In diese verliebte ein gewisser Edelmann dasiges Orts namens W., welcher jedoch schon Frau und Kinder hatte; und unter dem Vorwande, dass er ihr eine scharlachene Chabraque zu stücken geben wollte, lockte er sie einsmals, da seine Frau abwesend war, in sein Haus, wo er mit Darlegung einiger Stück Dukaten sie zu seinen Willen zu bereden sucht. Da aber weder mit guten Worten noch mit Geschenken etwas von ihr zu erhalten, will er Gewalt brauchen. Die Frau aber ist resolut, lauft an ein Fenster des Zimmers, welches auf die Gasse hinaus gehet, drohet um hülfe zu schreien, ergreift auch ein Messer, ihre Ehre damit zu defendieren. deswegen wird der wollüstige Buhler verzagt, spricht sie zu Frieden, reicht ihr sechs Stück Dukaten und bittet um aller Heiligen willen, dass sie nur niemanden etwas von dieser Rencontre sagen sollte. Madine, so will ich die Frau nennen, verspricht zwar dieses Mal zu schweigen, verlangt aber weder das Gold noch die Chabraque, so er ihr zu stücken mitgeben will, anzunehmen, sondern gehet in grösster Rage von ihm.
Sobald sie nach haus kommt, erzählet sie ihrem mann den ganzen Handel, der zwar ihre Treue lobet, ihre Einfalt aber wegen Verschmähung der Dukaten und des guten Stücks Arbeit sonderlich tadelt. Madine lag mit ihrem mann in der Vorstadt, und zwar in einem Weinhause im Quartiere, deswegen kommt der Herr von W. wenige Tage darauf hinein und lasset sich eine Kanne Wein geben. Weiln auch Madinens Mann eben nicht zu haus ist, nimmt er gelegenheit, mit ihr zu sprechen, und bittet inständig, ihm doch die gefälligkeit zu erweisen und die Chabraque zu verfertigen, weil er wüsste, dass niemand die Arbeit besser machen könnte als sie, erbietet sich auch, darvor zu bezahlen, was sie nur verlangen wollte. Madine erlaubt ihm endlich, ihr die Chabraque durch seinen Diener zuzuschicken, worauf er ihr sechs Dukaten zu Gold- und Silberfaden gibt und darbei verspricht, ihre Arbeit à parte zu bezahlen; ferner bittet er sich aus, dass er öfters zu ihr kommen und ihrer schönen Arbeit zusehen dürfte. Da ihm nun Madine dieses mit verstellten liebreichen Gebärden erlaubt, wird er etwas dreuster und fängt an, ihr seine heftige Liebesleidenschaft aufs neue zu offenbaren. Da sie nun auch dieses ganz gelassen anhöret und sich ein wenig freundlicher gegen ihn anstellet, fragt er, warum sie denn neulichst so eigensinnig gegen ihn gewesen und sich seiner sogar mit dem Messer erwehren wollen. Hierauf gibt sie zur Antwort, sie würde sich ja nimmermehr so dreuste machen und in einem frembden haus dergleichen Dinge vornehmen, da so leicht seine Frau als jemand anders darzukommen können. Allein er versichert, dass sie sich dieserwegen nichts zu befürchten habe, und bittet um eine nochmalige Visite, weil aber Madine sich hierzu nicht verstehen will, bittet er, sie möchte doch selbst einen Ort vorschlagen, der sich zu einem verliebten Rendezvous schickte. Madine aber bleibt bei der Antwort, es wäre besser, man liesse solche gefährliche Händel gar unterwegens. Mit solchem Bescheide muss er vor dasmal zufrieden sein, jedoch weil ihre verstellten verliebten Gebärden und Karessen ihn betrügen, gehet er das erstemal mit der grössten Hoffnung, sie durch gute Worte und Geschenke mit der Zeit noch zu gewinnen, ganz vergnügt von ihr.
Folgende Tage, da sie die Chabraque in der Arbeit hat, ist er fast täglich auf etliche Stunden bei ihr eingesprochen, und weiln ihr Mann dann und wann zu haus gewesen, macht er vermittelst einiger Kannen Wein und anderer Delikatessen mit demselben die vertrauteste Freundschaft. Dieser Reuter, welcher ein durchtriebener Vogel war, lasset sich dieserwegen die vorgesetzte Rache wegen des versuchten Hörner-Aufsetzens gar nicht vergehen, wird hergegen desto erbitterter gegen seinen Herrn Schwager Ungewiss, zumalen da ihm seine Frau des von W. verliebte gespräche täglich wiedererzählt und die kostbarn Geschenke zeiget, welche sie gemeiniglich recht mit Zwange angenommen oder sich zum wenigsten so zu stellen gewusst.
Solchergestalt wird der von W. von einem Tage zum andern von ihr bei der Nase herumgeführet, einmal macht sie ihm verblümterweise Hoffnung zu der verlangten letzten Gunst, ein andermal aber stellet sie sich wieder gewissenhaft und rappelköpfisch, dass der von W. teils vor Liebe, teils vor Verdruss hätte bersten mögen. Die rote Chabraque wird fertig, worauf er ihr nebst raisonnabler Bezahlung noch verschiedene andere Sachen zu stücken gibt, jedennoch will sich das eigensinnige Weib noch nicht nach seinem Willen bequemen. deswegen, als er bedenkt, dass diese Sirene bereits über 100 spec. Dukaten von ihm gezogen und vielleicht nur aus blosser Blödigkeit und Scham sich seinem Begehren widersetze, greift er das Werk anders an, gibt Madinen ihrer Wirtin ein Stück Geld, womit er sie zur Verschwiegenheit bringet und von ihr verlanget, dass, da sie im Kuppeln sehr berühmt, ihn bei nächtlicher Weile in Madinens kammer zu verhelfen, sobald ihr Mann nebst seinem Kameraden, dem andern Reuter, auf die Wacht oder sonst auskommandiert wäre. Madine behorcht beide, lässt sich aber gegen ihre Wirtin ganz im geringsten nichts merken, vertrauet es hergegen ihrem mann, welcher ihr befiehlt, dem von W. nur aufs allerfreundlichste zu begegnen, damit er den Possen nicht merke, inzwischen wollte er schon einen Streich ersinnen, wie er diesen Vogel ganzbeinigt fangen könne.
Indem es nun diesem Schalke an lustigen Einfällen nicht ermangelte, als erfindet und bewerkstelligt er folgenden Fang: Die kammer, worin er und seine Frau liegen, ist gerade über