der Freuden an? Wenn kommt es denn nach vielen Trauerfällen Ganz sorgenfrei auf die Vergnügungsbahn? Das Glücke hat mit mir den Ball gespielet, So dass mein Herz noch dessen Schläge fühlet.
2
Ich walle rum in der verhassten Ferne, Unglück hat mich zum Pilgerim gemacht. Ich sehe nicht die Sonne, Mond und Sterne, Drum seufzt mein Mund, der sonsten nur gelacht. Mein Zeitvertreib ist bloss ein stilles Klagen, Mein Körper ist ein Träger aller Plagen.
3
Ich schreibe zwar auf meinen magern Wangen Und ist schon oft ein schöner Tag vergangen, So endet sich doch nicht mein Unglückslauf. Tag, Zeit und Jahr muss zwar sein Ende finden, Mein Trauren will jedennoch nicht verschwinden.
4
Jedoch ich will nichts mehr von Trauren sagen, Mein Wort erstirbt. Ach stürb ich selber mit! So dürft ich hier nicht ferner ängstlich klagen, Ich täte gern ins Grab den letzten Schritt, So stillte sich mein jammervolles Girren, Ich dürfte nicht in finstern Wäldern irren. Es ist wahr, Elbenstein befand sich um selbige Zeit sehr niedergeschlagen und missvergnügt, indem sein Naturell nicht sonderlich zum Soldatenleben inklinierte, allein er wurde bald anderes und lustigern Sinnes, denn eines Tages, da ein gewisser Obrister namens S. in seinem Zelte etliche staates- und Oberoffiziers traktierte, Elbenstein aber eben von ferne vorbeiging, kam der Obriste S. selbst aus seinem Zelte heraus auf ihn zugegangen und sagte: "Monsieur! ich habe mir alleweile sagen lassen, dass ich in Ihrer person den Herrn von Elbenstein sähe, welcher sich eine gute Zeit in Italien und andern fürstlichen Höfen aufgehalten. Wollen Sie mir deswegen die gefälligkeit Compagnie, so ich bei mir habe, verstärken, so wird es mir zum besonderen Plaisir gereichen." Elbenstein, welchen diesen Obristen schon kennenlernen, jedoch noch niemals mit ihm gesprochen hatte, machte anfänglich verschiedene Exquisen, wessentwegen er sich nicht im stand befände, vor dieses Mal bei einer solchen vornehmen Compagnie zu erscheinen, allein der Obriste S., welches ein redlicher Deutscher war, liess mit Nötigen nicht nach, nahm ihn auch selbst bei der Hand und führte ihn in sein Zelt. Es befanden sich noch zwei Obristen, ein Obristlieutnant, zwei Majors drei Capitains und noch andere Offiziers darinnen, von welchen allen, sowohl hohen als geringern, er aufs allerhöflichste bewillkommet wurde. Die Weingläser gingen stark herum, und hierbei war sonsten nichts aufgesetzt als eine Schale voll Biskuit. Elbenstein zeigte sich dergestalt, dass ein jeder darvor halten konnte, wie er als ein Kavalier zu leben wüsste, weswegen alle Anwesende einen besonderen Estim vor ihn darlegten. Nach verschiedenen Gesprächen sagte endlich der Obriste S.: "Monsieur, unser Zeitvertreib bei müssigen Stunden allhier ist dieser, dass, wenn wir beisammen sind, einander curieuse geschichte erzählen. Wie ich nun nicht zweifele, Sie werden in Italien viele dergleichen aufgemerkt haben, als will ich nicht allein vor mich, sondern im Namen der sämtlichen Compagnie freundlich gebeten haben, uns mit ein oder anderer Historie zu divertieren, sonderlich von dem verliebten Frauenzimmer und von der unbändigen Jalousie der Männer, sonderlich was sich zu Ihrer Zeit in diesen Stücken zugetragen."
Elbenstein, der sich auf einmal ganz aufgeweckt befand, tat gar nicht blöde, sondern versprach, dem Herrn Obristen Gehorsam zu leisten, fing demnach an, nicht allein seine eigene begebenheiten (wiewohl unter verdeckten Namen), sondern auch andere geschichte, die zu seiner Zeit in Italien passieret waren, zu erzählen, welche die sämtliche Compagnie mit besonderen Vergnügen bis nach Mitternacht anhörete, ja sie wären unfehlbar vor Tages nicht auseinander gegangen, wenn nicht die meisten mit früher Tageszeit hätten auf dem platz sein müssen.
Mittlerweile hatte sich Elbenstein hierdurch bei allen insgesamt ungemein rekommendiert. Der Obriste K., welches ein ungemein artiger Mann war, nahm ihn bei der Hand und sagte: "Mein Herr von Elbenstein, Sie haben mir durch Ihre Erzählung heute viel Vergnügen verursacht, auf morgen nachmittags ungefähr drei Uhr will ich Sie benebst dieser ganzen löbl. Compagnie in mein Zelt auf ein Glas Wein gebeten haben, da will ich Ihnen gewiss auch eine artige Geschicht erzählen, die mir in neulichen zeiten nicht beigefallen ist." Wie nun die andern sich um bestimmte Zeit einzustellen versprochen hatten, so versprach auch Elbenstein dem Herrn Obristen seinen gehorsamen Reverenz zu machen; mitin nahmen alle voneinander Abschied. Elbenstein begab sich nach seinem Zelte und schlief um ein gut teil ruhiger als bishero. Des andern Tages, und zwar nachmittags um drei Uhr, kleidete er sich proprer an als gestrigen und spazierte gegen vier Uhr auf des Obristen von K. Zelt zu. Dieser kam ihm sogleich mit der grössten Complaisance entgegen, führte ihn hinein, da denn, obgleich nicht alle Personen, so gestern zugegen gewesen, doch fast alle Stühle um die Tafel herum besetzt waren.
Nachdem die Gesundheiten herum getrunken, wurde der Obriste K. erinnert, sein gestriges Versprechen zu halten und die artige Geschicht zu erzählen. Er war sogleich bereit dazu und fing also an:
"Vor wenig Jahren hatte ich einen gemeinen Reuter unter meinem Regimente, dessen Frau sehr wohlgebildet war, so, dass sie meritiert hätte, einen Mann von höhern stand zu haben, denn nicht allein ihre Schönheit, sondern auch ihr Verstand und Geschicklichkeit distinguierten sie vor allen andern, und wenn es wahr ist, dass sie ihrem mann allein Farbe gehalten, wie ihr denn jedermann Zeugnis gab, so ist es gewiss von einer Soldatenfrau etwas Rares.