ihr Leute! so muss man die Edelleute striegeln, die eine ehrliche Frau zur Hure und einen tapfern Reuter zum Hahnrei machen wollen.'
So wurde mir", sagte hier der Obriste von K., "die ganze Species facti von dem Reuter und seiner Frau erzählet, wobei sie bekannten, dass sie 50 Stück spec. Dukaten, etliche Taler Silbergeld, eine englische goldene Uhr, eine silberne Tabatière, einen goldenen, mit Diamanten besetzten Petschaftring und andere Kleinigkeiten mehr bei ihm und in seinen Kleidern gefunden. Ich liess auf Befehl des Herrn gegen. Lieutn. von N. diesen Reuter nebst seiner Frau und den darbeigewesenen Kameraden alsofort arretieren und die erbeuteten Sachen in mein Quartier bringen. Es entstunde hierüber ein starker Streit, denn der Generalauditeur wollte behaupten, man könnte den ohnedem genungsam kastigierten und prostituierten Venusritter nicht mit gedoppelten Ruten peitschen, unterstunde sich auch, aus den Rechten darzutun, dass, weiln der Reuter die Selbstrache ausgeübt, er die eroberten Sachen wieder herausgeben und selbige dem Eigener zustellen müsse, wann er aber die Selbstrache unterlassen und den Edelmann ohne Kastigation und Prostitution fortgeschickt, hätte er unter der Hand alle diese Sachen wohl behalten können.
Allein ich nahm mich meines Reuters an und schützte vor, es wäre keine geringe Verwegenheit, einen rechtschaffenen Soldaten suchen zum Hahnrei zu machen, es könne auch dergleichen Frevel nicht gnugsam bestraft werden. Wenn mir dergleichen Streich passierte, würde ich mich schwerlich entalten können, einem solchen ungebetenen gast eine Kugel oder den Degen durch den Leib zu jagen. Was nun Ehestandsaffären anbeträfe, darinnen hätte ein gemeiner Reuter soviel Recht als ein Ober- oder Stabsoffizier etc., deswegen wollte ich meinen Reuter bei seiner gemachten Beute so lange schützen, bis sein Kontrapart die Sache höheres Orts suchte und ausmachte. Allein dieser machte sich bald hernach unsichtbar, mein Reuter aber wurde wenig Tage darauf seines Arrests entlassen und behielt, was er hatte."
"Meines Erachtens", sagte hierauf ein gewisser Major, "wäre es unbillig gewesen, wenn man des Reuters Verfahren nicht in allen Stücken approbiert und ihm die erbeuteten Sachen nicht vor seinen gehabten Chagrin zur Rekreation überlassen hätte, in Betrachtung, dass selbige Nation, wo dieser mir schon bekannte Streich passiert ist, mit unsern Landsleuten weit barbarischer umzugehen pflegt. Wie ich denn ein grässliches Exempel weiss, das eben im selbigen Jahre sich zugetragen."
Die ganze Compagnie bat den Herrn Major, selbiges zu erzählen, und selbiger erzeigte sich seiner complaisanten Art nach hierzu gefällig, fing deswegen also zu reden an: "In N. befand sich eine gewisse vornehme Dame, welche man dem Liebesappetite nach mit Recht unter die unersättlichen rechnen konnte. Diese warf ihre Augen auf einen Fähndrich von meiner Compagnie, den ich nur mit dem Buchstaben F. bezeichnen oder benennen will. Er sah nicht hässlich von gesicht und hatte eine vortreffliche grosse und lange Nase, woraus sie als eine wollüstige Dame vielleicht sonst einen guten Schluss gemacht. Vor seine person war dieser F. sonsten ein sehr stiller, mehr melancholischer als lustiger Mensch, verrichtete seine Dienste akkurat, liebte weder Spiel noch Trunk und dem Ansehen nach das Frauenzimmer am allerwenigsten.
Corvenia, so will ich die Dame nennen, hatte diesen Fähndrich kaum in die Augen gefasset, als sie ihn durch ein altes Weib und eigenhändige vertrauliche Briefe die auf ihn geworfene Liebe anzeigt und inständig bittet, sich mit ihr in nähere Vertraulichkeit einzulassen; allein dieser Eigensinnige trägt Bedenken, sich in einen solchen gefährlichen Handel einzulassen, gibt sich deswegen nicht einmal die Mühe, diese Dame kennenzulernen, viel weniger, auf ihre Schreiben zu antworten, ungeachtet sie ihm eine namhafte Geldsumma versprochen, wann er ihr zu demjenigen verhelfen könnte, worzu ihr Mann sich seit länger als acht Jahren her incapable befunden hatte.
Hierauf begab sich's, dass, da er bloss mit seinem Knechte ein kleines Haus bewohnete, ihm in einer Nacht fast alles, sein Geld, Kleider und die meisten Meubles gestohlen wurden, so dass er so lange im Bette bleiben muss, bis ihm andere Offiziers notdürftige Kleidung nebst etwas Gelde vorschiessen; über alles dieses aber haben die schelmischen Diebe seine im Stalle stehende drei Reitpferde mit Dolchen erstochen. Demnach sah sich F. in einem sehr miserablen und bedürftigen Zustande, jedoch, da gleich des andern Tages Corvenia, deren Haus von hinten zu an das seinige stiess, ihm wegen seines Verlusts ein Kondolenzschreiben zuschickte, anbei ersuchte, ihr nur eine einzige Visite zu geben, wofür sie ihm seinen erlittenen Schaden gedoppelt ersetzen wollte, konnte dieser eigensinnige Kopf dennoch nicht resolvieren, dergleichen Vokation Gehorsam zu leisten, sondern gab dem abgeschickten weib zu Antwort: 'Ei was!' Er als ein Kavalier könnte doch wohl in kurzen wieder zu Equipage und Gelde kommen und hätte eben nicht nötig, solches mit verbotener Courtoisie zu erwerben. Allein was geschicht? etwa fünf oder sechs Tage hernach wird mein guter Fähndrich des Nachts, als er im besten Schlafe liegt, von sechs baumstarken Kerls gebunden und im blossen Hembde mit verbundenen Augen und verstopften mund in einen finstern Keller getragen, auf eine Schötte Stroh gelegt, und nachdem sie ihm die Augen aufgebunden, lassen sie ihn in dem finstern Keller verschlossen alleine liegen.
Anfänglich weiss er nicht, ob dieses alles ein Traum
ist oder ob es ihm in der Tat und Wahrheit also widerfähret, doch als ihm wegen des festen Bindens arme und Beine geschwollen und er kaum durch die Nase ein wenig Luft holen kann, auch in dem kalten