: 'Bekenne, du Massette! wie lange du mit dieser vermaledeieten Canaille dieses Spiel getrieben hast, und leugne mir nicht, sonsten will ich deinen schändlichen Körper, ehe ich ihn des Lebens beraube, auf eine solche grausame Art zermartern lassen, dergleichen noch von keinem Barbar erfunden worden.' Unter diesen Worten stach er ihm mit dem Dolche in jedes dicke Bein ein Loch.
Der Fähndrich F., welcher nichts Gewissers als den allerschmerzhaftesten Tod sich in seinen Gedanken vorstellen konnte, merkte nunmehr wohl, dass weder Schmeicheln, Leugnen, Verstellen, Bitten noch Flehen mehr helfen würde, ergriff die Resolution, die klare Wahrheit zu bekennen, fing deswegen also zu reden an: 'Mein Herr! wenn ich aus eigenen Mutwillen oder unzüchtigen Liebesbegierden mich unterstanden hätte, Eurer Gemahlin genaue Umarmung zu suchen und Euer Ehebette zu beflecken, so würde mir doch von der ganzen Christenheit keine andere Marter als der Tod durch das Schwert zuerkannt werden; da ich aber bei Nachtszeit von sechs bewehrten Leuten mit Gewalt aus meinem Bette, worin ich im besten Schlafe lag, geholet, entsetzlich gemartert und gepeiniget, auch mit der grausamsten Todesart bedrohet worden, so habe mich, um mein Leben zu fristen, verleiten lassen, Eurer Gemahlin ihren Willen, sooft sie es verlangen und mir nur immer möglich sein würde, zu erfüllen. Demnach bedenket selbst, mein Herr, wie Ihr Euch bei dergleichen Umständen, wenn Ihr an meiner Stelle gewesen wäret, hättet aufführen wollen. nunmehr wird es', so fähret der arme F. auf ferneres Befragen mit seiner Antwort fort, 'wenig Wochen über ein Jahr sein, dass man mir also mitgespielet hat, und seit der Zeit habe ich zu verschiedenen Malen, wenn Ihr nicht einheimisch gewesen, Eure Stelle vertreten müssen, aus Furcht, nicht etwa wegen Brechung meines Eides heimlicher- und meuchelmördischerweise um mein Leben gebracht zu werden. Erwäget demnach, dass man mich auf eine grausame Art gezwungen, dergleichen Torheit zu begehen, und verschonet meiner mit der gedroheten Marter. Kann aber mein Verbrechen bei Euch durch nichts anders als durch meinen Tod ausgesöhnet werden, nun! so lasset mich nur eine einzige Stunde beten, hernach schicket meine Seele in die andere Welt, jedoch nicht auf eine barbarische Art, denn ob Ihr gleich von mir empfindlich beleidigt worden, so bedenkt doch, dass Ihr kein Barbar, sondern ein getaufter Christe seid.'
Der ergrimmte Ehemann hatte sich unter Anhörung dieser Relation entsetzlich ungebärdig gestellet, mit den Füssen auf die Erde gestampft, mit den Zähnen geknirschet und die Augen grimmigerweise im kopf verdrehet, nachher aber gefragt, ob er, F., Vater zu dem kind sei, welches die von C. letztin geboren hätte, worauf dieser geantwortet, das könne er nicht sagen, sondern die Dame müsse es am besten wissen. Demnach wird die Dame von ihrem furieusen mann dieserwegen befragt, welche sich ganz rasend anstellet und ihm zur Antwort gibt: 'Nein! nicht dieser mein Liebster, sondern du alter verfluchter Drache bist selbst Vater zu diesem hässlichen Balge, welches nebst der mir verhassten Gestalt schon alle deine ekelhaften Mienen und Gebärden an sich hat. Rechne die Zeit nach von deiner Wiederkunft aus dem N. Bade, ob es nicht eintrifft. Inmittelst bedaure ich nichts mehr, als dass ich diesen schändlichen Wurm nicht im ersten Bade ersäuft habe; bringe ihn her, ich will ihn sogleich vor deinen Augen erwürgen, damit du nur kein Andenken von mir haben mögest. Töte mich immerhin, du verfluchter Tyranne, denn ich verlange ohnedem nicht mehr deine Gemahlin zu heissen, lass nur den unschuldigen F. leben, denn es ist wahr, und ich bekenne es selbst, dass ich ihn aus allzu heftiger Liebe zu meinem Willen gezwungen habe.' 'Halt! du ungetreue Bestia!' spricht der erzürnete Mann, 'ich will dich und deinen Galan schon zu belohnen wissen.' Hiermit gibt er seinen Gewaffneten ein Zeichen, dass sie den ohnedem schon gebundenen F. festalten müssen, einer von seinen Bedienten aber, der vielleicht ein Wundarzt gewesen, schneidet demselben in grösster Geschwindigkeit die Zeugen seiner Mannheit heraus und überliefert dieselben seinem Herrn. Dieser präsentiert solche seiner Gemahlin auf einem silbernen Teller mit einem zornigen Lächeln und spricht: 'Hier Madame! labet Euch nunmehr recht wohl mit den delikatesten Stücken Eures Amanten.' Die Dame gerät hierüber fast in eine vollkommene Raserei, reisset das Band, womit ihr die hände gebunden sind, entzwei, ergreift den Teller und nimmt beide Stücke zu sich, den blutigen Teller aber wirft sie ihrem Gemahl an den Kopf mit diesen Worten: 'Siehe da, du tyrannischer Mordhund! das musst du vor meinem Ende doch noch leiden' etc.
Es ist leicht zu erachten, dass der ohnehin ergrimmte Mann hierdurch vollends in eine rasende Wut versetzt worden, er tritt sie demnach mit dem fuss dergestalt auf den Leib, dass sie in eine starke Ohnmacht verfällt, ja er würde sie unfehlbar mit dem Dolche durchbohret und ermordet haben, wenn nicht einer von seinen Bedienten, auf den er sehr viel gehalten, ihm in die arme gefallen und den Stoss aufgehalten hätte. Hierauf begreift er sich in etwas, gehet in ein anderes Zimmer und befiehlt, den Fähndrich F. bis auf seine fernere Verordnung in ein wohlverwahrtes Gefängnis zu legen.
Dessen Wunden sind von einem unbekannten Menschen behörig verbunden und er binnen 18 Tagen fast völlig kuriert worden, auch hat man ihm mittlerweile ganz wohl zugerichtete gesunde speisen