macht auch sonsten alle behörige Anstalten, seine Frau mit dem von B. zu belauschen und zu sehen, wie sie miteinander umgehen. Einsmals gibt er vor, dass er mit der um Mitternacht abgehenden Post fort müsse, allein der Vogel schleicht sich wieder in sein Haus zurück und logiert sich neben seiner Frauen Zimmer, wo er durch ein gemachtes Loch, so er verdecken kann, alle Actiones seiner Frauen zu betrachten vermögend ist. Diese lässt den von B. mittags zu sich zu gast laden und traktiert ihn aufs propreste, da denn der delikateste Wein und die trefflichsten Confituren beide um soviel desto mehr instigieren, einander die zärtlichsten Karessen zu machen, bis endlich nach aufgehobener Tafel die Hauptursache ihrer Zusammenkunft vorgenommen werden soll. Beide machen es sich mit Ablegung der Oberkleider und sonsten recht kommode, indem sie aber im Begriffe sind, den Liebesstreit anzufangen, eröffnet der abgünstige Mann die Tür, postiert sechs oder acht Banditen davor, welche ihre entblössten Degen und Mordmesser in Händen halten, tritt hierauf hinein ins Zimmer und spricht zu dem von B.: 'Mein werter Herr! es stehet in meinem haus alles zu Euren Diensten, ausgenommen meine Frau, die ich, wenn es möglich wäre, gern vor mich allein behalten wollte; unterdessen, weil ich vernommen habe, dass Ihr einesteils unschuldig seid, indem sie Euch selbsten hat rufen lassen, so will ich mein Hausrecht vor dieses Mal an die Seite setzen und keine Hand an Euch legen, sondern Euch die Freiheit lassen, ob Ihr Euch durch diese bewaffnete Kerls zur Tür hinaus schlagen oder zu diesem grossen Fenster, welches ich hiermit eröffne, hinunter auf die Strasse springen wollet?' Dem von B. mögen allerdings wohl die Haare zu Berge stehen, denn sich durch so viel desperate, doppelt bewaffnete Banditen durchzuschlagen und lebendig davonzukommen, scheinet eine ohnmögliche Sache zu sein, und einen solchen Sprung aus dem zweiten, sehr hohen Stockwerke zu wagen, ohne den Hals auf dem Steinpflaster zu stürzen, will ihm auch nicht in den Kopf, jedoch da der vertrackte Kaufmann kurze Resolution fordert, erwählet er das letztere, zumalen da er etwas im Voltigieren getan, springt herunter auf das Steinpflaster, und zwar dergestalt glücklich, dass er keinen weitern Schaden nimmt, als das Gelenke des rechten Fusses ein wenig verdrehet; hierauf eilet er, soviel als möglich sein will, davon in eine Kirche, mischt sich unter das Volk, trifft einige von seinen guten Freunden und Landsleuten an, welche ihn an einen sichern Ort bringen. Allda lässt er sich verbinden, befiehlt seinen Leuten, in grösster Geschwindigkeit alle seine Sachen einzupacken und eine Extrapost zu bestellen, mit welcher er noch selbigen Abend in Begleitung einiger guten Freunde zu Pferde auf und darvon reiset, indem er befürchtet hat, der Kaufmann möchte etwa auf andere Gedanken geraten und ihm durch bestellte Banditen einmal plötzlich das Lebenslicht ausblasen lassen. Wie aber der Kaufmann mit seiner wollüstigen Frau umgegangen, solches hat er niemals in Erfahrung bringen können."
Es entstunde unter der ganzen Compagnie über diese wunderliche Begebenheit ein nicht geringes Gelächter und wurden verschiedene Urteile darüber gefället. Unter andern mancherlei Gesprächen kam auch aufs Tapet, dass sich durch verbotenes Courtoisieren sowohl im Militär- als Zivilstande viele geschickte Mannespersonen glücklich gemacht, auch zu grossen Mitteln und hohen Ehrenstellen geholfen hätten. Bei dieser gelegenheit bat ein gewisser Lieutenant, welcher in eines andern grossen Potentaten Diensten stunde und nur gute Freunde zu besuchen bei diesem Regimente auf der Vorbeireise eingesprochen war, um Erlaubnis, eine curieuse und wahrhafte Geschicht zu erzählen. Als er nun von der sämtlichen Compagnie ersucht wurde, ihnen diese gefälligkeit zu erweisen, finge er also zu reden an:
"Als ich vor acht Jahren als Fähndrich in Z. auf Werbung stunde, um sonderlich vor meines Capitains Compagnie etwa zehn bis zwölf Rekruten anzuwerben, bekam ich auf listige Art einen schönen und wohlgewachsenen Menschen von ungefähr 20 Jahren, welcher seine Studia auf der Schule daselbst absolvieret hatte und bei seinen Eltern nur auf etliche Taler Geld laurete, um damit auf Universitäten zu gehen, womit ihm aber dieselben, weil sie wenig im Vermögen hatten, nicht alsobald helfen konnten. Eben dieses war wohl die meiste Ursache, dass er zwei Dukaten Handgeld und das Versprechen von mir annahm, dass er den ersten Furiersplatz, so unter dem Regimente aufginge, haben sollte. Allein, wie es gemeiniglich zu gehen pflegt, dass dergleichen Versprechen nicht gar zu genau gehalten werden, so traf es auch bei dem ehrlichen Merillo zu, denn er musste über Jahr und Tag die Flinte tragen, führte sich aber dabei sehr wohl und gelassen auf, hielt sich in der Montur allezeit reinlich und überhaupt alle seine Sachen sehr ordentlich, frequentierte keine lüderlichen Compagnien, sondern blieb lieber zu haus, lase in den Büchern, so er geborgt kriegen konnte, bemühete sich anbei sonderlich, die französische Sprache fertig reden und schreiben zu lernen, wie er denn auch dieselbe binnen kurzer Zeit fast vollkommen innen hatte. Nach der Zeit, da er sich durch sein Schreiben einige Taler Geld erworben, mag ihm auch wohl auch ein Lüstgen ankommen, in Compagnie zu gehen, deswegen attachiert er sich stets an die Unteroffiziers und andere reputierliche Leute, welche ihn wegen seiner guten Aufführung und klugen Diskurse lieben und ehren. Nur ist das schlimmste, dass das Geld nicht immer zureichen will, denn die Löhnung langete nicht allzuweit, und nach einiger anderer Soldaten Art, auf Merode oder, besser zu sagen, stehlen zu gehen, war