, leuteriert, summarum der ganze Schlendrian durchpraktiziert, endlich aber baten sich beide Teile gegeneinander Spatium deliberandi aus, um vielleicht einen gütlichen Vergleich zu treffen; allein es kam ganz plötzlich eine Karosse dergestalt schnell die Gasse heruntergefahren, dass die Fenster in allen Häusern schütterten. Die Karosse hielt eben vor diesem haus stille, und es wurde an der Tür derselben entsetzlich stark angepocht, weswegen die Wirtin vom haus, welche eine Befreundte der Baronne von K. war, zum untersten Fenster herausrief: "Wer da?" "Ich bin es, meine Werteste!" rief eine stimme aus dem Wagen und fragte zugleich: "Ist meine Gemahlin noch hier?" "Ja!" sagte die Hauswirtin, "sie ist hier und liegt schon in guter Ruhe. Warten Sie, mein Herr, ich will gleich Licht machen lassen." Unter diesen Wortwechsel sprunge die Baronne von K. aus dem Bette und schrie mit heiserer stimme: "Ach, sankt Antonie! das ist mein Mann." Elbenstein war ebenso geschwind, raffte seine Kleider zusammen und war so glücklich, ehe das Haus geöffnet wurde und man den Baron mit dem Lichte zu seiner Gemahlin bringen konnte, sich durch die Hintertreppe und durch den Hof an den Garten seines Quartiers zu schleichen. Als er aber die Gartentür probierte, fand er dieselbe verschlossen. Mittlerweile fand er vors ratsamste, sich anzukleiden, und da solches völlig geschehen, vermüssete er nichts als seinen Hut, Degen und Stock, welche drei Stück ihm entsetzliche Sorgen verursachten. Allein hier half nichts als die liebe Gedult, denn weil er über die hohen Mauren nicht springen konnte, musste er sich mit der grössten Gelassenheit so lange zu verbergen suchen, bis er sah, wie es ihm weiter erginge.
Das alte Murmeltier war allerdings schuld an dieser seiner Verdrüsslichkeit, denn sobald sie ihn zur Dame begleitet hatte, schloss sie die Gartentüre wieder zu und wartete im Gastofe ihre Geschäfte ab, legte sich hernach unbesorgt zur Ruhe. Kaum aber hatte der Himmel zu grauen angefangen, als sie schon wieder munter ward, sich sachte durch den Garten schlich und die Tür ganz leise eröffnete. Ihre Bestürzung war ungemein gross, als sie Elbensteinen in solchen Zustande daselbst antraf, und über den zurückgelassenen Hut, Stock und Degen wollte sie fast verzweifeln, wenn sie sich vorstellete, was darüber vor ein Unglück würde entstanden sein. Es lief aber die Sache besser ab, als sie sich eingebildet hatte, indem weil die Baronne ein Nachtlicht gehabt, sie nicht nur Elbensteins Sachen auf die Seite bringen, sondern auch das Bette in gehörige Form bringen können, so dass nicht zu bemerken, dass zwei Personen in demselben geruhet hätten. Die Baronne eilete hierauf ihrem die Treppe heraufkommenden Gemahl entgegen, empfing denselben mit vielen Küssen und Liebkosungen, und er erwiderte dieses mit den zärtlichsten Karessen, wobei er meldete, dass, als er nach seiner Abreise von Treviso Nachricht erhalten, wie etliche ihrer Befreundten sie auf ihrem schloss besuchen wollten, er ihr solches erstlich durch einen Expressen zu wissen getan, nachdem aber der Bote schon fort gewesen, hätte ihn die herzliche Liebe zu seiner wertesten Gemahlin angespornet, dieselbe in eigener person abzuholen, welches denn die Ursache, dass er so spät gekommen wäre und sie in ihrer Ruhe gestöret hätte. Nun aber diesen Fehler zu verbessern, bäte er, dass sie sich nur alsobald wieder niederlegen möchte, indem er nur noch eine einzige Bouteille Muskatenwein austrinken wollte, weil er empfände, dass er seinen Magen sehr erkältet hätte, hernach sogleich folgen wollte. Dieses wurde von beiden Seiten ins Werk gestellet, und der Baron führte sich vor dieses Mal gegen seine schmeichelhafte Gemahlin dergestalt verliebt und geschäftig auf als der jüngste Kavalier, allein ohne besonderen Nachdruck, und weil er des Tages über auch schon eine ziemliche Portion Wein zu sich genommen haben mochte, verfiel er in einen solchen tiefen Schlaf, dass die Baronne, sobald sie hörete, dass die Alte vor der Tür wäre, ganz gemählich aufstehen und ihr den Hut, Stock und Degen zur Tür herausreichen konnte. Diese drückte den Hut in ihren Handkorb und verbarg denselben sowohl als die andern Sachen unter ihrer Baotta oder Regentuche, dergleichen das gemeine Volk zu tragen pfleget, wanderte also über Hals und Kopf zu dem von Elbenstein, welchem dadurch, dass er nicht allein seine Sachen wieder sah, sondern auch weiln diese gefährliche Aventure noch so glücklich abgelaufen, ungemein erfreuet wurde. Er erwog die Gefahr, so ihm sowohl als der Baronne daraus entstehen können, da leicht geschehen können, dass, wenn sie beiderseits nach gebüsseter strafbarer Lust von der göttlichen Strengigkeit in einen tiefen Schlaf versenkt worden, der Baron sowohl seine untreue Gemahlin [als auch ihn] der unseligen Ewigkeit würde aufgeopfert haben; welches dieser, als der seine erste Gemahlin aus einem blossen und ungegründeten Verdachte ins wasser gestürzt, so dass sie benebst der Leibesfrucht ihr Leben einbüssen müssen, unfehlbar nicht würde unterwegs gelassen haben, zumalen da er voritzo viel rechtmässigere Ursache gehabt, seine Rache auszuüben. Bei solchen Gedanken verging ihm nicht allein aller Schlaf, sondern er wurde dergestalt in seinem Gewüssen gerühret, dass er aufstund, sein Gebetbuch hervorsuchte und Gott um Vergebung seiner Sünden mit herzlicher Reue und Leid über dieselben inbrünstig anflehete und zugleich demütigst dankte, dass er ihn nicht in Sünden dahingerissen. Hierbei nahm er sich den Vorsatz, sobald er mit seinem Fürsten wieder in N. angelanget, Urlaub, nach Venedig zu reisen, von demselben zu nehmen und daselbst bei