sie aus grosser Liebe zu ihm unfehlbar verzweifeln müsste. Elbenstein entschuldigte sich gegen die Überbringerin des Briefes, dass er nicht schriftl. antworten, auch des Frauenzimmers Befehle unmöglich nachkommen könnte, indem er Schaden an der rechten Hand genommen, auch sonsten sich dergestalt malade befände, dass ihm unmöglich wäre, aus seinem Zimmer zu gehen. Hiermit war diese abgefertiget, und Elbenstein hatte nichts weniger im willens, als noch einen Schritt nach ihr zu gehen, sondern hatte sich vielmehr vorgesetzt, wenigstens solange er in Italien lebte, keine Liebesexzesse mehr zu begehen. Kaum aber war er des andern Morgens aufgestanden, als ihm abermals durch einen unbekannten Menschen ein Brief überbracht wurde, den die Baronesse von K. stilisiert hatte. In diesem wurde ihm nun das Capitul gar gewaltig gelesen, dass er sie etliche Wochen in der Residenzstadt seines Fürsten vergeblich auf sich warten lassen, da sie doch beide die schönste gelegenheit gehabt hätten, einander zu vergnügen. Sie warf ihm auch vor, dass er vielleicht ihrer überdrüssig worden und andere Amours werde gesucht haben, jedoch zum Schlusse des Briefes ermahnete sie ihn, dass, wenn er ein gut Gewissen hätte, sie noch liebte und sich bei ihr wegen dessen, was sie ihm schuld gegeben, sattsam zu reinigen gedächte, solle er ehester tages Urlaub von seinem Fürsten nehmen und auf einige Tage zu ihr kommen, weil ihr Gemahl verreiset wäre und vor Verlauf des folgenden Monats schwerlich zurückkommen würde. Hierbei hatte sie ihm auch ausführlich geschrieben, bei wem er im Flecken einkehren, wie er sich verhalten sollte und auf was vor Art er bei Nachtszeit heimlich in ihr Schloss und in ihr Zimmer kommen könnte.
"Nein!" sprach Elbenstein, "dir komme ich auch nicht wieder, weg mit aller solchen gefährlichen Buhlerei." Er fertigte demnach diesen Boten fast ebenso ab als den gestrigen, nur dass er noch darbei sagen liess, wie er, sobald er sich im stand befände, wieder auszugehen und seinen Fürsten zu sprechen, er Sr. Durchl. der Gn. Baronesse Interzessionsschreiben vorlesen, auch, sobald sein Arm kuriert und er wieder schreiben könnte, nicht verabsäumen würde, schriftliche Nachricht zu übersenden oder womöglich dieselbe mündlich zu überbringen.
Mit diesem Sacke voll Winde packte sich dieser andere Liebeskurier auch wieder fort; allein Elbenstein begonnten allerhand Grillen in den Kopf zu steigen, denn er gedachte: 'Merken diese Damen erstlich, dass du sie bei der Nase herumführest, so werden sie endlich eine strenge Rache gegen dich ausüben; lässt du dich aufs neue wieder ins Garn locken, so kann es dir letztlich leicht also ergehen, wie es andern deinesgleichen und sonderlich dem deutschen Kavalier ergangen ist, von welchem dir der Kammerdiener erzählet hat. Um aber diesem Unglücke vorzubauen, sonne er auf ein Mittel, sich mit guter Manier von seinem Fürsten loszuwickeln und Italien zu verlassen. Endlich fiel ihm dieses ein: Er liess durch den aufgenommenen Kammerdiener im Namen seines Herrn Vaters einen Brief schreiben, in welchem ihm befohlen ward, dieweil seine Frau Mutter gefährlich krank darniederläge und die Medici an ihrer Genesung, an dem ihr zugestossenen auszehrenden Fieber gänzlich desperierten, sich schleunigst auf die Rückreise nach seiner Heimat aufzumachen und sich [durch] nichts als Gottes Gewalt abhalten zu lassen, indem sie sich ungemein sehnete, ihn vor ihrem Ende nur noch einmal zu sehen. Über dieses so wäre er, der Vater, ebenfalls dermassen hinfällig, dass er, zumalen wenn die Mutter sterben sollte, es nicht lange machen würde, demnach würde Elbenstein sowohl aus kindlicher Pflicht gegen seine Eltern als brüderlicher Liebe gegen seine unmündigen Geschwister, ingleichen seines eigenen Nutzens wegen nicht verabsäumen, aufs allereiligste nach haus zu kommen, wie sie ihm denn zu dem Ende 200 spec. Dukaten Reisegeld par Wechsel übermacht hätten.'
Folgendes Tages, da Elbenstein die Aufwartung wiederum aufs neue bei seinem Fürsten machte, befahl dieser sogleich, dass der Wagen vorrücken und Elbenstein sich allein zu ihm hineinsetzen sollte. Demnach fuhr der Fürst, von wenigen seiner Bedienten begleitet, mit ihm in [einen in] einer plaisanten Gegend und nur etwa eine Stunde von der Residenzstadt gelegenem Meierhof. Es war bereits bestellet, dass der Fürst allda die Mittagsmahlzeit einnehmen wollte, weil es aber, da sie ankamen, noch zu früh dazu war, so befahl er Elbensteinen spazieren mit ihm zu gehen. Sie gingen also um den ganzen Meierhof herum, und Elbenstein bewunderte dessen schöne Lage wegen der dabei befindlichen trefflichen Felder, Waldung, Quellen, Bäche und Fischhälter. "Ja, mein lieber Elbenstein", sagte der Fürst, "es ist wahr, die Lage ist schön, und eben dieserwegen habe ich mir in meinen Kopf gesetzt, ein feines Lustschloss anhero zu bauen, um meines Namens Gedächtnis zu stiften, es soll aber nicht auf italiänische, sondern auf deutsche Art gebaut werden. Weil ich nun weiss, dass Er in der Architektur und Zeichnungskunst wohl erfahren ist, so will ich bitten, dass Er mir zwei oder drei Risse zu einem dergleichen schloss macht, worunter ich mir einen auslesen will. Ich bin gesonnen, das Geld daran zu wenden, welches Er mir von Venedig gebracht hat, auch wohl noch etliche 1000 Dukaten darzuzutun, denn ich möchte es doch wohl etwas propre haben, sähe auch gern, wenn Er den ganzen Bau dirigieren wollte, indem ich mein ganzes Vertrauen auf Ihn gesetzt, auch Seine Mühwaltung desfalls wohl belohnen will."
Elbenstein stutzte gewaltig über des Fürsten Reden, so dass er die Farbe verwandelte und demselben