handelte, geschrieben, welches er ebenfalls vertiert hätte, und wenn ihr Gn. es gütigst erlauben wollten, sollte sein Diener sogleich solches aus seinem Logis holen. Hierum ersuchten ihn nun nicht allein die Baronne nebst ihrem fräulein, sondern auch die ganze Compagnie, indem sie vorgaben, dass der Inhalt nicht anders als charmant sein könne. Wie nun das Blatt gebracht worden, bat die Gesellschaft den von Elbenstein, es ohnbeschwert selbsten abzulesen, der sich zwar willig dazu finden liess, jedoch vorher nochmals versicherte, dass er von diesem Stück nicht der Inventor wäre, sondern das Original in französischer Sprache in der liebes- und Lebensgeschicht des spanischen Kardinals Porto-Carero gefunden, als auf welchen der Autor diese Verse verfertiget hätte. Hierauf lase er folgendes her:
1
Liebreiche Nacht! anmutge Dunkelheit, Verzeuch doch nicht, die Schatten herzuführen. Lass unter deinem Flore nicht mehr spüren; Ein Engel sucht vermittelst deiner Gunst Die süsse Frucht vor sein und meine Brunst.
2
Mein herz brennt, wie gross ist seine Pein? Es stirbet fast, der Angst ist nichts zu gleichen. Soll denn davor kein Trost zu finden sein? Ach Tageslicht! willst du nicht einmal weichen, Ei weich doch nur! du unglückseligs Licht, Weil mir die Nacht mehr Süssigkeit verspricht.
3
Mein Engelskind! mein holdes Tausendschön! Was werde ich nicht vor süssen Nektar schmecken, Wird nicht mein Herz in vollen Freuden stehen, Wenn es dir darf sein Innerstes entdecken? Komm, schönes Schwarz, vertreibe Tag und Licht, Mein schönstes Licht verlier ich dennoch nicht. Die fräulein von R. sah ihn hierauf mit einem so charmanten Blicke an, dass er ihre Regungen leicht erraten konnte, und die fräulein von D.T. ersuchte ihn mit einer angenehmen Freiheit, dass er ihr von seinen eigenen Erfindungen doch etwas möchte sehen lassen, da ihm die Übersetzung anderer so wohl geraten wären.
Elbenstein, den der delikate Wein und das artige Wesen der sämtlichen Damen freier zu reden animierete, fragte mit einer schmeichlenden Art, von was vor einer Materie solche handeln, ob sie verliebt, lustig, traurig oder moralisch sein sollte. Die Fräul. von D.T. sah ihn mit einer solchen Miene an, daraus er als ein erfahrener Practicus in Liebeshändeln schon ermessen konnte, wie seine Verse sollten eingerichtet sein; demnach sagte er etwas heimlich zu ihr: "Mein englisches fräulein werden mir demnach erlauben, dass, wenn ich morgen meine Dichterei vornehmen werde, an Ihre anbetenswürdige Schönheit gedenken und solche zum Sujet meiner Poesie erkiesen darf. Ich flattiere mir, dass alsdenn die Einfälle und Penséen nicht anders als tendre und sinnreich sein werden, da das wunderschöne Sujet voller Esprit und höchst liebenswürdig ist." "Ach!" gab hierauf das fräulein zur Antwort, "der Herr von Elbenstein wird's wohl erfahren, dass, wenn er seine Gedanken auf die Betrachtung meiner schlechten Qualitäten wenden wird, wie schlecht und gezwungen seine Verse geraten werden. Jedoch", fuhr sie fort, indem sie ihm die Hand sanfte drückte, "will ich es gern geschehen lassen, auch mich glücklich schätzen, wenn so ein qualifizierter und galanter Kavalier sich meinetwegen bemühen will, und die dafür schuldige Reconnaissance soll auf seiten meiner genau beobachtet werden." Da fing nun die seiner geliebten fräulein von L. allein gewidmete Liebe und Treue allmählich an zu wanken, ja als nach aufgehobener Tafel er mit der Fräul. von D.T. alleine reden konnte, machte er ihr so viel Karessen, dass das gute Fräul. seinen verliebten Anfällen nicht lange widerstehen konnte, sondern ihm sein Bitten gewährete, welches darinnen bestund, dass sie ihm erlauben möchte, ihren schönen Mund zu küssen; dieserwegen wollte er sich hinaus auf den Saal in den Erker verfügen und ihrer gütigen Gewährung seines inbrünstigen Wunsches daselbst im Dunkeln erwarten.
Es trug sich aber zu, dass ihre Frau Mutter sie zu sich rufte und mit ihr von ein und andern, so sie veranstalten sollte, über Vermuten etwas lange redete. Mittlerweile ging die Fräul. von R., um sich etwas abzukühlen, aus dem Gemache auf den Saal und an den Erker, wo sich Elbenstein befand. Indem er nun diese vor das fräulein von D.T. hielt, so umarmete und küssete er sie etlichemal aufs zärtlichste, sagte hierauf: "Morgen wird mein schönster Engel erfahren, wie angenehme Penséen meine Verse in sich halten werden." Es ward ihm aber hierauf nicht geantwortet, vielmehr begab sich die fräulein von R. eiligst von ihm hinweg, indem sie sich leicht einbilden konnte, dass diese Karessen einer andern zugedacht wären. Sie war auch kaum wieder bei der andern Gesellschaft angelanget, als sich die fräulein von D.T. bei ihm einstellete und Elbensteinen um Vergebung bat, dass sie ihn so lange hätte warten lassen, zur Satisfaktion aber wegen des Verzugs wollte sie ihm dasjenige erstlich selbst geben, was sie sonsten von ihm erwarten wollen. Unter diesen Worten küssete sie ihn auf eine solche liebreizende Art, dass Elbenstein dadurch in die angenehmste Entzückung geriet und nach vielen gewechselten Küssen sich noch mehrerer Freiheit gebrauchen wollte, über welche unzeitige Verwegenheit aber sich das Fräul. von D.T. dergestalt alterierte, dass sie sich augenblicklich von ihm losriss und mit geschwinden Schritten eine Treppe hinunterlief. Wiewohl nun Elbenstein, als er wieder zur Compagnie kam, auch die Fräul. von D.T. bereits bei derselben wieder antraf, alle