deutschen Kavaliers vor généreuse Leute gegen unsere italiänischen? Wenn ich mit einem von den unserigen zehn Meilen (oder zwei deutsche Meilen) gelaufen bin, bekomme ich kaum nur einen einzigen Lira." Elbenstein gab dem armen Knaben zu verstehen, wie er bedaurete, dass er eine lahme Hand hätte, sonsten er ihm wegen seiner Redlichkeit gern in Dienste nehmen wolle; als von ungefähr aber fragte er, ob er nicht wüsste, wie die Kavaliers und Dames mit Namen hiessen, welche bei der Margareta einzukehren pflegten. "Nein!" sagte dieser, "das kann ich nicht sagen, aber ein einzigmal habe ich gesehen, dass Damen dabei sind, die noch schöner sind als die Engel, und die andern sind auch nicht hässlich, denn sie mögen wohl keine hässliche unter sich leiden können; aber, im Vertrauen zu reden, mit der Margareta hat es wohl Mucken, denn viele Leute sagen, sie habe es selbsten angestiftet, dass ihr einfältiger Mann, dessen sie überdrüssig gewesen, von einem Banditen ermordet worden, weil er nicht nur einsmals bei ihr einen Buhler im Bette angetroffen, von demselben jedoch übel bezahlt worden, sondern auch in der Trunkenheit einsmals von einer Dame, die doch der Margareta vornehmste Wohltäterin sein mag, ein und andere Begebenheit erzählet. Über dieses habe ich neulichst, da man meinete, ich schliefe, gehöret, dass eine andere Gärtnerin zu meiner Mutter sagte: 'Die Margareta hat durch ihre Kupplerei gemacht, dass schon mancher braver, frembder Kavalier ums Leben gekommen ist.'"
Die Haare begunnten Elbensteinen zu Berge zu stehen, als er die letzteren Worte dieses Purschen anhörete, jedoch er stellte sich, als ob er wenig davon verstanden hätte, und als er die Pforte sah, wodurch er wieder in das Städtgen gelangen konnte, dankte er demselben nochmals vor seine Mühe und befahl ihm nunmehr nur, in Gottes Namen nach haus zu gehen. Sobald dieser etliche Schritt von ihm, sprach er bei sich selbst: 'Verflucht sei Margareta und ihre Mordgrube! Nein! wo solche Sirenen wohnen, da will ich nicht hinkommen, sondern mich, solange es sein kann, mit meiner schönen Baronne vergnügen, hernach auf und darvon reisen.' Unter dergleichen Gedanken gelangete er wieder in seinem Logis an, da denn die alte Ruffiana sogleich kam und fragte, wo er gewesen und ob er etwa andere Courtoisie gesucht hätte. "Meine liebe Mutter!" gab er zur Antwort, "Ihr scheinet mir, wie alle alten Leute, etwas wunderlich zu sein. Wo wollte ich denn ein grösseres Vergnügen finden können als bei der Baronne von K., die ihresgleichen an Annehmlichkeiten auf der ganzen Welt nicht haben kann." "Nun, so habt Ihr", versetzte die Alte, "den rechten Glauben, und ich habe Euch nebst dem allerfreundlichsten Grusse von derselben zu vermelden, dass Ihr, sobald es dunkel worden, zu ihr kommen möchtet, damit sie Abschied von Euch nehmen könne, weilen sie heute einen Expressen von ihrem Gemahl bekommen, mit dem Befehl, dass sie morgen mit dem allerfrühesten aufbrechen und nach haus kommen möchte, indem eine starke Gesellschaft ihrer Befreundten, von Dames und Kavaliers, als morgen auf ihren schloss eintreffen und sich mit Jagden, Fischereien, Bällen und dergleichen ergötzen wollten."
Durch diese Nachricht wurde Elbenstein einesteils bestürzt, weil er seine anmutige Baronne so bald entbehren sollte, andernteils aber auch beruhiget, weilen er solchergestalt den Fallstricken der Margareta desto geschwinder entgehen könnte, als vor welchen er sich einigermassen zu fürchten ursache hatte. Demnach liess er dem Wirt durch die Alte sagen, dass, weil er diesen Mittag späte gespeiset, er abends mit kalter Küche vorliebnehmen und sich desto zeitiger zu Bette legen, die Mahlzeit aber doch vor voll bezahlen wollte. Solchergestalt blieb er des Wirts Besuchung überhoben, als welcher es vielleicht auch nicht ungern sehen mochte, weiln er seinen andern Gästen desto besser aufwarten konnte. Diese hochmütigen Italiäner fragten ihn, warum der Deutsche nicht gelegenheit gesucht, mit ihnen in Compagnie zu kommen, allein der Wirt war dennoch so raisonnable, Elbensteinen zu exkusieren, indem er vorstellete, dass dieser ein Mensch von sehr stillen Humeur sei und, da er über dieses sehr wenig italiänische Worte zu Markte bringen könnte, sich allerdings noch scheuete, in dergleichen vornehme Compagnie zu kommen, weiln er vielleicht befürchtete ausgelacht zu werden, da er nur erstlich sehr wenige Wochen in Italien gewesen.
Das Frauenzimmer hielt Elbensteins Partie gegen die Kavaliers, so dass diese sich gezwungen sahen, ihnen recht zu geben. Sobald aber die starke Compagnie die Lichter ausgelöscht, kam die Alte zu Elbensteinen und vermeldete, wie es nunmehr Zeit wäre, sich zur Baronne zu verfügen, weswegen er sich alsobald zurechte machte und mit ihr, jedoch ohne Laterne, durch den Garten fortschlich, damit sie nicht etwa von annoch wachsamen Augen belauert werden möchten.
Beide kamen glücklich an Ort und Stelle, ohne von jemanden bemerkt zu werden, die Alte retirierte sich sogleich, Elbenstein aber wurde von der charmanten Baronne dergestalt liebreich empfangen, dass er vor Vergnügen fast ganz aus sich selbst gesetzt war. Die Traktamenten von den delikatesten Sachen stunden zwar parat, allein sie hielten sich nicht lange darbei auf, weiln beide begierig waren, den Prozess ins reine zu bringen, welchen sie in voriger Nacht ventiliert hatten. Elbenstein, der das Jus auf Universitäten ex fundamento gelernet, brachte ein; es passierte Satz und Gegensatz; es wurde protestiert, appelliert