oder höchstens Sergeant sein."
Wie nun der Lieutenant hiermit seine Erzählung beschlossen hatte, sagte ein gewisser, zwar noch junger, jedoch sehr artiger und geschickter kapitän: "Ich gebe dem Herrn Lieutenant in seiner letzteren Meinung gar gerne Beifall; vor mein Particulier aber danke ich vor dergleichen Behelfsmittel und wollte lieber zeitlebens Musketier sein als solchergestalt avancieren. Es ist doch kein Segen und Gewissensruhe darbei. Wie kann ein Offizier, der sein Herz mehr der Veneri als dem Marti gewidmet, seine Dienste mit Plaisir verrichten? Wie kann er mit freien und sichern Herzen in eine Bataille oder Sturm gehen? Gewisslich ein Soldat, der sein Herz erstlich an das Frauenzimmer henkt, wird feige gemacht, und wenn er gleich noch soviel Guts an sich hat. Man sage mir, ob dergleichen Courtoisie reputierlich, im Gegenteil aber nicht vielmehr höchst schädlich und sündlich sei. Über dieses siehet man sich darbei sehr öfter solchen Gefährlichkeiten exponiert, die vermögend sind, auch den wakkersten Soldaten um Ehre und Leben, ja was das vornehmste ist, gar um seiner Seelen Seligkeit zu bringen. Wo wäre Merillo wohl hingefallen, wenn die beiden Meuchelmörder nicht von dem Herrn Lieutenant und dessen Compagnon wären verhindert worden, ihn mit der Schlinge und dem Dolche ums Leben zu bringen?"
"Wenn man dieses bedenkt", versetzte der Lieutenant, "so sollte einem freilich wohl der Appetit vergehen, dergleichen gefährliche Glückswege zu wandeln, die ohnedem einem Menschen nicht zur wahren Glückseligkeit, sondern in den Irrgarten aller Laster führen und worauf die Strafe, wo nicht in dieser, doch in jener Welt erfolget. Allein, es ist leider! zu beklagen, dass das Courtoisieren bei den Soldaten grand mode worden, auch ganz und gar vor keine Sünde mehr gehalten wird, es sei auch mit ledigen oder vereheligten Frauenzimmer, denn ein junger Mensch, der gerne gut leben will, mit seiner Gage nicht auskommen kann und dennoch auch nach höhern Chargen strebt, lässt sich niemals eine Sünde leichter als diese gelüsten, weil sie mit so vielen wollüstigen Vergnügen verknüpft ist. Ja, wenn alle hohe und geringere Martis-Söhne, welche das sechste Gebot übertreten haben, vom Himmel darmit gestraft werden sollten, dass sie keine Pistole oder Flinte losbrennen könnten, so würde man gewisslich dann und wann in manchem Treffen sehr miserable Salven hören."
Über diese letztere Expression entstunde bei der ganzen Compagnie ein starkes Gelächter und wurde über dieses Tema noch eine Zeitlang pro & contra disputiert, bis endlich die Reveille geschlagen wurde, da sich denn ein jeder über die Flüchtigkeit der Zeit verwunderte und nach schuldigster Danksagung vor genossene Gültigkeit an seinen gehörigen Ort eilete.
Elbensteinen begunnte von nun an das Soldatenleben immer besser und besser zu gefallen. Es ging aber in diesem Jahre ausser der blutigen Bataille bei F. nichts Remarquables vor, weswegen hochgemeldter Prinz im Weinmonat aus dem letzteren Campement bei St. Q.L. sich wieder nach N. begaben. Elbenstein aber, der sich leicht die Rechnung machen konnte, dass er zu N. sein Glück schwerlich finden würde, blieb bei der Armee und hielt sich die übrige Zeit der Kampagne wie auch den Winter über als Volontär bei dem Dragoner-Regiment von Bh. auf. Er spürete klärlich, dass, da er ein Gelübde getan, nun und nimmermehr seiner geliebten L. wiederum treulos zu werden, der erzürnte Himmel seine gerechte Strafe und Rache gegen ihm aufgehoben und in lauter Erbarmung und Gütigkeit verwandelt hatte, auch seine Vorsorge ihm reichlich blicken liess, indem er bei Eröffnung der folgenden Kampagne eine Lieutenantsstelle unter dem N. Regiment zu Pferde erhielt, welches auf englischen Fuss stunde. Er hatte solchergestalt monatlich 70 Taler Einkommens, deswegen fassete er den Schluss, um seine Gelübde desto besser halten zu können, sich mit seiner verlobten Braut zu vereheligen. Solches geschahe auch nach geendigter Kampagne, und zwar zu U. in Gegenwart vieler dazu erbetener vornehmer Personen sowohl männals weibliches Geschlechts.
vorher aber, ehe sich die Kampagne noch geendigt hatte, musste Elbenstein noch zwei starke Anfechtungen von dem Feinde des menschlichen Geschlechts und des heil. Ehestandes ausstehen. Die erste bestunde darinnen: Als er eines Abends bei einem Marketender, der zugleich Wachtmeister unter dem Regiment war, gespeiset und eine Bouteille Wein getrunken hatte, gab er der Frauen einen Louisdor mit der Bitte, ihm einzelne Münze darvor zu geben und das Verzehrte zu dekortieren. Sie bat ihn, ohnbeschwert mit ihr in ihr Nebengezelt zu gehen, woselbst sie ihm einzelne Münze aufzählen wollte. Da sich nun Elbenstein nichts Übeles besorgte, folgte er ihr auf dem fuss nach, sobald er aber in das Zelt trat, umarmete sie ihn und gab ihm einen derben Kuss auf seinen Mund, sagte hierauf: "Liebster Herr Lieutenant! nun habe ich mich vor die schlechte Abendmahlzeit, die Sie bei mir genossen haben, schon bezahlt gemacht; hier haben Sie Ihre Pistolette zurück, erweisen Sie mir nur die gefälligkeit und bedienen Sie sich meines Tisches alle Tage, ich will Sie nach meinem äussersten Vermögen aufs allerbeste bedingen und sonst nichts darvor verlangen als Dero Gewogenheit nebst der Erlaubnis, dass ich heunte Nacht auf ein Stündgen in Ihr Zelt kommen und Sie um eine gefälligkeit ansprechen darf."
Elbenstein übereilete sich aus angeborner Complaisance gegen das weibliche Geschlecht nicht wenig mit seiner Antwort, indem er sie versicherte, dass ihm ihre Visiten jederzeit sehr angenehm sein sollten, worauf er sich nach seinem Zelte begab und bei einer Pfeife Tobak einen französischen Autorem las, den ihm ein guter