worin der Herr von Elbenstein, als ein galanter Kavalier, einigen vergnügten Zeitvertreib gefunden. Dieser gab hierauf zur Antwort, wie er den Hauptzweck, warum er in frembde land gereiset, zu beobachten, die Zeit also anwenden und einteilen müssen, dass er nach der ohnedem höchst gefährlichen Konversation der italiänischen Dames nicht verlangen können, mit dissoluten und liederlichen aber die Zeit zu verlieren würde weder appetitlich, ratsam noch nützlich gewesen sein, in Erwägung, dass man von dergleichen Ergötzungen nur ein nagendes Gewissen, ungesunden Leib und Verlust seines Geldes zu gewarten hätte. Die fräulein von G. replizierte, dass sie sich würde schwerlich überreden lassen, dass der von Elbenstein von allen verliebten Aventuren sollte befreiet geblieben sein, lobete ihn anbei, dass er mit seinen Liebesergötzungen so geheim wäre, deswegen sie diejenige Dame glücklich schätzen müsse, welche von einem so diskreten und honetten Kavalier ästimiert würde. Sie vor ihre person wollte sich höchlich gratulieren, wenn sie Elbensteinen nur zu ihren Konfidenten erkiesen dürfte.
Wie nun er, als ein Sanguineus, so den Liebesanfällen bei einem so angenehmen gegenstand nicht lange zu widerstehen vermögend war, ergriff er das auf der Seite stehende Glas Wein und sagte: "Mein schönes fräulein, ich halte Sie bei Ihrem Worte, und zu bezeugen, dass ich es recht aufrichtig und von Herzen meine, so erlauben Sie mir, dass ich dieses Glas Wein auf glückliche Aufrichtung einer beständigen und getreuen Konfidentschaft Ihnen zutrinken möge", worauf er unter verliebten Mienen das Glas austrank, nachdem er es wieder eingeschenkt, den Rand desselben küssete und ihr mit einer charmanten Art überreichte, welches sie auf gleiche Art mit besonders liebreicher Stellung austrank. Hierauf fragte Elbenstein, wann er nunmehr die süsse Vergnügung haben und den Effekt der gemachten Confidence geniessen sollte, worauf das fräulein von G. antwortete, dass in Gegenwart so vieler Dames und Kavaliers es sich voritzo nicht schickte, wenn er aber auf ihr Zimmer, wo ihr Mägdgen nur allein wäre, sich bemühen wollte, so könnte seinem und ihrem Verlangen eher ein Genügen geschehen. Hierauf ergriff Elbenstein das artige fräulein bei der Hand und sagte zu ihr etwas laut: "Gnädiges fräulein! wo es nicht beschwerlich, so wollte ich gehorsamst bitten, mir, als einem Liebhaber der Schildereien, die in den andern Gemächern befindliche Stücke zu zeigen." Wie sie sich nun hierzu gefällig erzeigte, führte er sie nach ihrem Zimmer, wo sie dem Mägdgen befahl, etwas von Obste und Confituren herbeizubringen. Mittlerweile, als diese abwesend war und Elbenstein der fräulein Porträt ansichtig ward, sagte er: "Mein schönster Engel! Ich will den Anfang machen, Ihnen etwas in geheim zu vertrauen." Unter diesen Worten küssete er der Fräul. Porträt aufs zärtlichste. Sie, welche von dergleichen artiger Erfindung, einen Liebesantrag zu tun, nicht wenig charmiert war, sagte darauf: "Ich sehe wohl, dass Sie in Italien die Abgötterei recht gelernet haben; allein versünd[i]gen Sie sich doch nicht so sehr an leblosen Kreaturen", womit sie ihn ganz verliebt ansahe und die Hand drückte. Elbenstein sagte hierauf: "So will ich das Original um Vergebung dieses begangenen Verbrechens bitten", unter welchen Worten er das Fräul. zu verschiedenen Malen auf das verliebteste küssete, welches, als es zum öftern wiederholet ward, das verliebte fräulein endlich mit gleichen vergalt. Es wollten sich zwar bei Elbensteinen noch mehrere lüsterende Kuriositäten regen, allein die Ankunft des Mägdgens setzte beide Verliebten in eine sittsamere und eingezogenere Positur.
Die fräulein präsentierte ihrem neuen Konfidenten etwas von denen Erfrischungen, und et legte ihr gegenteils unter lauter schmeichelenden Mienen ein und anderes vor. Ehe er sich's aber versahe, fing ihm die Nase heftig zu bluten an. Demnach befahl das Fräul. ihrem Mägdgen, eine Schale mit kalten wasser herbeizubringen und mit einem darein genetzten Tuche Elbensteins Nacken zu berühren. Dieser aber merkte gar bald, dass des artigen Mägdgens Hülfleistung aus etwas anders als aus einer blossen Dienstfertigkeit herrührete, indem unter dieser Beschäftigung ihre Finger an Elbensteins Halse das zu verstehen gaben, was ihr Mund ihm nicht sagen durfte. Er als ein starker Practicus in der Löffelei antwortete ihr mit einem verbindlichen Blicke, wie dass er nämlich ihre Meinung verstanden hätte, daher er ihr seiner wandelbaren Gemütsart nach sogleich einen ziemlichen teil von der ihrer Fräul. gewidmeten Neigung zuwendete, und indem er, ihre Mühe mit einem Gulden zu vergelten, sie bei der Hand fassete, durch eine den Verliebten bekannte und gewöhnliche Art und Weise ihr seine Gewogenheit zu verstehen gab.
Also war fräulein und Dienerin zugleich mit ihm ins Liebesgarn geraten; weiln aber der Wohlstand erfoderte, dass die fräulein sich eher als er sich wieder zur Gesellschaft begäbe, ging sie alleine voran und berichtete auf beschehene Nachfrage, wo er geblieben und dass ihm die Nase so stark geblutet hätte. Solchergestalt bekam Elbenstein gelegenheit, Grisetten, so war des Kammermägdgens Name, durch etliche hitzige Küsse, welche sowohl auf den Mund als die wohlbestellte Brust fielen, ihre zu ihm tragende Liebe zu probieren, in welcher probe denn sie durch etliche wohl angebrachte geilen Küsse, wobei die Zunge auch das ihrige beitrug, zu verstehn gab, dass, ob sie gleich kaum das 18te Jahr zurückgelegt, sie dennoch in der Kunst und Wissenschaft zu lieben kein unerfahrnes Kind wäre. Die kurze Zeit, so ihnen ohne Verdacht beieinander zu sein erlaubt war, druckte beiden eine sehnsucht ein, genauer miteinander bekannt zu werden, welche zu stillen der folgende Tag früh um