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Wohin sein Wink und Wille mich nun ziehet,
Da muss ich hin, bald vor, bald auch zurück.
Es saget mir: In Lieb und Meer
kommt man zum Port durch Wallen hin und her.
3
Versuch es denn, desselben Schluss zu zwingen,
Verändre Du die Masse, Zeit und Ziel,
So soll mein Herz von lauter Treue singen,
Ich tue, was Dein Wille haben will,
Der soll alsdenn sein der Magnet,
Nach welchem sich mein Liebesschiffgen dreht.
4
Lass Dir's nur nicht wie einst dem Xerxes gehen,
Der Wellen schlug zu seinem Untergang.
Das Schicksal will sich ungebunden sehen,
Kein Zwang verbannt es auf die Ruderbank.
Wer schliesset es in Kett und Fesseln ein?
Der muss was mehr als nur ein Mensche sein.
Hiermit hatte die arme fräulein ihren Bescheid, und weil sie aus allen Umständen merkte, dass es doch nur eine vergebliche, vor sie aber selbst sehr nachteilige Sache wäre, wenn sie [sich] um Elbensteins herz noch fernerweitige Mühe gäbe, so entschluge sie sich endlich dieser Gedanken und beschloss, mit Gedult die Zeit abzuwarten, bis ihr der Himmel einen andern, beständigern Liebhaber zuführete. Elbenstein hingegen, so zärtlich und aufrichtig er bishero seine Liebste, die Fräul. von L., karessiert, auch dero reiner und vollkommener Gegenliebe versichert war, um soviel desto strafbarer war diejenige Misshandlung, zu der er sich durch folgende Begebenheit, teils von Unkeuschheit, teils Ambition, teils Interesse angetrieben, verleiten liess. Es kam nämlich im folgenden Jahre zu Ende des Maimonats die verwittbete Gräfin N.N. nach D., wo sie 14 Tage verbliebe. Elbenstein bekam die Aufwartung bei ihr. Ob sie nun gleich schon eine Dame von ungefähr 40 Jahren war, so sah sie sich doch noch nicht von denjenigen Regungen befreiet, so sonsten nur die jungen und blutreichen Personen anzufallen und zu bekämpfen pflegen. daher geschahe es, dass, sobald sie nur Elbensteinen anblickte, gleich den Schluss fassete, ihn vor allen andern zu Befriedigung ihrer lüsternen Begierden anzureizen.
Wie nun Elbenstein die Propreté im weissen Zeuge ungemein ästimierte und nach damaliger Mode ein Hembde, um den Halsbund und Schlitz mit den kostbarsten venetianischen Spitzen besetzt, wie auch Manschetten und Hals von eben dergleichen Sorten diesen Tag anhatte, so geschahe es, dass, da der Gräfin fräulein und die andern Anwesenden, nachdem sie, die Gräfin, gefrühstückt, sich aus dem Zimmer begeben, sie auf Elbensteinen zuging und erstlich den Schlossgarten, den man aus ihrem Zimmer übersehen konnte, wegen seiner Schönheit lobte, nachmals auf die Frage kam, wie lange er bei diesem hof in Diensten stünde und was dergleichen fragen mehr waren, die er alle in geziemender Bescheidenheit kurz beantwortete, nach welchem sie mit einer sonderbaren Freundlichkeit zu ihm im Reden fortfuhr: "Monsieur, Er erlaube mir, die artigen und saubern Spitzen, so Er trägt, etwas näher zu betrachten", mit welchen Worten sie erstlich die Manschetten, Halstuch und endlich die an der Brust und um den Halsbund stehende Spitzen begriff, ihn ganz feurig verliebt ansahe und die Unterkehle und Wangen etlichemal ganz sanfte drückte, vor welche unverhoffte Karessen er der Gräfin Hand etlichemal aufs zärtlichste küssete. Hierauf sagte sie: "Mein Kind! Ich will hoffen, dass ich an Ihm einen diskreten und verschwiegenen Kavalier werde gefunden haben, Er wird mir demnach aufrichtig bekennen und die unverfälschte Wahrheit sagen, ob Er sich entschliessen kann, meine person zu lieben und meine zu Ihm tragende Liebe und Affektion mit gleicher Gegenliebe zu vergelten?"
Elbenstein, den wohl ehemals eine schwarzbraune Bäuerin zu charmieren fähig gewesen, bedachte sich nicht lange, ihr solches zu versprechen, denn sie, der Jahre ungeachtet, eine solche angenehme und wohlgewachsene person und von einem recht liebenswürdigen gesicht war, absonderlich hatte sie ein Paar charmante muntere Augen und eine unvergleichliche Brust, so dass sie mancher Dame von 24 Jahren an reizenden und adretten Wesen den Vorzug streitig machen konnte. Seiner gewöhnlichen Kühnheit und Freimütigkeit gemäss, welche er doch jedesmal mit einer einnehmenden und liebkosenden Art zu umhüllen pflegte, umfassete er seiner neuen Göttin Schenkel und küssete solche auf eine liebreizende Art zum öftern, über welche kitzelende Liebkosungen die in der verliebten Gräfin gesicht aufsteigende Röte sattsam und klärl. bezeugte, dass ihr Geblüte in eine starke Aufwallung müsse geraten sein, und das darauf erfolgende inbrünstige Küssen, welches Elbensteins Lippen empfanden, diente ihm zur evidenten Versicherung, dass seine freie Aufführung ihr höchst angenehm falle.
Der künftige Abend ward zu einer fernern verliebten Unterhaltung von beiden Teilen beliebet, worauf Elbenstein sich aus dem Gemach begab, und die Gräfin, nachdem sie sich vollends ankleiden lassen, liess sich von ihm zu der Fürstin von D. führen, da denn unterwegs das verliebte Händedrücken, sehnliches Anblicken und heimliche Seufzer als der Liebe gewöhnliche und in der ganzen Welt eingeführte, auch denen barbarischen Nationen wohlbekannte Sprache nicht unterlassen, sondern damit bis an der Fürstin Vorgemach fortgefahren ward. Nach der Abendtafel, als sich jede fürstl. und hohe Standesperson in ihr Zimmer retiriert hatte, drückte ihm die Gräfin, dass es niemand gewahr ward, unter währenden führen eine Schreibtafel in die Hand, weil sich's nicht schicken wollte, ohne ihren Leuten Verdacht zu geben, sich mit ihm in langen Diskurs einzulassen, daher Elbenstein, sobald er sie in ihr Gemach gebracht und nachdem er mit einem tiefen Reverenz angefragt, ob ihr Hochgräfl. Gn. noch etwas gnädig zu befehlen hätten, wünschte sie