Wege, ist aber kaum drei oder vier Schritt von der Gartentür hinweg, als er in der dicken Finsternis, und zwar in einem Tempo, zwei Stiche, einen von vorne in die rechte Schulter und den andern durch die linke Weiche, bekömmt. Er tut einen Sprung auf die Seite, ziehet seinen Degen, um bei weiterer Attaque einen seiner Feinde mit in den Tod zu nehmen, da er aber vermerkt, dass dieselben davonlaufen, hält er nicht vor ratsam, grösseren Lärm zu machen, sondern schleicht in aller Stille nach seinem Quartiere, lässt einen Feldscher kommen und sich verbinden. Etliche Tage sah es sehr schlimm mit ihm aus; jedoch weil keine Hauptteile im Unterleibe verletzt waren, wurde er in wenig Wochen vollkommen restituiert.
Inmittelst erfuhr er, dass Livicarda ehester Tages mit dem G. von Ch. Beilager halten würde, deswegen trieb ihn der heftige Chagrin an, folgende Zeilen an Livicarden zu schreiben:
Gehet dieses Mal hin, ich will Euch bei nächster
Zusammenkunft in allen Satisfaktion geben.
Madame!
Dieses waren die letzten Worte, so ich neulich von einer vornehmen Dame hören musste, die mich ehedem sehr öfters kommen, aber niemals weggehen heissen. Doch Glücke, Glas und die Liebe eines vornehmen Frauenzimmers gegen eine Mannsperson geringeres Standes zerbricht gar leichtlich, und also bewundere ich nichts, als dass Dero heftige Brunst von so langer Dauer sein und durch mein unermüdetes Bemühen nicht eher als jetzt gelöschet worden. Jedoch was will ich von löschen sagen, da vielleicht die Glut dermalen durch den Anblick eines vierschrötigen Landsmannes noch heftiger angeblasen worden, von welchen etwa präsumiert wird, dass er seine Rebus besser machen werde als ein politer Deutscher. Demnach verwundere ich mich auch nicht, dass ich meinen Abschied von Ihnen bekommen, nur wundert mich, dass, da beschlossen gewesen, mir das Lebenslicht ausblasen zu lassen, Sie keine geschicktern Meuchelmörder, sondern solche feige Canaillen choisiert haben, welche die rechten Fleckgen nicht zu treffen gewusst, sondern, nachdem sie ihre Stösse mit selbsteinur meinen Degen aus der Scheide fahren höreten, auf die Flucht begaben. War denn etwa dieses, Madame! die versprochene Satisfaktion? Sollte dieses der Rekompens vor meine oft über die Gebühr angespannete Kräfte sein? Sollte solchergestalt das kostbare Geheimnis erstickt und keinen Menschen kundgemacht werden, ob der arme kleine Livicardomarillus vom Himmel gefallen oder hinter dem Zaune gefunden sei, mitin dieses unschuldige Kind zu einer vater- und mutterlosen Waisen gemacht werden? Ja, ja! ich besinne mich, die Staatsraison hat solches absolutement erfordert. Doch nein, Madame! das Militärleben ist vermögend, einem bürgerlichen Körper ein adeliches herz einzupfropfen. Ob es aber zwar gleich keine Heldentat ist, dergleichen Cameralia, als wir eine Zeit daher miteinander traktieret, auszuplaudern, so wird doch hoffentlich die galante Welt, in Betrachtung meiner ausgestandenen Fatiguen, mich nicht verdenken, wenn ich auf Mittel sinne, meinen Hohn zu rächen, welches ich wohl unterlassen, wenn man nicht versucht hätte, mich auf eine so liederliche Art ums Leben zu bringen. Demnach kündige ich Ihnen, Madame! meine vorgesetzte Rache an, wobei ich meinen Körper tausend Gefährlichkeiten exponiere, jedoch garantiere, dass, ob auch mein Körper in tausend Stükke zerteilet würde, dennoch keine menschliche Gewalt vermögend sein soll, die Publikation des Geheimnisses zu verhindern, welches zur Zeit noch meines Wissens niemanden als uns beiden bekannt ist; denn es liegt bereits mit allen akkuraten Umständen der ganzen Welt zur Nachricht aufgeschrieben an einem sichern Orte, welches ich darum getan habe, weil ich nicht weiss, ob ich vor meinem Ende noch imstande sein möchte, solches mündlich publik zu machen. Zwar glaube ich nicht, dass mein vertrauter Umgang mit Ihnen Dero hohen stand eben so gar sehr despektierlich sein kann, weil ein braver Soldat ebensowohl von Adam und Even herstammet als eine Staatsdame hiesiges Landes. Vielleicht ist auch der Herr G. von Ch. eben so ekel nicht, dass er nach Vernehmung dieser Liebesbegebenheit Dieselben nicht ebenso feurig, als Sie sich unfehlbar schon im geist vorstellen, embrassieren sollte, wo er ja die probe nicht bereits abgelegt. Dem sei aber, wie ihm sei, so will doch ich erstlich eine mit Pulver, Blei und Blut geschriebene Protestation wider das fernere Verfahren einlegen, um wegen meines, mir meuchelmörderischerweise abgezapften unschuldigen Bluts Revanche zu nehmen. Solches meldet Ihnen zur dienstlichen Nachricht
der beherzte
Merillo."
"Man muss bekennen", sagte ein darbeisitzender Offizier, "dass dergleichen Schreiben vermögend ist, entweder ein Frauenzimmer in bange Furcht oder wohl gar in die ärgste Desperation zu setzen." "Bei Livicarden", versetzte der erzählende Lieutenant, "mag sich unfehlbar beides ereignen, jedoch sie bedienet sich der Verstellung, denn da Merillo eines Tages auf dem grossen platz vor ihrem Palais herumspazieret und wegen seiner in Gurt gesteckten Pistolen mutmassen lässt, als ob er auf dem G. von Ch., der eben damals von Livicarden traktiert wurde, laurete, schickt sie eine ihrer Getreuen an ihn ab, lässt ihm eine ziemliche Summa Geldes bieten, wenn er sie ferner ungekränkt lassen und sich gar von dannen hinweg in andere Dienste begeben wolle; anbei lässt sie versprechen, sich noch selbigen Abends in einem Schreiben wegen des auf sie gelegten Verdachts, den Meuchelmord betreffend, zu entschuldigen und ihm bessere als vermeinte Satisfaktion zu geben. Dieser stellet sich anfänglich ziemlich spröde, weiln aber dennoch seine Absichten bloss allein auf das Geld gerichtet sind, verspricht er endlich, die Satisfaktionspunkte in seinem Quartiere zu