. das Geleite zu geben, auch, um die Zeit mit angenehmen Gesprächen zu vertreiben, sich zu ihr in den Wagen zu setzen. Dieser liess sich nicht zweimal nötigen, sondern stieg vom Pferde ab, gab solches seinem Diener an die Hand und setzte sich zur fräulein in den Wagen, deren erste Worte waren: "Ihre Verse, mein wertester Herr von Elbenstein, haben völlige Approbation bei mir gefunden; davor sollen Sie auch die Erlaubnis haben, auf die in Ihrer Ode beschriebene Art mir Ihre Not zu klagen", mit welchen Worten sie ihren Arm ganz entzückt um ihn herum schlug und ihren Kopf an seine Brust legte.
Die darauf erfolgte verliebte Tändeleien, so sie miteinander vornahmen, sind unnötig zu beschreiben, sondern man will nur melden, dass Elbenstein der fräulein versprechen müssen, diesen Abend noch von H. zurückzukehren und die Nacht über bei ihrer Frau Muhme und Herrn Vetter zu verbleiben, welches er ihr unter vielen Tenderküssen versprach, auch um desto eher wieder aufbrechen zu können, vor Hh. sich wieder zu Pferde setzte und den nächsten Weg nach H. nahm, wo die dasige Herzogin an seine Prinzipalin wieder zurückschrieb und selbige ersuchte, ihr ohnmassgeblich übermorgen auf dem halben Wege zu T. die Ehre ihres höchst angenehmen Zuspruchs zu gönnen und ihre Reise also zu veranstalten, dass sie im Mittage daselbst eintreffen könnte. Ebendieses sagte sie Elbensteinen auch, mahnete ihn zugleich an, dass er den Aufbruch von M. also ordinieren möchte, damit sie mittags in gemeldten Orte sein könnten, welches denn leichtlich möglich zu machen, indem beide Örter nur drei Stunden voneinander lagen. Indem nun Elbenstein solchergestalt seine Abfertigung erhalten, auch seine Pferde unter der Zeit wohl gefüttert waren, und ihm von den Herren Kavalieren etliche Gläser Wein waren zugetrunken worden, weiln er allen andern Traktamenten depreziert hatte, nahm er seine Rückreise wieder nach Hh., schickte aber aus einem eine Stunde von Hh. gelegenen dorf einen sichern Expressen mit der Herzogin von H. Schreiben an seine Prinzipalin nach M. und berichtete anbei, dass ihm eine plötzliche Unpässlichkeit unterweges zugestossen, welches ursache wäre, dass er das von der Herzogin zu H. Hochfürstl. Durchl. ihm anvertraute Schreiben nicht selbst gehorsamst überreichen können, sondern unterwegs bleiben müssen; jedoch weil es nur ein Anstoss von der Colica, hoffe er morgen mittags in M. zu sein und seine untertänigste Relation mündlich abzustatten. Hiermit befahl er dem Boten, soviel als möglich zu eilen, damit die Herzogin die Briefe noch zu lesen bekäme, ehe sie zur Ruhe ginge, er aber eilete, sobald der Bote fort war, ebenfalls so schnell als möglich nach Hh. zu, wo er mit Untergang der Sonnen anlangete und sowohl von dem Herrn B. als dessen Gemahlin sehr höflich empfangen ward.
Weiln nun der Obristlieutnant von R. und seine Gemahlin, ingleichen zwei Fräul. von R. und zwei junge Kavaliers des Geschlechts von K. bereits daselbst eingesprochen, so hatte Elbenstein mittlerweile, da diese Gäste in dem daranliegenden Garten die Abendmahlzeit bei der angenehmen Abendluft in einer wohlangelegten Grotte einnehmen wollten, gelegenheit, die schöne Fräul. von D.T., wiewohl auf eine sehr kurze Zeit, in ihrem Gemache zu sprechen, da sie denn viele Küsse wechselten, wobei das fräulein immer die zwei letzteren Zeilen aus seiner von ihm empfangenen Ode wiederholete: Da klage ihr bei wiederholten Kuss, wie Redlichkeit unschuldig leiden muss. Da aber der Wohlstand erforderte, sich zur Gesellschaft zu begeben, nahmen sie ihren Weg durch eine Scheune, aus welcher man sogleich in den Garten kommen konnte, und verfügten sich in eine Mooshütte, welche der Grotte, worin gespeiset werden sollte, gerade gegenüber lag, fingen hieselbst ihre Löffelei von neuen wieder an, dabei sogar auch die hände nicht müssig waren, ja die Vertraulichkeit wurde endlich so gross, dass, ob es gleich die Tugend und Ehrbarkeit verbote, die von des veränderlichen Elbensteins Schmeicheleien und Karessen gleichsam bezauberte fräulein ihm dennoch eine nächtliche Visite in ihrem Zimmer zu verstatten, mitin die tür nicht zuzuschliessen, sondern nur anzulehnen versprach. Wie er nun als ein fürstl. Bedienter ein propres Zimmer, welches sehr nahe an der Fräul. von D.T. ihrem angelegen, einbekommen hatte, so machten sie sich die süsse Hoffnung, dass die nächtliche Zusammenkunft ganz fein angehen könnte und würde.
Nachdem dieses alles verabredet, gingen sie zur andern Compagnie und setzten sich bald hernach unter selbiger zur Tafel, sobald selbige abgehoben, wendete Elbenstein wegen getaner Reise grosse Müdigkeit vor, nahm deswegen von der Compagnie unter dem Vorwande, dass er morgen mit dem allerfrühesten aufbrechen müsste, sogleich Abschied und begab sich in das ihm angewiesene Zimmer. Die andern Gäste blieben noch bis Mitternacht in der Grotte, spieleten und trunken von dem delikaten Weine, welchen der Herr von B. selbsten im Überflusse im Keller hatte; die Fräul. von D.T. aber machte sich unter dem Vorwande, dass ihr die heutige Sonnenhitze starke Kopfschmerzen zugezogen, auch bald aus dem Staube. Sobald nun Elbenstein merkte, dass im ganzen haus alles ruhig und stille war, schlich er sich ganz leise in der fräulein Zimmer, was sie aber daselbst miteinander ferner verabredet, ist nicht eigentlich zu melden, man hat auch nicht gehöret, dass sich auf seiten der Fräul. etwas geäussert, so einen unglückseligen Verräter dieser nächtlichen Visite abgegeben hätte oder ihr sonsten einigen Verdruss zuziehen mögen, ausser diesen, dass die Elbensteinen verstattete Freiheit