gelegenheit suchte, seiner erzürnten Venus den begangenen Fehler oder Frevel abzubitten, so wollte sich selbige doch nicht fügen, und die Fräul. von D.T. führte sich, solange die Compagnie noch beisammen blieb, dergestalt spröde und kaltsinnig auf, dass er auf einmal alle Hoffnung verlor, seine Löffelei fortzusetzen. Inmittelst war er desto neugieriger auszukundschaften, wer diejenige gewesen, so er zuerst vor der fräulein von D.T. Ankunft geküsset, und seiner changanten Art nach schlug er sich die spröde und kaltsinnige Fräul. von D.T. sogleich aus dem Sinne, ergötzte sich hingegen in seinem Herzen über den angenehmen Irrtum, der ihm begegnet war. Endlich mahnete die Uhr die sämtliche Gesellschaft an, bei der Wohltäterin unter geziemender Danksagung sich zu beurlauben, daher die Hofdames hierinnen den Anfang machten, und Elbenstein, als er die Fräul. von R. in den Wagen hub und um Vergebung bat, woferne er sich etwas zu frei aufgeführt hätte, bekam unter einem zärtlichen Händedrücken ganz leise von derselben zur Antwort: "Ich bitte gleichzeitig um Verzeihung, dass ich mich etwas zu frei aufgeführet und einer andern vorgefischt habe, jedoch ist es mir lieb, dass ich nunmehr nur weiss, dass der Herr von Elbenstein nicht so unempfindlich gegen das Frauenzimmer ist, als er sich bishero angestellet hat."
Er ging demnach, weil er nunmehr gewiss wusste, wer ihm den Liebespossen gespielet, mit vergnügten gesicht zurück in der Baronne Zimmer, um gleichfalls seinen Abschiedsreverenz zu machen, sobald auch solches geschehen, begab er sich nach seinem Quartiere, wo er sich mit vergnügten Gedanken über die den vergangenen Tag über gehabten Liebesaventuren innigst ergötzte. Den darauffolgenden Morgen bekam er von seiner Herzogin Befehl, nach der Mittagstafel nach H. zu reuten und sie bei der daselbst regierenden Herzogin anzumelden, daher, weil er lieber bei guter Zeit als zu späte in H. sein, auch seine Pferde nicht übernehmen wollte, er in sein Logis zurück ging und seinem Diener befahl, ihm etwas von speisen, ob es gleich auch nur kalte Küche wäre, von dem fürstl. Mundkoche zu langen.
Der Diener berichtete ihm bei seiner Zurückkunft, dass die fräulein von D.T. im Begriff wäre, zu ihrer Frau Muhme, der Frau von B., nach Hh. zu fahren. Weil nun Elbenstein wusste, dass die Strasse dahin vor seinem Quartiere vorbeiginge, als setzte er sich mit seinem Essen an das aufgemachte Fenster, da denn kurze Zeit darauf die fräulein von D.T. gefahren kam, und als sie den von Elbenstein, welcher ihr mit verstellten traurigen gesicht die Reverenz machte, erblickte, nahm sie das an der Brust steckende und aus weissen Lilien und Jesmin bestehende Bouquet und schickte solches durch ihren Laquais dem von Elbenstein, nebst dem Vermelden, dass weil sie gestern von ihm erfahren und gemerkt hätte, wie er ein besonderer Liebhaber der Blumen, vornehmlich aber der Lilien sei, so wollte sie ihm hiermit von dergleichen ein Présent machen, wünschte anbei so glücklich zu sein, ihn zu Hh. zu sehen und nur eine Viertelstunde mit ihm zu sprechen. Elbenstein liess nebst Vermeldung seines gehorsamsten Respekts der fräulein zurücksagen, wie er verhoffte, sie in einer halben Stunde einzuholen und seinen gehorsamsten Dank vor das höchst angenehme Présent persönlich abzustatten.
Unterdessen hatte er zwar keine Zeit gehabt, die versprochenen Verse zu machen, zu allem Glück aber fielen ihm etliche bei, die er schon vor einiger Zeit verfertiget, so aber niemand sonst bekannt waren. Er hielt davor, dass sie sich bei der jetzigen Aventure ebenfalls wohl anbringen liessen, schrieb sie deswegen neu ab, und lauteten dieselben also:
1
Ach, warum ändert doch der Himmel meiner Liebe Nun auf einmal den heitern Freudenschein? Ach! welche Wolke macht ihn jetzt so plötzlich
trübe?
Was muss doch wohl hieran die ursache sein? Ich bin mir nichts Verdammliches bewusst, Kein Falschheitsgift beflecket meine Brust.
2
Mein Schiffgen ladet ja sonst keine andern Waren, Als die mir selbst die Liebe hat erlaubt. Von mir soll nimmermehr ein Sterblicher erfahren, Dass Geilheits Mumien ich je geraubt; Gleichwohl straft mich die Liebe solchen gleich, Die ihren Fuss gesetzt ins Lasterreich.
3
So musst du denn nunmehr, mein armes herz,
stranden
Auf Klippen, die ein kalter Sinn gemacht. Kein Hoffnungsanker ist vor dieses Mal vorhanden, Ein Liebessturm hat dich in Not gebracht, Ist's nicht zu scharf? der Venus strenge Wut Benimmt mir jetzt Trost, Freude, Lust und Mut.
4
Nun denn mein Geist! bleib nur auf deinen
Trauerklippen,
Da deine Lust im wilden Meere schwimmt, Bis deine Göttin dich mit tröstungsvollen Lippen Besänftigt und in ihren Schoss aufnimmt, Denn klage ihr bei wiederholtem Kuss, Wie Redlichkeit unschuldig leiden muss. Inzwischen nun, da die Pferde fertig gemacht wurden, kleidete er sich propre an, sobald er aber vor die Stadt kam und der fräulein Wagen annoch erblickte, folgte er demselben in vollen Galopp, welchen er endlich nach Verlauf einer halben Stunde einholete, weil die fräulein dem Kutscher unter dem Vorwande, dass sie ein wenig schlafen wollte, langsam zu fahren befohlen hatte. Der Laquais, welcher Elbensteinen gleich erkannte, meldete solches der fräulein alsobald an, worüber sie in ihrem Herzen eine ungemeine Freude empfand. Als nun Elbenstein nach abgelegten Kompliment derselben die Verse zum Wagen hineingereicht und sie solche gelesen hatte, ersuchte sie ihn, dass er belieben möchte, ihr bis nach Hh