vollkommen wohl damit zufrieden. Sie sah ihn, nachdem sie selbige durchlesen, recht liebreizend an, drückte ihm die Hand und sagte: "Ein solcher Amant, der ohne Hoffnung beständig sein kann, muss nicht ohne Hoffnung gelassen werden. Sein Sie nur beständig, mein werter Elbenstein, und hoffen zugleich, so werden Sie nicht fehlen." Er ergriff der Gräfin schöne Hand und küssete dieselbe, sprach darbei: "Hierdurch will ich versuchen, wieviel ich hoffen darf." Die Gräfin antwortete: