und Getränke gereicht, den 19ten Tag aber hat man ihm bloss wasser und Brot gebracht, mit der Ankündigung, dass er sich nur immer zu seinem Ende gefasst machen könne, weil er täglich 50 Hiebe mit einer mit Draht durchflochtenen Geissel, woran viele Häkgen und kleine Sporn befestiget, bekommen sollte, bis er krepierte. Derjenige, so ihm dieses sein Urteil angekündiget, wartet auf keine Antwort, sondern macht sich eilig wieder zurück; allein etwa eine Stunde hernach kommen zwei starke Kerls, welche seinen Oberleib entblössen, ihm die hände zusammenbinden und also mit den Händen an einen Haken hängen, der oben mitten im Gewölbe eingemauert ist, so, dass der arme F. in der Luft schwebt. Hierauf gibt ihm ein jeglicher von den zweien Canaillen 25 Hiebe mit der schon erwähnten Geissel, da denn sein Oberleib dergestalt zugerichtet wird, dass ganze Stückgen Haut und Fleisch herausgerissen worden; hernachmals waschen sie ihn mit Essig und Branntewein, binden ihn wieder los und legen ihn auf sein Lager.
Wie dem guten F. müsse zumute gewesen sein, ist wohl ganz leicht zu erachten, ja ich glaube, der Allerherzhafteste sollte wohl bei dergleichen Todesart erzittern und auf die Gedanken geraten, sich sein Lebensziel selbst abzukürzen. Allein der Fähndrich F. resolviert sich, mit möglichster Standfestigkeit die zeitlichen Strafen zu ertragen, welche der Himmel über ihn verhängt hat. Demnach fügt es der Himmel auch, dass dennoch sein Leben erhalten wird. Denn gleich darauffolgende Nacht kommt der Kerkermeister mit einem Lichte zu ihm hinein und bringet ihm nebst verschiedenen Kleidungsstücken einen Mantel, erinnert ihn, dass er ohne Zeitverlust dieses alles anlegen und sich mit hülfe der Nacht in Sicherheit bringen solle, weilen er sonsten in wenig Tagen des Todes sein müsse. Sobald er sich nun völlig angekleidet und den Mantel um sich geschlagen, gibt ihm der Kerkermeister einen versiegelten Brief in die hände mit dem Vermelden, dass er denselben wohl verwahren möchte, weil er ihm in seinem jetzigen elenden Zustande wohl zustatten kommen würde. Dieser hält sich also nicht lange an diesem unglückseligen Orte auf, sondern eilet so geschwinde, als es seine Schwachheit zulassen will, nach seinem Quartiere, welches aber verschlossen und von keinem Menschen bewohnet war.
Demnach nimmt er in diesen seinen Ängsten seine Zuflucht zu mir, zumalen da er in meinen Fenstern noch Licht erblickt und von der Schildwache vernimmt, dass niemand Frembdes bei mir sei. Ich erschrak, den ganz vor verloren geschätzten Fähndrich F., und zwar in so jämmerlicher Gestalt, vor mir zu sehen, und hörete nur erstlich die Hauptstücke seiner Aventure, die er mir unter Vergiessung häufiger Tränen erzählete, mit Erstaunen an. Es erweckte aber sein elender Zustand bei mir ein ganz besonderes Mitleiden, deswegen sprach ihm soviel als möglich Trost zu, hielt ihn ganz heimlich in meinem Quartiere auf und liess ihn aufs beste verpflegen. Ein Feldscher, auf dessen Treue und Verschwiegenheit ich mich verlassen konnte, musste den elenden Menschen vollends kurieren, sodann verschaffte ich ihm sein im Quartiere zurückgelassenes Geld und Equipage nebst einem ehrlichen Abschiede vom Regimente. Damit ich aber auch nicht vergesse, was das Papier zu bedeuten gehabt, welches ihm der Kerkermeister bei seiner Loslassung so sehr rekommendiert hatte; so war dieses ein Kondolenzschreiben von der Mad. C., in welchem sie recht herzbrechende Worte gebrauchte und versprach, seinen und ihren ausgestandenen Schmerz, Verlust, Spott und Hohn mit dem Blute und tod ihrer Feinde zu rächen, inmittelst könne er vor beigelegten Wechselbrief bei dem Kaufmanne N.N. 1000 spec. Taler heben und sich in möglichster Stille nach R. begeben, wo sie ihn ehe Jahr und Tag verginge, anzutreffen verhoffete, da sie denn ihre Treue und Erkenntlichkeit in Erwägung seines ihrentalber erlittenen schmerzlichen Verlusts ihm reichlicher zeigen wolle. Ich verschaffte also dem armen Fähndrich F. auch diese 1000 spec. Taler, worvon er mir eine ansehnliche Verehrung offerierte, allein ich nahm nichts an, sondern erwiese ihm vielmehr noch die gefälligkeit und liess ihn in einem verdeckten Wagen unter hinlänglicher Eskorte über die Grenze dieses ihm unglückseligen Landes bringen.
Etliche Wochen hernach empfing ich Briefe von ihm, worin er aber, wie er schrieb, mit allem Fleiss den Ort seines Aufentalts nicht melden wollte, indem dieses sein einziger Wunsch wäre, dass er von allen Menschen, die ihn vorher gesehen oder die er gekennet, nicht möchte erkannt oder gesehen werden. Anbei schickte er mir dennoch zur Erkenntlichkeit 200 spec. Dukaten, welche ich, weil ich nicht wusste, wohin ich sie respedieren sollte, wider meinen Willen behalten musste."
Die ganze Compagnie bezeigte nach geendigter Erzählung ein wundervolles Erstaunen und bekräftigte, dass dieser barbarische Hahnrei eine Rache nach italiänischer Art ausgeübt, ungeachtet er kein Italiäner gewesen, beklagten anbei den redlichen Fähndrich F., dass er sich nicht besser prospiziert und endlich wegen allzugrosser Sicherheit dergestalt unglücklich worden.
"Es fällt mir", sagte ein gewisser kapitän, der mit in Compagnie sass, "bei abermaliger Erwähnung der Italiäner eine zum teil etwas lächerliche Historie ein, die dem von B., welchen viele von uns kennen werden, vor ungefähr andertalb Jahren in Italien passieret ist. Dieser lässt sich durch die charmanten Blicke, Präsente und Liebesbriefe einer ungemeinen schönen Kaufmannsfrau anlocken, ihr dann und wann, sooft ihr höchst eifersichtiger Mann nicht zu haus ist, eine Visite zu geben und ihr einen beliebigen Zeitvertreib zu machen. Hiervon aber mag der Mann Wind bekommen, ziehet deswegen einige von seinem Gesinde mit Geschenken an sich,