erwarten, begibt sich also, nachdem er vor Livicardens Palais ein Pistol in die Luft geschossen, in sein Quartier.
Von ungefähr fügte sich's, dass ich nebst noch einem Offizier durch solche Strasse passierte, weiln wir nun den Merillo im Fenster gucken sahen und wussten, dass er öfters lieber ein paar gute Freunde auf der stube hatte als in starke Compagnien ging, trafen ihn aber sehr konsterniert und kaltsinnig an. Doch weiln sich bekannte Offiziers untereinander nicht viel hieran zu kehren pflegen, so machten wir beide auch diesmal uns keine sorge daraus, setzten uns nieder, spieleten ein l'Hombre und rauchten eine Pfeife Tobak darbei. Merillo stellte sich, da es Abend zu werden begunnte, etwas unpässlich und schläfrig an, allein mein Kamerad, der etwas lustiges Geistes war, sagte: 'Herr Bruder! du magst im Ernste krank oder schläfrig sein, so gehe ich doch vor Mitternachts nicht vom Flecke.' Wie er demnach sah, dass es nicht anders war, stellte er sich etwas aufgeräumter. ungefähr um zehn Uhr des Nachts aber kam sein Bedienter und meldete, dass zwei Personen da wären, welche etwas an ihn zu überbringen hätten. deswegen sprach Merillo zu mir und dem andern Offizier: 'Messieurs, seid von der Güte, nehmet ein Licht und gehet nur auf einige Minuten in dieses Nebenzimmer, weil ich nur noch etwas zu negotiieren habe, worvon ich euch nachher Part geben will.' Wir weigerten uns nicht, dieses zu tun, weil ich aber curieux war zu sehen, was passierete, guckte ich durch das Schlüsselloch und wurde gewahr, dass sein Diener zwei Weibspersonen hineinbrachte, von welchen die eine einen schwer angefülleten Korb truge und von einer sogenannten wohlbewussten person einen Gruss wie auch ein Schreiben brachte, anbei den Merillo bat, er möchte von der Güte sein und seinen Diener bis an die Ecke der Strasse gegen den Markt zu schicken, weiln zwei Weiber unterwegs wären, die das Beste trügen, sich aber vielleicht verirren könnten. Dieser schickte also seinen Diener mit der Laterne fort, trat zum Lichte und erbrach den empfangenen Brief, immittelst half eine der andern den Korb auf die Erde setzen, welcher, wie wir hernach befanden, mit etlichen wohlversiegelten Kästlein, worin lauter Sand befindlich, unten aber mit Steinen beschwert war. Da dieses geschehen, zohen sie eine seidene starke Schlinge hervor, warfen dieselbe dem Merillo mit grösster Geschwindigkeit über den Kopf um den Hals, rissen ihn zu Boden, so dass er sich kaum regen, viel weniger um hülfe rufen konnte.
Es ist leicht zu erachten, dass mein Kamerad und ich nicht lange werden gezaudert haben, dem ehrlichen Merillo in seinen Todesnöten beizuspringen. Ich kam eben noch zu rechter Zeit, demjenigen Stosse Einhalt zu tun, welchen die eine Verteufelte mit einem Dolche in seine Brust tun wollte. Indem ich nun bemühet war, dieselbe zu entwaffnen, wollte mein Kamerad dem gurgelenden Merillo die Schlinge vom Halse machen, bekam aber darüber von der andern Bestia einen Dolchstich ins Gesässe und hatte also ursache, dem Himmel zu danken, dass sie seines hohlen Leibes verfehlet. Ich wurde es sobald als er selbst gewahr, zohe deswegen alsofort meinen Degen und hieb ihr die Hand, worin sie den Dolch führte, vom leib, so dass beides zu ihren Füssen fiel. Die andere fetzte ich gleichfalls etlichemal über den Kopf ins Gesicht und über die hände. Da nun mittlerweile mein Kamerad dem ehrlichen Merillo die Schlinge abgemacht und es dahin gebracht, dass er wieder Luft schöpfen und die Augen eröffnen konnte, stiessen wir beide Canaillen zu Boden, bunden ihnen selbst hände und Füsse so fest als möglich zusammen, befanden aber, dass das eine zwar eine Weibs-, das andere aber eine Mannsperson war. Wir liessen die beiden Mordbestien liegen und strampeln, den ohnmächtigen Merillo aber trugen wir auf sein Feldbette, da ihn denn mein Kamerad den Hals und das gesicht mit Franzbrannteweine riebe, dessen er kaum eine halbe Stunde vorher eine ganze Bouteille voll holen lassen, ich aber trat an ein Fenster und rufte dessen ausgeschickten Diener mit lauter stimme, allein ich hätte lange rufen mögen, denn derselbe war ebenfalls von etlichen Strassenräubern überfallen, zu allem Glücke aber von der dazu kommenden Patrouille noch errettet und in die Corps de Garde gebracht worden. Solches erfuhren wir von einem die Wacht habenden Soldaten, welchem ich befahl, dass er augenblicklich einen von seinen Kameraden, den nächsten den liebsten aufsuchen und ihn sogleich zu uns schicken sollte. Es währete keine drei Minuten, so stellte sich einer ein, dem wir ein Paar geladene Pistolen gaben, um, daferne er etwa auf der Strasse von Mördern angegriffen würde, sich damit zu wehren, nur aber ohne Zeitverlust einen Feldscher herzubringen. Er kam nebst dem Feldscher eiligst wieder, demnach wurde dem ehrlichen Merillo vor allen andern Dingen eine Ader geschlagen und etwas Arzenei eingeflösset, worauf er sich wieder besinnen, auch einige Worte sprechen konnte. Mein Kamerad liess sich auch nach seiner Wunde sehen, es wurde aber dieselbe, wiewohl etwas tief, aber doch nicht gefährlich befunden. Die beiden Meuchelmörder wurden gleichfalls verbunden, und unser Soldat musste sie bewachen, der Feldscher aber und ich bewachten unsere beiden Patienten, welche wir in das Nebenzimmer zur Ruhe gebracht hatten.
Frühmorgens befande sich unser Merillo ziemlich besser, da aber der Feldscher weggegangen war, um einige Medicamenta zu holen, dankte er uns aufs verbindlichste vor die Rettung seines Lebens, sagte anbei, wir als seine Schutzengel