wollet, wohl schwerlich hätte träumen lassen. Bekomme ich aber das verlangte ungesäumt, so soll nicht allein alles, was geschehen, unterdrückt und verschwiegen bleiben, sondern es sollen auch die zwei gefangenen Mörder an Euch ausgeliefert werden. Nehmet es als eine besondere Marque meiner ehemaligen Liebe und noch jetzigen Höflichkeit und Gelassenheit an, dass ich mich den Jachzorn nicht verleiten lasse, anders zu verfahren. Überleget Eure Affären aufs beste, inzwischen wird seine Avantage auch zu überlegen bemühet sein
Merillo.
Diese Zeilen lieferte ich auf des Merillo Bitten Livicarden in ihre eigenen hände, sie erbrach dieselben und wendete sich damit an ein Fenster. ungeachtet ich ihr nun nicht ins gesicht sehen konnte, so bemerkte ich doch, dass sie unter dem Lesen recht erzitterte und eine gute Weile als eine Statue auf einer Stelle stehenblieb, endlich besonne sie sich wieder, wendete sich herum, sah so blass aus als eine Leiche und sagte zu mir: 'Monsieur! weil ich nicht zweifele, dass Sie ein vertrauter Freund von dem Herrn Lieutenant Merillo sind, so bitte ihm von meinetwegen zu melden, dass es zwar einen starken Schein habe, als ob ich an dem ihm begegneten Zufalle schuld habe, allein es ist nicht an dem, sondern ich bin unschuldig und will mich schriftlich deutlicher gegen ihn erklären, auch heute abend, sobald es dämmrig wird, dasjenige übersenden, was er verlanget hat, worgegen ich verhoffe, dass er als ein redlicher Offizier seine Parole halten werde.' Wie sie nun Miene machte, sich in ihr Cabinet zu begeben, versprach ich, dero Befehle wohl auszurichten, machte meinen très humble und brachte dem Merillo die fröhliche Post zurücke.
Livicarda hielt ihr Wort redlich, denn sobald es abends dämmerig zu werden begonnte, meldeten sich zwei Personen, die eine Sänfte mit sich gebracht hatten, lieferten in sieben Säcken 7000 spec. Taler an Merillo, welcher die Säcke sogleich aufschnitt, um zu sehen, ob nicht abermals ein Betrug darunter vorginge, mittlerweile stunden unser vier Personen bei einem Tische, worauf sechs Paar geladene Pistolen und vier Pallasche lagen. Da aber Merillo merkte, dass alles richtig sein und die Summa wohl zutreffen würde, liess er die zwei blessierten Arrestanten verabfolgen, welche in die Sänfte gelegt und fortgetragen wurden, ohne dass weiter jemand etwas von der Hauptsache gemerkt hätte, denn Merillo bewohnete sein Quartier ganz alleine mit seinem Bedienten. Den Brief, welchen er nebst der Geldsumme von Livicarden empfangen, hat er mir nicht gezeiget, doch merkte ich, dass sich sein Zorn gegen dieselbe ziemlich gelegt hatte, denn er liess sich verlauten, wie er sich nicht genug verwundern könne, dass Livicarda ein so grosses Vertrauen auf seine Parole gelegt, und er schlösse fast aus gewissen Umständen, dass sie an der Meuchelmörderei keinen teil habe; deswegen bat er mich und meinen Kameraden höchlich, alles das, was er uns von seinen Liebesaventuren erzählet, sowohl als alles dasjenige, was in vergangener Nacht und heute passiert, verschwiegen zu halten, damit weder er noch Livicarda prostituiert und auf der Leute Zungen herumtanzen müssten. Wir gelobten ihm demnach nicht nur auf Offiziersparole das Stillschweigen an, sondern verschwuren uns auch teuer, weder zu seinem noch Livicardens Verdruss etwas auszuplaudern, und obgleich ich anitzo diese Geschicht erzählet habe, so wird doch von Ihnen, Messieurs! wohl keiner erraten, was eigentlich vor Personen unter den fingierten Namen gemeinet sein.
Jedoch zum Schlusse meiner Erzählung zu kommen, so muss ich bekennen, dass Merillo so liberal war und uns beiden Offiziers jeden 500 spec. Taler vor unsere gehabte Bemühung aufzwange. Dem Feldscher gab er 200, dem Musketier aber wie auch seinem eigenen Bedienten jeden 100 Taler, welche drei letzteren in unsern Beisein einen ordentlichen Eid schwören mussten, von dieser Begebenheit und alledem, was sie gesehen und gehöret, nichts auszuplaudern. Mein Kamerad und ich blieben noch einige Tage bei ihm, ausgenommen, wenn mich die Wache traf, brachten auch auf des Merillo Verlangen verschiedene andere Offiziers mit, die ihm, weil er wirklich vom Schrecken noch etwas unpass war, die Zeit passieren mussten. Ferner hielt er alle Nacht vier bis sechs Musketiers von der Compagnie, bei welcher sein Hauptmann damals nicht gegenwärtig war, in der untern stube seines Quartiers mit Essen und Trinken frei, welche die Nachtwache mit ihrem Gewehr bei ihm halten mussten, indem er sich immer noch eines meuchelmörderischen Überfalls befürchten mochte. Sobald aber sein kapitän wieder zur Compagnie kam, nahm Merillo abermals Urlaub zu verreisen, liess seine beschwerliche Bagage in meiner Verwahrung und machte sich mit einer Extrapost aufs eiligste fort. Wenig Wochen hernach kamen Briefe von ihm, worin er bei dem Chef um seinen Abschied anhielt, welchen er auch bald hernach nebst seinen zurückgelassenen Sachen bekam. Nach diesen habe ich zwar den ehrlichen Merillo nicht wieder gesprochen noch gesehen, jedoch vernommen, dass, nachdem er bei einer nordischen Puissance Dienste genommen und sich in ein paar Kampagnen wohl gehalten, er nunmehr den Obristlieutenants-Posten erstiegen. Ich aber bin immer noch Lieutenant", meldete hier der Historicus mit Lächeln, "das macht, weiln ich kein Geld, mitin nur einen Sack voll Hoffnung habe, mit der Zeit, wenn es einmal buntüber gehet, höher zu steigen. Unterdessen siehet man doch, wie das Glücke mit dem Menschen zu spielen pfleget, denn hätte Merillo bei dem Frauenzimmer keine Goldgruben gefunden, was gilt's? er sollte mir wohl noch bis auf diese Stunde Korporal, wenn es viel wäre, Furier