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zu sein bedünkte als Elbenstein, jedoch gestehen musste, dass die schönen Pistolen eben nicht gar zu gut schössen. "Nun!" sagte Elbenstein, "wollen wir einmal sehen, was meine tun, welche nicht des vierten Teils soviel Ansehen haben." Dennoch befahl er dem Diener, ihm seine Pistolen zu langen. Elbenstein ladete sich allezeit selbst und schoss auf sechsmal das Zentrum dergestalt heraus, dass man ein Ei hindurchstekken konnte. Der Wirt sperrete Maul und Nase auf, und da Elbenstein ihm erlaubte, auch sechsmal daraus zu schiessen, traf er das Zentrum zweimal, der weiteste Schuss unter sechs aber kaum zwei Querfinger breit darvon.

"Es ist wahr", sprach der Wirt, "diese sind besser, ungeachtet sie nicht soviel Ansehen haben." Nach diesen belustigten sie sich noch weiter mit Schiessen, denn der Wirt musste Elbenstein ein und andere Äpfel und Aprikosen zeigen, welche er von den Bäumen heruntergeschossen haben wollte, und jener traf mit seinen eigenen Pistolen alle dergestalt akkurat, dass mancher Apfel und Aprikose in viele Stücken zersprunge. Endlich fragte Elbenstein: "Mein Herr, wie hoch hält Er Seine Pistolen?" "Ach", antwortete dieser, "wenn ich alles rechnen wollte, so stünden sie mir wohl vor mehr als zwölf Zechinen, wenn man mir aber acht Zechinen bar Geld hinzählete, würde ich mich nicht lange besinnen, dieselben anzunehmen, denn mit Gelde kann ich ehe was erwerben als mit Pistolen." Elbenstein tat, als ob er sich eine Weile besönne, endlich zohe er seine Goldbeurse hervor und sagte: "Ich will einmal einen Hazard wagen, hier sind die acht Zechinen. Ich weiss einen Meister, der dergleichen Gewehr sonst ganz gut zurichten kann. Trifft's ein, dass er ihnen helfen kann, so ist's gut, wo nicht, so muss ich mich damit begnügen lassen, dass sie doch eine gute Parade im Zimmer an der Wand machen." Der Wirt mochte wohl höchst erfreut sein, dass er die Pistolen nur los wurde und bar Geld davor bekam, Elbenstein aber hätte sie nach der Zeit, da er immer mehr und mehr probiert, auch beständig akkurat befunden hatte, keinem vor 24 Zechinen hingegeben.

Vor dieses Mal ging er auf sein Zimmer, wo ihm die Gedanken einkamen, dass er diesen Abend in der Margareta Behausung eine Visite abzulegen hätte; allein es schauderte ihm die Haut darvor, zumalen er nicht wusste, was er vor Personen darinnen antreffen würde und ob er sich statt eines eingebildeten Vergnügens nicht in die grösste Gefährlichkeit stürzen könnte. Demnach nahm er das Bildnis seiner geliebten Baronne abermals vor sich, küssete dasselbe wohl mehr als 100mal aufs allersubtileste und redete als ein verliebter ... nicht anders mit demselben, als ob die Baronne in Lebensgrösse persönlich zugegen wäre. Endlich aber besann er sich selbsten, dass er Torheiten beginge, packte deswegen das Porträt wieder ein und resolvierte sich, um die verliebten Grillen in etwas zu vertreiben, vor das Obertor spazierenzugehen. Demnach liess er bei dem Wirt anfragen, ob er ihm Gesellschaft leisten wollte. Dieser, welcher vermerkte, dass der Spaziergang vor das Obertor nicht so leer ablaufen würde, zumalen da er den besten Wein selbst lieber trunk als den schlechtesten, war gleich parat und führte Elbensteinen, welcher vorgab, dass er die Gegend vor dem Obertore noch nicht betrachtet, da hinaus.

Als sie kaum 500 Schritt ausserhalb passieret, zeigte ihm der Wirt in der Nähe ein Gartenhaus und sagte: "Mein Herr! Sie mögen es glauben oder nicht, in diesen haus trifft man den besten Wein an, der in Welschland weit und breit nicht besser und delikater zu finden ist. Ich weiss aber nicht, wie es zugehet, dass der Wein nur allein in diesem haus so vortrefflich schmeckt, denn ich habe zu verschiedenen Malen den allerbesten ausgekostet, mir etliche Bouteillen davon abziehen und in mein Haus tragen lassen, allein nachher hat ein jeder sogleich schmecken können, dass meine Weine weit besser gewesen als diese. Es ist ein rechtes Wunder", fuhr der Wirt fort, "dass auch die schlechtesten Weine in diesem haus so ungemein delikat schmecken, sobald sie aber, es sei in Gläsern, Bouteillen, Fässern oder was es vor Geschirr ist, nur zehn oder 20 Schritt über die Strasse getragen werden, ist die Delikatesse weg und schmecken dieselben nicht anders als andere gemeine Weine." "Vielleicht", versetzte Elbenstein, "wird der Wirt dieses Hauses etwa hübsches Frauenzimmer im haus haben?" "Ach, nichts weniger als dieses, denn der Wirt und die Wirtin sind ein Paar sehr alte, aber sehr fromme und religieuse Leute, deren beide Töchter und die Magd, die sie haben, ungemein hässliche Personen. Allein die beiden frommen Alten haben sich nicht allein den heil. Antonium von Padua in Lebensgrösse aus Holz geschnitzt in ihr Haus geschafft, sondern sollen auch wirklich eine Reliquie von ihm in ihrer Gewalt haben, welcher letzteren eben das Wunder zugeschrieben wird, dass der Wein, sobald er aus dem Revier ihres Hauses getragen wird, seine Delikatesse verlieret." Elbenstein musste in seinem Herzen über die Reden seines Wirts lachen, doch liess er sich nichts merken, sondern sagte: "Ei, so bin ich doch curieux, nicht nur den delikaten Wein zu kosten, sondern auch das Wunder zu probieren. Kommet, mein Herr! wir wollen auf dieses Haus losgehen und dem heil. Antonio unserer Ehrerbietung bezeigen