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einer andern grossen kammer, welche über vier Ellen hoch mit Häckerling angefüllet ist; aus seiner kammer aber gehet eine Falltüre herunter in die unterste kammer, von welcher der lose Vogel die Türbänder abreisset und die tür also befestiget, dass sie beim Aufmachen in die unterste kammer zurück fällt, jedoch an der Decke behangen bleibt; über diese tür setzt er sein Bette ohne Boden, säget auch dessen Füsse ab, dass es fein niedrig stehet, und füllet es wohl mit kleingehackten Heu aus, hinter dem Bette macht er noch eine Bucht, worin eine person sehr genau liegen kann, dass es also scheinet, als ob es ein einziges breites Bette wäre. Hierauf unterrichtete er seine Frau, wie sie sich in allen Stücken zu verhalten habe, bestellet einen seiner Kameraden, welcher ihn anstatt des Korporals pro forma, und zwar in Gegenwart der Wirtin, auf ein drei Meilen von der Stadt gelegenes Dorf kommandieren muss, um daselbst etliche Tage als Salva guarde stehen zu bleiben.

Beide im Quartier liegende lose Vögel donnern, blitzen und hageln, dass sie niemals rechte Ruh haben könnten, setzen sich aber zu Pferde und reiten fort, jedoch nicht weiter bis in eine andere Vorstadt, da sie ihre Pferde bei guten Kameraden einstellen, sich mit ihnen lustig machen und mit Verlangen auf die hereinbrechende Nacht warten.

Mittlerweile, da beide Reuter kaum vom haus hinweg sind, läuft die alte Kupplerin augenblicklich fort, dem Herrn von W. eine fröhliche Zeitung zu bringen und sich ein gut Trinkgeld zu verdienen. Dieser kommt selbigen Nachmittag nicht zu Madinen, da es aber Abend worden, stellet er sich ein und verlangt, folgende Nacht ihr Beischläfer zu sein. Diese will sich anfänglich hierzu nicht verstehen, doch da der von W. sagt: 'Wie aber, wenn ich Sie, mein schönes Weibgen, einmal heimlich beschleichen könnte?', gibt sie ihm nebst einer verliebten Miene einen sanften Backenstreich und bittet, er möchte sie doch verschonen, indem ihr Mann gar zu schlimm wäre, und wenn er das Geringste hiervon erführe, würde er sie und ihn unfehlbar erschiessen. Hierauf gehet sie von ihm zur Tür hinaus, um zu sehen, ob sich ihr Mann abgeredtermassen schon heimlich hereingeschlichen hätte. Wie nun dieser nebst dreien seiner Kameraden sich schon an denjenigen Ort versteckt hatte, wo er auf gegebenes Zeichen von seiner Frauen den Riegel an der Falltüre aufziehen konnte, so begab sich Madine, als sie dessen vergewissert war, wieder hinein in die stube, begegnete dem von W. sehr freundlich, weiln aber sonsten noch verschiedene Weingäste anwesend, gab sie vor, dass sie unter diesem Schwarme nicht bleiben könne, sondern sich zu Bette verfügen wolle, nahm deswegen sowohl bei dem von W. als bei der Wirtin gute Nacht und legte sich, jedoch in Kleidern, ordentlich zu Bette, und zwar in die vorbesagte, hinter dem Bette gemachte Bucht. etwa zwei Stunden hernach, da alle andern Gäste hinweggegangen und der von W. vermeinet, Madine solle nunmehr wohl im besten Schlafe sein, lässt er sich von der Wirtin hinaufleuchten, öffnet die Tür mit einem Nachschlüssel, den ihm die Wirtin prokurieret hatte, kleidet sich aus bis aufs Hembde und legt sich mit zitterender Freude zu Madinen ins Bette. Diese stellte sich, als ob sie jählings erwachte, schrie also: 'Holla! Wer ist da?' 'Stille, mein Engel', gab der von W. sachte zur Antwort, 'ich gebe Euch vor diese erste Visite zehn Dukaten.' Indem er sich ihr nun nähern wollte, stiess sie mit dem fuss eine zurechtgelegte etliche Pfund schwere eiserne Kugel auf den Boden herunter, welche mit ihrem Gepoltere die Losung gab. Im selbigen Augenblicke wurde der Riegel an der Falltüre aufgezogen, da denn der Herr von W. in den Häkkerling herunterstürzte und bis an die Schultern darinnen versank. Madine stellte sich erschrocken, rief ihm zu, er solle nur die arme in die Höhe recken, sie wolle ihm ein Seil hinunterlassen und alle Kräfte dran strecken, ihn heraufzuziehen, damit er nicht etwa erstickte, denn er selbst habe es versehen und den Riegel aufgestossen. Unter der Zeit aber kam ihr Mann mit seinen Kameraden zur kammer hineingeschlichen, warf dem guten Hrn. Schwager ein Seil hinunter, sobald aber die losen Vögel des armen Sünders hände im Hinaufziehen erreichen können, schlingen sie einen Strick darum, machen denselben oben feste und lassen den unglückseligen Venusritter so lange in der Luft schweben, bis der helle Tag anbricht; doch dieses war noch nicht genug, sondern diese vier Saufbrüder zechten die ganze Nacht hindurch und liess immer einer nach dem andern sein wasser auf des Hrn. von W. Kopf laufen. Dieser bat um aller heil. Märterer willen, man möchte ihn los und in der Stille nach haus gehen lassen, so wolle er 200 sp. Dukaten zahlen. Die Frau und die andern Reuter baten selbst vor ihn, allein der erzürnte Ehemann liess sich durchaus nicht erbitten, sondern sobald es helle geworden, ging er hinunter in die Häckerlingskammer, legte ein Brett über eine Leiter, risse dem in der Luft verarrestierten Herrn von W. das Hembde vom leib und peitschete mehr als 50 Spitzruten an ihm entzwei. Da nun über des von W. Zetergeschrei viele Leute vor das annoch verschlossene Haus gelaufen kommen, höret er endlich auf, den armen Herrn Schwager zu peinigen, stösset ihn nackend und bloss zum haus hinaus und ruft hinterdrein: 'Lauft zu,