seiner noblen Ambition zuwider, deswegen musste er sich nolens volens nach der Decke strecken und manche lustige Compagnie meiden. Bei seiner Wirtin, die eine stürmische, geizige Wittbe und bereits etliche 40 Jahr alt war, hatte er sich seit etlichen Wochen vor empfangene Viktualien in ein paar Taler Schulden gesetzt, durfte sich also, wenn er nicht gemahnet sein wollte, nicht allzuwohl vor ihr sehen lassen, sondern kroch manchen Nachmittag auf den Heuboden, nahm ein Buch mit dahin und las so lange darinnen, bis ihn der Mittagsschlaf überfiel.
Ich habe vergessen zu melden, dass wir damals schon nach einem zurückgelegten Marsche von etliche 40 Meilen bei unserm Regiment angekommen waren. Jedoch die Geschicht fortzusetzen, wie mir dieselbe von dem Merillo umständlich erzählet worden: so schlummert er eines Tages auf gedachten Heuboden abermals ganz süsse; seine Frau Wirtin, die etwa ihr Heu besichtigen will, trifft ihn, und zwar in einer solchen Positur liegend an, die zwar ein junges Mägdgen, keinesweges aber eine Frau von solchen Jahren zur Liebe reizen sollen. Merillo ermuntert sich zwar und merkt, dass sie vor ihm stehet und ihn beschauet, jedoch aus Furcht, von ihr gemahnet und gescholten zu werden, bleibt er ganz stille liegen und fängt an zu schnarchen als ein Ratz. Die verliebte Alte bleibt eine gute Zeit ganz entzückt zu seinen Füssen stehen, endlich, da sie vermeinet, dass er in dem allerfestesten Schlafe läge, setzt sie sich ganz sanfte an seine Seite, suchet dasjenige, was ihr herz begehrt. Weil aber Merillo sich hierdurch nicht ermuntern lässt und ihr die Zeit zu lang werden will, legt sich das verliebte alte Rabenfell auf ihn, liebkoset und bittet ihn so lange, bis er ihr denjenigen Dienst leistet, den er, wenn er nur einige Taler im Vermögen gehabt, ihr vielleicht versagt hätte. Sie hat sich hierauf ungemein vergnügt und gütig gegen ihn erzeigt, ihm die Schuld erlassen und noch dazu etliche harte Taler in seine tasche gesteckt, anbei versprochen, ihn täglich aufs beste zu traktieren und jederzeit mit benötigten Gelde zu versorgen, daferne er sie in Zukunft ferner vergnügen wolle. Merillo entschliesset sich demnach, in einen sauern Apfel zu beissen, um delikate Bissgen zu haben und ein gutes Leben zu führen. Er führte sich weit sauberer in Kleidung und Wäsche auf als sonsten, ging öfters in Compagnie, spielete auch dann und wann ein Spiel mit, welches vorher sein Werk nicht gewesen war, doch bei allem dem war er sehr akkurat in Versehung seiner Dienste und suchte sich beständig in der Gunst der Höhern zu erhalten, welches ihm denn erstlich die Korporals- und wenig Monate hernach die Furiersstelle zuwege brachte. Damals gab er denen andern Unteroffiziers einen vortrefflichen Schmaus, der ihm mehr als 30 Taler kostete, hatte es auch eben nicht weit von sich geworfen, als ihm einige railliert, wie nämlich er gewiss Frauenzimmer-Stipendia genösse. Niemand aber hätte auf seine unscheinbare Wirtin gedacht und geglaubt, dass bei derselben die Liebe den Geiz überwunden hätte. Allein die Alte gab alles her, was er von ihr verlangte, beide aber trieben ihr geheimes Liebesspiel so lange, bis sie einsmals von der Tochter beschlichen und in voller Arbeit angetroffen worden. Da sich nun die Tochter unterstehet, der Mutter wegen ihres unzüchtigen Lebens einen Verweis zu geben, wird das gute ehrliche Mägdgen von der erzürnten Mutter dergestalt mit Schlägen traktiert, dass sie in etlichen Tagen nicht aus dem Bette kommen, mitin, ihrer Bedrohung nach, dem Beichtvater nicht anzeigen kann, was sie mit ihren Augen gesehen. Mutter und Tochter versöhnen sich zwar wieder, allein in wenig Tagen gehet der Streit und das Drohen der Tochter von neuen an, bald hernach aber wird das Mägdgen frühmorgens in ihrem Bette tot gefunden und unter dem Vorwande, dass sie an einem Schlagflusse gestorben, in aller Stille begraben.
Merillo schöpft hierüber arge Gedanken und mutmasset aus verschiedenen Umständen, dass die Mutter ihre Tochter vielleicht durch Gift von der Welt gebracht, um das Liebesspiel desto sicherer zu treiben. Demnach bekömmt er einen heftigen Ekel und Abscheu vor diesem alten Felle und sinnet auf gelegenheit, sich mit guter Manier aus den Fesseln derselben zu reissen. Hierzu ereignete sich nun dieses angenehme Mittel: Das alte Weib hatte von ihrem zusammengescharreten Gelde 1200 Stück alte Kremnitzer Dukaten in ihrem Speisegewölbe in die Erde gesetzt. Merillo kommt ihr von ungefähr hinter die Schliche und merkt das Fleckgen; einige Tage hernach aber nimmt er diesen Schatz heraus und vergräbt denselben an einen andern, ihm gelegenern und sichern Ort, lässt sich aber nichts merken, sondern stellet sich, als ob er immer ärmer und Geld bedürftiger würde, ja er macht sich gar unpässlich, um der Aufwartung bei seiner alten Sara überhoben zu sein. Diese wartet und pflegt ihn aufs beste, um seine Kräfte wiederherzustellen, eines Tages aber kommt sie ohnversehens als eine höllische Furie mit zerrauften Haaren und grässlichen Zetergeschrei in seine stube gelaufen und stellet sich nicht anders an als ein Mensch, das ganz von Sinnen kommen will. Merillo stellet sich ungemein erschrokken an und fragt, was ihr denn Leides widerfahren sei, worauf sie ihm mit allen Umständen klaget, dass ihr ihr grösstes Kapital, an 1200 Stück Dukaten, weggenommen worden, auch hinzufügt, er und kein anderer müsse es entführet haben, deswegen möchte er es nur bekennen, weil sie ohnedem gesonnen gewesen, dieses Geld mit ihm zu verzehren. Merillo versucht anfänglich, ihr diesen Wahn in Güte zu benehmen, ermahnet sie auch, vorher recht