Freund kommuniziert hatte; immittelst begunnte es ihm zu gereuen, dass er der Wachtmeisterin, ungeachtet sie eine sehr wohlgebildete Frau war, Erlaubnis erteilet hatte, ihm eine Nachtvisite zu geben, denn er besanne sich nunmehr erstlich, dass der Satan mit im Spiele sei und unfehlbar dahin trachten würde, ihn zu Brechung seines Gelübdes zu bewegen. Zu allem Glück kam der Quartiermeister von seiner Compagnie, welcher noch etwas zu rapportieren hatte, diesen, weil er ein artiger Mensch, über dieses auch von vornehmen Eltern war, bat Elbenstein, dass er ihm die gefälligkeit erweisen und noch ein paar Pfeifen Tobak mit ihm rauchen möchte, offenbarte auch demselben, dass sich ein gewisses Frauenzimmer bei ihm melden lassen, um etwas Geheimes mit ihm zu sprechen, weilen ihm aber die Sache, zumalen bei nächtlicher Zeit, verdächtig vorkäme, indem er kein Liebhaber des Frauenzimmers sei, so möchte er, der Quartiermeister, sobald das Frauenzimmer angestochen käme, zwar zum Zelte hinausgehen, als ob er bei der Compagnie etwas zu besorgen hätte, jedoch nur bei dem Zelte stehenbleiben und, wenn er, Elbenstein, hustete, sogleich wieder hineinkommen und rapportieren, was ihm eben in die Gedanken käme; denn er wisse selbst nicht, was das Frauenzimmer von ihm haben wolle. ungefähr um elf Uhr erschien also die Frau Wachtmeisterin mit einem Mantel bedeckt. Der Quartiermeister retirierte sich alsofort, weswegen sie den Mantel abwarf, Elbensteinen umarmete und küssete, hernachmals als eine geborne Wallonin in französischer Sprache sagte: "Mein Herr Lieutenant, ich bemerke, dass es Ihnen an kleinen Gelde fehlet, hier bringe ich Ihnen zehn Taler Kleingeld in einem Beutel, freie Zehrung an speisen und Wein sollen Sie ausserdem alle Tage bei mir haben, hiervor bitte mir aber nur Dero genauste Freundschaft und Liebe aus, denn ich kann nicht leugnen, dass mich auf der Welt nach nichts mehr als nach einem jungen Erben verlanget, welchen ich wegen der heftigen Liebe, so ich auf Sie geworfen, von niemand eher als von Ihnen zu erhalten verhoffe."
Elbenstein war froh, dass er dem Quartiermeister vor seinem Zelte zu warten befohlen, denn durch dieser wohlgebildeten Frauen spirituellen Liebsantrag und herzhaften Expressiones, als auch durch die negligente, zur Liebe reizende Tracht, in welcher sie vor ihm erschien, wurde er dergestalt konsterniert, dass es, wenn er nicht an die Verabredung mit dem Quartiermeister gedacht, gefährlich um die Haltung seines Gelübdes gehalten haben würde. Solchergestalt aber sagte er zu ihr: "Madame! Ich bin niemals gewohnt gewesen, unerkenntlich gegen diejenigen zu sein, so Freundschaft vor mich hegen, geschweige denn gegen so ein charmantes Frauenzimmer, als Sie sind. Allein ich bedauere, dass ich mich nicht im stand befinde, Ihrem Verlangen ein Genügen zu leisten, denn da ich mich vor zwei Jahren mit einer gewissen Baronesse verlobt, habe ich ihr, bevor ich in Kampagne ging, vermittelst der allerteuresten Eidschwüre die Versicherung geben müssen, in meiner Treue und Liebe nicht wandelbar zu sein. deswegen müsste ich die allerschweresten Strafen des himmels befürchten, wenn ich solche teuren Schwüre leichtsinnigerweise bräche."
Die Frau Wachtmeisterin wollte zwar hierwider verschiedene Exceptiones machen, da sich aber Elbenstein stellte, als ob ihm unter währenden Trinken etliche Tropfen in die unrechte Kehle gekommen wären und er dieselben wieder aushusten müsste, kam bald hernach der Quartiermeister, pochte vor dem Zelte, und da ihn Elbenstein hereintreten hiess, rapportierte [er] folgendes: "Mein Herr Lieutenant, diesen Augenblick lässt der Korporal von N. Compagnie zur Nachricht melden, dass zwei von unsern Leuten, welche vergangene Nacht mit auf Partie gegangen, zurückgeblieben; er wisse aber nicht, ob sie desertiert oder gefangen wären." Elbenstein liess den Quartiermeister ins Zelt kommen und hiess ihn warten, weil er diesfalls noch weiter mit ihm zu sprechen hätte. Die Frau Wachtmeisterin vermeinte zwar, es würde dieser bald wieder fortgeschickt werden, da es aber nicht geschahe, wurde sie endlich verdrüsslich und sagte: "Nun, mein Herr Lieutenant, Sie werden, weil Sie heunte mehr zu tun haben, das Geld wohl morgen früh nachzählen, meines Wissens ist es richtig."
"Nein! Madame!" versetzte Elbenstein, "erweisen Sie mir die gefälligkeit und nehmen dieses Geld wieder zurücke bis morgen nach der Mittagsmahlzeit, die ich bei Ihnen einnehmen werde, sodann wird es sich besser als bei Lichte zählen lassen." Mit diesem Bescheide musste sich die lüsterne Frau Wachtmeisterin abfertigen lassen und mit grössten Missvergnügen nach ihrem Marketenderzelte zurücke kehren in Hoffnung, ihm mit der Zeit den Rummel dennoch zu benehmen und ihr verliebtes Dessein auszuführen.
Hingegen dankte Elbenstein, als er sich vollends recht besonne, dass er dieser Versuchung so glücklich entgangen war. Der Quartiermeister erzählete hierauf, dass diese Frau, welche ihren Mann, den Wachtmeister, nunmehr erstlich vier Jahr hätte, sich in den ersten zwei bis drei Jahren sehr retirée gehalten, so dass man an ihr nicht die geringste Ausschweifungen verspüret, nachdem ihr aber die Grillen in den Kopf gekommen sein möchten, wie sie einen Mann habe, der ihr nicht einmal ein Kleines fabrizieren könne, wäre sie auf die Gedanken geraten, sich nicht allein an ein und andern wohlaussehenden Offizier, sondern auch sogar an verschiedene gemeine Reuter, und zwar bald an diesen, bald an jenen zu attachieren, wie man aber sähe, wollte dennoch nichts fruchten. Da nun Elbenstein und der Quartiermeister noch verschiedenes von dieser Begebenheit gesprochen hatten, stellte sich endlich der erste schläfrig an, der andere nahm